Milliardenumsatz angepeilt: Siemens klammert am grünen Traum

Milliardenumsatz angepeilt: Siemens klammert am grünen Traum

, aktualisiert 18. Dezember 2011, 20:47 Uhr
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Flaute für die deutsche Windkraftbranche: Die erfolgsverwöhnte Ökostrom-Sparte hat im vergangenen Jahr 19 Prozent weniger neue Kapazität aufgebaut als 2009 und das eigene Branchenziel deutlich verpasst. Insgesamt wurden 2010 nur 1551 Megawatt Windleistung neu installiert, wie der Bundesverband Windenergie mitteilte.

von Axel HöpnerQuelle:Handelsblatt Online

Der Klimagipfel von Durban ist enttäuschend ausgefallen. Dies könnte das Geschäft mit Umwelttechnologien künftig schwieriger machen. Siemens aber will an den ambitionierten Zielen für sein grünes Portfolio festhalten.

München„Der Markt für grüne Technologien ist da – mit oder ohne Durban“, sagte Siemens-Vorstand Barbara Kux dem Handelsblatt. Branchenexperten sind indes skeptisch. Nach Durban hätten die Staaten weniger Druck, in umweltfreundliche Technologien zu investieren, sagte Theo Kitz, Analyst vom Bankhaus Merck Finck. „Viele haben derzeit ja auch wirklich andere Sorgen.“ Das werde die Geschäfte von Konzernen wie Siemens, ABB oder Schneider mit Umwelttechnologien bremsen.

Siemens sieht sich bei Umwelttechnologien mit einem Portfolio von zuletzt 29,9 Milliarden Euro als Weltmarktführer. Erst 2010 stockte Konzernchef Peter Löscher – damals in einem freundlicheren konjunkturellen Umfeld – die Ziele auf. Bis 2014 soll der Umsatz des grünen Portfolios aus eigener Kraft auf 40 Milliarden Euro steigen. Seit die Aktivitäten der Lichttochter Osram, von der sich Siemens trennen will, nicht mehr hinzugerechnet werden, ist dieses Ziel noch ambitionierter geworden. „Ich bin nach Durban noch skeptischer, ob es erreicht werden kann“, sagte Kitz.

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Zukäufe sind vorstellbar

Nötig sind in den kommenden drei Jahren immerhin jährlich Zuwächse von mehr als zehn Prozent. Kux räumt zwar ein, auch das Geschäft mit Umwelttechnologien sei nicht immun gegen einen wirtschaftlichen Abschwung. Doch Siemens halte das 40-Milliarden-Euro-Ziel aufrecht. „Wir arbeiten hart daran, es umzusetzen.“ Schließlich seien Unternehmen und Kommunen gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten daran interessiert, durch Investitionen zum Beispiel die Energiekosten zu senken. Auch im laufenden Geschäftsjahr 2011/12 werde das Umweltportfolio daher wachsen – „und zwar schneller als der Gesamtkonzern“. Zudem seien Zukäufe vorstellbar. „Finanziell haben wir die Ressourcen. Bei Opportunitäten werden wir die Augen nicht verschließen.“

Zum grünen Portfolio zählt Siemens etwa seine Windräder und besonders energieeffiziente Gasturbinen, aber auch Züge und Computertomografen, die weniger Strom verbrauchen als die Vorgänger. Es gibt zwar keine einheitlich verbindlichen Standards, die Beratungsgesellschaft Ernst & Young kontrolliert aber im Auftrag von Siemens die Zusammensetzung des Portfolios. „Einheitliche Standards wären ideal. Das würde zu einer besseren Transparenz führen“, sagte Kux.


Es fehlt eine einheitliche Definition

Siemens-Chef Löscher hatte nach seinem Amtsantritt die Umweltaktivitäten aufaddieren lassen. Er vermarktet das Unternehmen seither als „grünen Infrastrukturgiganten“. Der Erzrivale General Electric, für den Löscher früher gearbeitet hatte, war schon eher auf die Idee gekommen. GE bündelt die Aktivitäten unter dem Label „Ecomagination“. 2010 kamen die Amerikaner auf einen Umsatz von 18 Milliarden Dollar; in den nächsten fünf Jahren soll der Bereich doppelt so schnell steigen wie der Konzernumsatz.

Kritiker werfen beiden Konzernen vor, sich nur einen grünen Anstrich zu verpassen. Weil es gut fürs Image sei, bekomme das normale Portfolio eine schöne Verpackung. Computertomografen zum Beispiel seien aber keine klassischen Umweltprodukte.

Natürlich weisen die Konzerne das zurück. Sie verweisen auf Zertifizierungen und die Mengen an Kohlendioxid-Ausstoß, die durch ihre Produkte eingespart werden können. Was aber grün ist – da gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten.

So zählt GE Nuklear-Aktivitäten zum Portfolio, eben wegen des eingesparten Kohlendioxids. Siemens dagegen ließ das heikle Thema von Beginn an außen vor. Nach der Reaktorkatastrophe in Japan hat Löscher ohnehin die Pläne für ein Comeback im Nukleargeschäft kassiert. Und schließlich passen diese Aktivitäten nicht wirklich gut zum grünen Image. „Es erleichtert manche Argumentation“, sagte Kux denn auch über die Entscheidung von Siemens, aus der Atomkraft auszusteigen. Die deutsche Energiewende sei eine große Chance. „Wir haben die Möglichkeit, ein Beispiel zu setzen für die Welt, was möglich ist.“

Das könnte auch eine Chance sein für deutsche Umwelttechnologie-Anbieter. Die sind zwar in vielen Sparten technologisch noch führend. Doch die Photovoltaik-Branche hat erlebt, wie schnell Konkurrenten aus China auf- und überholen können. „Die chinesischen Unternehmen könnten sich zu den größten Konkurrenten bei den grünen Technologien entwickeln“, sagte Kux. China wolle auch im Bereich der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielen.

Ebenfalls beim Klimagipfel in Durban spielten die Chinesen eine Schlüsselrolle. Kux war eigens zu dem Treffen nach Südafrika angereist. Von Enttäuschung will sie nach dem Gipfel nicht sprechen. Wichtig sei, dass der „Prozess der kleinen Schritte“ weitergehe. Natürlich sei der Gipfel von der Finanzkrise überschattet gewesen. „Aber Nachhaltigkeit ist ein mindestens so bedeutsames Thema für die Menschheit wie die Finanzkrise.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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