Siemens kauft die Softwarefirma Mentor für 4,5 Milliarden Dollar

Milliardenübernahme: Siemens kauft US-Softwarefirma Mentor

, aktualisiert 14. November 2016, 11:51 Uhr
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Siemens kauft den US-Softwarehersteller Mentor

Der Elektronikkonzern Siemens übernimmt die amerikanische Softwareschmiede Mentor für 4,5 Milliarden Dollar. Das Münchener Unternehmen will so sein Geschäft mit Industriesoftware weiter ausbauen.

Siemens -Chef Joe Kaeser gibt mit einem milliardenschweren Zukauf beim Umbau des Traditionskonzerns Gas. Die Münchener kündigte am Montag an, den US-Softwarespezialisten Mentor Graphics für 4,5 Milliarden Dollar zu übernehmen. Die Anteilseigner sollen 37,25 Dollar je Aktie erhalten. "Mentor komplementiert unser starkes Angebot bei Mechanik und Software mit dem Design, Test und der Simulation von elektrischen und elektronischen Systemen", erklärte Siemens-Vorstand Klaus Helmrich. Erst vor einer Woche hatte Kaeser bekannt gegeben, die traditionsreiche Medizintechnik seines Hauses an die Börse bringen zu wollen.

Kaeser baut seit einiger Zeit das Geschäft mit Industriesoftware massiv aus. In den vergangenen Jahren erwarb Siemens gut ein Dutzend Firmen, die auf Industrie- und Produktionssoftware spezialisiert sind, darunter die US-Unternehmen UGS und CD-adapco. Erst am Donnerstag hatte Kaeser angekündigt, sich an der Simulationsfirma Bentley zu beteiligen. Er will Siemens als einen der führenden Ausrüster für "Industrie 4.0", die Digitalisierung der Industrie, positionieren.

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Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 setzte Siemens mit Software und digitalen Diensten rund 4,3 Milliarden Euro um. Die Gesamteinnahmen der Münchner beliefen sich auf knapp 80 Milliarden Euro. In Kaesers Entwicklungsplan bis 2020 spielt das Digitalisierungsgeschäft aber eine entscheidende Rolle. Der Markt dafür soll jährlich durchschnittlich acht Prozent wachsen, deutlich stärker als die Märkte für herkömmliche Automatisierungstechnik und Elektrifizierung und den zugehörigen Dienstleistungen. Von traditionellen Geschäftsfeldern wie der Telekommunikation, der Lichttechnik bei Osram oder elektronischen Bauteilen hat sich Siemens über die Jahre bereits verabschiedet.

Der Kauf von Mentor erscheint Experten allerdings in dem Zusammenhang etwas ungewöhnlich. Die in Wilsonville im US-Bundesstaat Oregon ansässige Mentor Graphics stellt Software für die Konstruktion von Halbleitern her. Aus der sehr speziellen Welt der Mikrochips war Siemens vor eineinhalb Jahrzehnten mit der Trennung von Infineon ausgestiegen und hatte sich von der Halbleiterei und ihren Schwankungen seither ferngehalten. Zu Mentors Kunden zählen just Infineon und andere klassische Chiphersteller, aber auch große Automobilbauer und -zulieferer, die mit der Software der Amerikaner etwa Kabelbäume in Fahrzeuge konstruieren oder Leuchten designen. Die größten Rivalen sind die US-Firmen Cadense und Synopsis.

Mentor kam mit 5700 Mitarbeitern zuletzt auf einen Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Dollar und eine bereinigte Marge von 20,2 Prozent. "Siemens erwartet, dass diese attraktiven Margen auch in der Zukunft anhalten werden", hieß es. Der Konzern kündigte an, in drei Jahren werde Mentor zum Gewinn beitragen. In vier Jahren ließen sich Synergien auf der Ebene des Betriebsgewinns von 100 Millionen Euro erzielen. Reuters hatte bereits in der Nacht zu Montag über die bevorstehende Transaktion berichtet. Der Aktienkurs von Siemens stieg in einem freundlichen Gesamtmarkt um 1,1 Prozent.

Siemens Der Umbau ist noch lange nicht abgeschlossen

Vorstandschef Joe Kaeser zündet die nächste Raketenstufe seiner Vision 2020: Er will das hochprofitable Geschäft mit der Medizintechnik an die Börse bringen.

Joe Kaeser Quelle: REUTERS

Der umtriebige Mentor-Großaktionär Elliott unterstütze die Transaktion, teilte Siemens mit. Erst im September war der aktivistische Investor mit 8,1 Prozent bei Mentor eingestiegen und hatte erklärt, das Unternehmen sei deutlich unterbewertet. An der Börse war Mentor Graphics zuletzt rund 3,3 Milliarden Dollar wert. Siemens zahlt nun gut ein Fünftel mehr. Analysten sehen den Preis als nicht übermäßig teuer an. "Wir glauben, dass die Kombination mit dem bisherigen Softwaregeschäft bei Siemens das Unternehmen aus der System-Perspektive in eine starke Wettbewerbsstellung versetzt", erklärte Günther Hollfelder von Baader.

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