Milliardenpoker: Siemens will 7,2 Milliarden Euro für Alstom bieten

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Milliardenpoker: Siemens will 7,2 Milliarden Euro für Alstom bieten

, aktualisiert 12. Juni 2014, 16:44 Uhr
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Kein Solo für Siemens - Kaeser holt im Alstom-Poker Japaner ins Boot. Die Höhe des Angebots steht auch schon fest.

Siemens will sich im Ringen mit GE um Alstom nun mit Mitsubishi zusammentun. Der Ausgang des Tauziehens ist weiter unklar. Wer auch immer den Zuschlag bekommt: Für Alstom wird wohl alles anders.

Das von Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) erwogene Angebot für den französischen Rivalen Alstom beläuft sich nach japanischen Informationen auf umgerechnet 7,2 Milliarden Euro (eine Billion Yen). Das berichtete die führende japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ am Donnerstag ohne Nennung von Quellen. Demnach will MHI zusammen mit der heimischen Hitachi-Gruppe ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, um die Dampfturbinen-Sparte von Alstom für 500 Milliarden Yen zu übernehmen. Das Geschäft mit Stromnetzen von Alstom sei dabei nicht Teil der Planung, hieß es. Siemens holte Mitsubishi Heavy Industries als Partner ins Boot, um einer Offerte von General Electric (GE) für Alstom Paroli zu bieten.

Man prüfe gemeinsam mit dem Konkurrenten Mitsubishi Heavy Industries (MHI) ein mögliches Angebot, teilten Siemens und MHI am Mittwoch überraschend mit. Kurz vor dem Ende der Frist für eine Offerte der Münchner am Montag (16. Juni) bringt Siemens damit eine neue Option und einen weiteren Akteur ins Spiel. Die Entscheidung über ein Angebot dürfte am Sonntag fallen. Dann tagt der Aufsichtsrat von Deutschlands größtem Elektrokonzern.

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Das Tauziehen um Alstom

  • April

    Am 24. April wird bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Am nächsten Tag rufen die Übernahmegerüchte die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf in die USA mit allen Mitteln verhindern. Am 27. April greift Siemens in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert. Am 28. April schaltet sich Frankreichs Präsident Hollande in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE. Einen Tag später kündigt Siemens ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Am 30. April empfiehlt der Verwaltungsrat von Alstom den Aktionären eine bindende Offerte von GE. Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen.

  • 7. bis 11. Mai

    Siemens-Chef Kaeser betont „ernsthaftes“ Interesse an Alstom. Zugleich sagt der Manager, er wolle mit dem Übernahmeplan auch die Handlungsfähigkeit der Siemens-Führung unter Beweis stellen. Einen Tag später lehnt Montebourg das GE-Angebot für Alstom öffentlich ab. Am 9. Mai berät Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem Kollegen Montebourg über einen möglichen Alstom-Siemens-Deal. Am 11. Mai werden Medienberichte bekannt, laut denen Siemens Alstom neben der eigenen Bahnsparte auch das Geschäft mit Signaltechnik anbieten will.

  • 14. und 15. Mai

    Frankreichs Regierung sendet widersprüchliche Signale. Energieministerin Ségolène Royal bezeichnete das GE-Angebot in einem Interview als „sehr gute Gelegenheit“. Nach einem Treffen mit Kaeser teilt sie mit, das deutsche-französische Projekt komme gut voran. Einen Tag später erweitert Paris seine Eingriffsrechte bei internationalen Deals. Mittels Verordnung könne ohne die bei „nationalem Interesse“ nötige Zustimmung eine ungewünschte Alstom-Übernahme gekippt werden.

  • 18. Mai

    Der Siemens-Betriebsrat fordert für den Fall einer Alstom-Übernahme erneut den Erhalt der Arbeitsplätze in der Bahnsparte des Konzerns, die dann an die Franzosen gehen soll.

  • 20. Mai

    Nach Angaben der französischen Regierung hat Siemens um zusätzliche Informationen über das Unternehmen gebeten. Paris wertet dies als Hinweis auf ein bevorstehendes Übernahmeangebot.

  • 24. und 28. Mai

    Hollande lässt erneut ein Treffen mit GE-Chef Jeff Immelt anberaumen. Der Präsident hatte das GE-Angebot zuletzt als nicht ausreichend bezeichnet. Am 28. Mai bessert GE das eigene Angebot nochmals etwas nach.

  • 30. Mai

    Kaeser betont nochmals, dass Siemens keinen Zeitdruck verspüre und bis zum 16. Juni alle Optionen prüfen werde.

  • 11. Juni

    Überraschend geben Siemens und der japanische Konkurrent Mitsubishi Heavy Industries (MHI) bekannt, ein gemeinsames Angebot für Alstom zu prüfen.

  • 16. Juni

    Siemens und MHI legen ihr Angebot für Alstom vor. MHI will sich mit bis zu zehn Prozent an Alstom beteiligen und eine umfassende industrielle Allianz, aber keine Übernahme. Das Gasturbinen-Geschäft der Franzosen soll an Siemens gehen. Insgesamt beinhaltet die Offerte Barzahlungen von Siemens über 3,9 Milliarden Euro und von MHI über 3,1 Milliarden Euro.

„Ich begrüße die Bereitschaft von MHI, sich unseren Überlegungen anzuschließen“, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser. Einzelheiten der Pläne, die Siemens mit den Japanern bereits vereinbart haben dürfte, nannten die Unternehmen allerdings nicht. „Wir sind davon überzeugt, dass wir einen substanziellen Beitrag zu einer partnerschaftlichen Lösung für Alstom leisten können, der einen Mehrwert für alle beteiligten Parteien inklusive des Landes Frankreich schaffen wird“, sagte MHI-Chef Shunichi Miyanaga der Mitteilung zufolge.

Das Ringen um die Übernahme von Teilen des französischen Mischkonzerns Alstom ist inzwischen ein weltweiter Bieterstreit. Dabei sind viele Einzelheiten nach wie vor unklar. Sicher ist indes nur, dass der US-Elektroriese General Electric (GE) die Energiesparte der Franzosen kaufen will und dafür umgerechnet rund 12,35 Milliarden Euro bietet. Und klar ist auch, dass der Verwaltungsrat von Alstom dieser Offerte positiv gegenüber steht.

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Die französische Regierung wiederum zeigte sich weiterhin offen. Es gebe „keine Präferenz“, hieß es am Donnerstag in Paris nach einem Treffen von Präsident François Hollande, Regierungschef Manuel Valls und Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Ziel sei es, verbesserte Angebote für Alstom zu bekommen.

Bereits am Mittwoch war aus dem Umfeld von Alstom hingegen Skepsis zu hören. Denn die Pläne von Siemens und MHI kämen einer Zerschlagung gleich, wie es hieß. Das allerdings, so hört man in der Branche, wäre auch bei einer Übernahme von Alstom-Teilen durch GE kaum anders.

Wer immer also den Zuschlag bekommt: Für Alstom wird am Ende wohl alles anders sein.

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