Mittelstandsanleihe: Schlechte Zahlen bei Rickmers

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Mittelstandsanleihe: Schlechte Zahlen bei Rickmers

von Jacqueline Goebel und Saskia Littmann

Weil die Situation auf dem Schiffsmarkt nicht besser wird, muss die Hamburger Traditionsreederei einen noch höheren Verlust melden als im Vorjahr. Nun muss das Unternehmen auf das Wohlwollen der Banken hoffen.

Die Zahlen aus Hamburg sind tiefrot: Für die ersten neun Monate dieses Jahres vermeldet die Traditionsreederei Rickmers um 15 Prozent rückläufige Umsätze und ein operatives Ergebnis, was sogar um fast ein Drittel auf 136,8 Millionen Euro geschrumpft ist. Zudem wird das Konzernergebnis durch außerordentliche Abschreibungen auf einen Teil der Flotte belastet. Insgesamt ergibt sich, wie die Reederei mitteilte, ein "Fehlbetrag von 198,7 Millionen Euro". Zum Vergleich: im Vorjahr lag das Minus nur bei 94,2 Millionen Euro.

Rickmers Die Reederei nähert sich dem Abgrund

Der traditionsreiche Schiffsvermieter Rickmers treibt immer näher an den Abgrund. Das Eigenkapital schrumpft, Anleger müssen um ihr Geld fürchten.

Die Hamburger Traditionsreederei Rickmers machte zuletzt hohe Verluste. Quelle: dpa Picture-Alliance

Für Anleger sind das keine guten Nachrichten. Sie haben der Reederei über eine Mittelstandsanleihe insgesamt 275 Millionen Euro geliehen, die 2018 fällig wird. Die nächsten Zinsen sollen Anleger im kommenden Juni erhalten. Der Anleihekurs signalisiert allerdings wenig Euphorie, die Papiere werden nur noch zu einem Fünftel ihres eigentlichen Werts gehandelt.

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Die Reederei leidet unter der jahrelangen Schifffahrtskrise. Auf den Weltmeeren gibt es zu viele Schiffe für zu wenig Waren. Acht Jahre hält die Krise nun schon an, eine schlimmere Flaute hat die Branche nie erlebt. Und Rickmers dürfte die Krise besonders hart treffen. Die Hamburger vermieten ihre Schiffe, oft inklusive Crew, an andere Reeder. Doch die wollen zuerst ihre eigenen Schiffe füllen. Wenn sie noch Schiffe mieten, dann nur zu Tiefstpreisen. Hinzu kommt, dass Rickmers vor allem kleine Schiffe mit einer Kapazität von bis zu 4500 Containern zu seiner Flotte zählt. Diese Frachter bringen häufig nur noch 5000 US-Dollar Miete am Tag ein, das deckt kaum die Betriebskosten.

Marktanteile der größten 10 Container-Reedereien

  • Rang 10

    Die United Arab Shipping Company (UASC) zählt mit einem Marktanteil von 2,5 Prozent zu den zehn größten Reedereien der Welt.

    Quelle: Statista, Stand: 14. März 2017

  • Rang 9

    Die Hongkonger Reederei Orient Overseas Container Line (OOCL) kommt auf einen Marktanteil von 2,8 Prozent.

  • Rang 8

    Auf Platz acht landet die Hamburg Süd Group, die ebenfalls auf einen Marktanteil von (gerundet) 2,8 Prozent kommt.

  • Rang 7

    Auch das chinesische Transportunternehmen - Yang Ming Marine Transport Corporation - gehört zu den größten Container-Reedereien der Welt. Aufgerundet liegt der Marktanteil ebenfalls bei gerundet 2,8 Prozent.

  • Rang 6

    Ein weiteres deutsches Transport- und Logistikunternehmen ist durch die Hapag-Lloyd AG mit Sitz in Hamburg in den Top 10 vertreten. Mit einem Marktanteil von 4,8 Prozent ist Hapag-Lloyd die sechstgrößte Container-Reederei der Welt.

  • Rang 5

    Die Liniendienste der Reederei Evergreen Marine landen mit einem Marktanteil von (gerundet) 4,8 Prozent auf Rang fünf.

  • Rang 4

    Bei einem Marktanteil von rund 8 Prozent ist die chinesische Reederei COSCO die viertgrößte der Welt.

  • Rang 3

    Der Marktanteil des französischen Schifffahrts- und Logistikunternehmens CMA CGM Group liegt bei stolzen 10,3 Prozent.

  • Rang 2

    Noch etwas besser ist es um die Mediterranean Shipping Company (MSC) bestellt, die in Genf sitzt. Bei einem Marktanteil von 14,3 Prozent ist sie zurzeit die zweitgrößte Reederei der Welt.

  • Rang 1

    Die dänischen Containerschiffsreederei A. P. Moller-Maersk landet auf der Spitzenposition. Ihr Marktanteil ist bei 15,9 Prozent unübertroffen.

In Singapur mussten Anleihegläubiger bereits über einen umfangreichen Schuldenschnitt entscheiden. Die Rickmers-Tochter Rickmers Maritime hatte sich über eine Anleihe umgerechnet rund 65 Millionen Euro bei Anlegern geliehen, kann die Schulden aber nicht zurückzahlen. Die Mehrheit der Anleger stimmte nun für den Verzicht und eine Umwandlung der Papiere in Wandelanleihen. Am Mittwoch dieser Woche sollten die Gläubiger dem Restrukturierungsplan endgültig zustimmen, es erschienen aber nicht genug Anleger zur Abstimmung.

Rickmers selber hat bereits Vorkehrungen getroffen, damit die Geschehnisse in Singapur die Ergebnisse der Hamburger Holding nicht zusätzlich belasten. Die Reedereigruppe verkaufte ihre Anteile an einer Gesellschaft namens Rickmers Trust Management, die als geschäftsführendes Vehikel der Rickmers Maritime diente. Die Ergebnisse von Rickmers Maritime fließen deshalb nicht mehr in die Zahlen der Hamburger Rickmers Gruppe ein, obwohl Rickmers weiterhin rund 34 Prozent an Rickmers Maritime hält.

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