Mobileye, Qlight Nanotech: Warum es deutsche Gründer ins Silicon Wadi zieht

Mobileye, Qlight Nanotech: Warum es deutsche Gründer ins Silicon Wadi zieht

, aktualisiert 01. April 2017, 17:14 Uhr
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Tel Aviv ist das Zentrum der Start-up-Szene Israels. Ins Silicon Wadi zieht es auch immer mehr mittelständische Unternehmen aus Deutschland.

Quelle:Handelsblatt Online

Es war das größte Geschäft in der Geschichte der High-Tech-Branche Israels. Chip-Gigant Intel hat sich das Start-up Mobileye einverleibt. Wie VW, Bosch und Daimler ziehen nun auch deutsche Mittelständler ans Mittelmeer.

Tel AvivStrand, Sonne und Start-ups: Israel gilt neben dem kalifornischen Silicon Valley als weltweite Innovationshochburg. Mehr als 5.000 Start-ups gibt es laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger in Israel. Für deutsche Unternehmen scheint das Engagement in dem Land am Mittelmeer ein Muss: „Die Zahl der Firmen, die in Israel auf irgendeine Art Innovation suchen, liegt im dreistelligen Bereich“, sagt Projektleiter Gregor Schlosser von der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer in Tel Aviv.

Nach den großen Unternehmen wie VW, Bosch und Daimler kämen nun auch die Mittelständler. So informiert sich aktuell etwa die CAS-Gruppe aus Karlsruhe über israelische Start-ups. Der Software-Hersteller hat mehr als 500 Mitarbeiter und hatte 2016 mehr als 55 Millionen Euro Umsatz.

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„Security, Smart Data und künstliche Intelligenz – das sind die drei Bereiche, die uns interessieren“, sagt der Vorstandsvorsitzende der CAS Software AG, Martin Hubschneider, in Tel Aviv. „Das sind aus unserer Sicht auch die Stärken hier.“ Hubschneider bereist aktuell mit einer 80-köpfigen Wirtschaftsdelegation und dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann Israel.

Das Unternehmen hat eine Software-Plattform entwickelt, mit der Firmen ihre Kundenkommunikation und ihre allgemeinen Daten organisieren können. An dieses Programm können auch einzelne Apps angedockt werden. „Wir würden sehr gerne Start-ups finden, die dafür entwickeln, oder an denen wir uns beteiligen können“, sagt Hubschneider. Dabei gehe es etwa um Verschlüsselungstechniken.

„Israel ist bekannt für bahnbrechende Innovationen“, sagt der politische Ökonom Christian Thauer von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Deutsche Unternehmen seien vor allem gut darin, erfolgreiche Produkte weiterzuentwickeln – aber nicht mehr unbedingt, sie zu erfinden. „Der Hybrid-Motor ist nicht bekannt geworden, weil VW ihn hatte, sondern Toyota.“ Die elektrogetriebenen Motoren wiederum stammten von Tesla und nicht aus Deutschland. „Deutsche Firmen haben kapiert, dass sie diesen Zug nicht an sich vorbeifahren lassen können“, sagt Thauer und ergänzt: „Sie wissen, dass sie sich in Israel und Kalifornien engagieren müssen.“ Israelische Start-ups bräuchten wiederum die deutschen Unternehmen, um ihre Entwicklungen auf einem großen Markt, wie Europa, zu vermarkten.

Der Autozulieferer Bosch hat seit November 2016 ein Forschungs- und Technologiebüro mit vier Mitarbeitern in Tel Aviv. „Ich nenne es ein Früh-Warn-Radar“, sagt Büroleiter David Abraham. Sie behielten den Markt im Auge und suchten nach interessanten Start-ups, größeren Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Unter anderem gehe es dabei um künstliche Intelligenz. Bereits seit 2009 investiert die Robert Bosch Venture Capital GmbH in Start-ups in Israel. Aktuell sind es fünf, darunter Cheetah Medical, welches Sensoren entwickelt hat, um die Herzfunktionen von Patienten nach Operationen ohne Eingriff zu überwachen.

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck investierte 2012 in das Start-up Qlight Nanotech in Jerusalem und kaufte es 2015. Merck bietet unter anderem Flüssigkristalle für Bildschirme, wie von Handys und Computern. Qlight Nanotech entwickelt ebenfalls Display-Materialien. „Was in Israel als Forschung stattfindet, deckt sich in vielen Bereichen mit dem, was wir machen“, sagt ein Merck-Sprecher. So seien die Israelis etwa auch gut in der Pharmaforschung. Schon Ende der 1970er-Jahre startete Merck mit der Entwicklung von biologischen Proteinen in Israel.

Volkswagen hat im Mai 2016 insgesamt 300 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 278 Millionen Euro) in die israelische Taxi- und Fahrtenvermittlungs-App Gett investiert. Mit der App können laut Volkswagen Menschen in mehr als 100 Städten Fahrten buchen. Außerdem hat der Konzern im Februar eine Partnerschaft mit dem Jerusalemer Automobilzulieferer Mobileye abgeschlossen, Spezialist für Kameratechnik für automatisiertes Fahren. Der amerikanische Chip-Gigant Intel hat Mobileye vor zwei Wochen für 15,3 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 14,2 Milliarden Euro) übernommen – das größte Geschäft in der Geschichte der israelischen High-Tech-Branche.

Quelle:  Handelsblatt Online
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