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Modedesignerin Jette Joop: „Wie ein großes und starkes Tier“

von Sven Afhüppe Quelle: Handelsblatt Online

Modekennerin Jette Joop hat sich im Studium auch mit Autodesign befasst. Dass heutige SUV-Modelle trotz ihrer Kanten auch für Frauen attraktiv sind, wundert sie nicht. Deutsche Kreationen ernten bei ihr Lob und Tadel.

Die Modedesignerin Jette Joop auf der Messe „tendence lifestyle“. Quelle: dpa
Die Modedesignerin Jette Joop auf der Messe „tendence lifestyle“. Quelle: dpa

Handelsblatt: Frau Joop, was für ein Auto fahren Sie?

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Jette Joop: Einen SUV.

Was fasziniert Sie daran?

Ein SUV vermittelt durch seine Größe das Gefühl eines beweglichen Zuhauses. Sie können nicht nur bis zur Almhütte fahren, Sie haben schon eine dabei.

Wie kommt es, dass die oft großen, klotzigen und schweren Fahrzeuge Männer wie Frauen so überzeugen?

Die Attraktivität leitet sich meines Erachtens aus den Urinstinkten ab. Viele Männer wollen mit ihren wilden SUVs durch das Gelände fahren und neue Territorien entdecken. Moderne Frauen zeigen ihre Kraft und ihren Erfolg gern mit den Statussymbolen der Männer. Das Konzept „Frauenauto“ wurde von der Automobilindustrie oft versucht und funktioniert deshalb nicht. Manche Frauen empfinden in einem SUV eine Form von Sicherheit, vergleichbar mit dem „Pulli des Freundes“, der ihnen Geborgenheit vermittelt.

Was zeichnet gutes Design für ein SUV aus?

Durch die großen Flächen vertragen SUVs ein gradliniges Design im Sinne einer Box. Eine einfache Übertragung des Gesichtes einer Limousine auf ein SUV funktioniert nicht, ein eigenes Design ist nötig. Die Front der SUVs ist besonders wichtig, hier wird die Spannung erzeugt. Großzügige Design-Elemente sind hier aufgrund der Breite und Höhe möglich. SUVs dürfen insgesamt roher und kantiger sein. Der Autodesigner spricht bei zu viel Rundung vom „Cow-licked Design“, also von dem von der Kuh rundgeleckten Salzstein. Begeistern kann ich mich auch für innovative Farbgestaltungen mit grafischen Unterbrechungen der Formen.

Welche Modelle gefallen Ihnen besonders?

Mir gefallen vor allem die englischen und deutschen Kreationen. Von ganz klein bis zu den Großen findet sich hier sehr klares und gutes Design. Ich persönlich würde keinen „Hummer“ fahren, da fehlt mir die Eleganz. Ganz besonders freue ich mich über die unglaublichen Design-Entwicklungen in Deutschland. Für mich sind die Automarken unter dem Dach der großen deutschen Konzerne in puncto Design weltweit der Maßstab.


„Mir schwebt ein Chamäleon-Auto vor“

Ursprünglich waren SUVs als Offroad-Wagen konzipiert, werden aber immer mehr im Straßenverkehr genutzt. Wie ist es bei Ihnen?

Es gibt in unserem Leben einen Weg, den wir regelmäßig fahren, der spätestens bei Regen einen SUV verlangt.

Wie haben es die Autokonzerne geschafft, dass selbst Leute, die die Grünen wählen, SUVs kaufen?

Hier werden die Überlebensinstinkte angesprochen: Ein großes und starkes Tier lenken zu können gibt Sicherheit und vermittelt das Gefühl von Kontrolle und sogar Macht. Das schlechte Gewissen aufgrund mangelnder Aerodynamik und zu hohen Gewichts wird durch die Nachhaltigkeit im Sinne der Langlebigkeit und eigenen Sicherheit beruhigt.

Was könnten VW, Porsche und BMW bei ihren SUVs noch besser machen?

Bei allen drei Marken fehlt mir persönlich die vollwertige dritte Sitzreihe, meine Familie ist groß, und die Freunde müssen auch mit. Generell habe ich viele Wünsche an die Autoindustrie: Im Interieur von SUVs fehlen mir oft simple praktische Dinge, mehr Stauraum und Flaschenhalter in den Sitzen. Gerne hätte ich Sitzbezüge aus Materialien, die angenehm sind und weder Kälte noch Hitze annehmen. Noch wichtiger finde ich die Außenhaut, normaler Autolack erscheint mir nicht mehr passend für ein modernes SUV. Eine völlig andere Art der Beschichtung wäre schön.

Woran denken Sie?

Die Außenhaut sollte Schmutz und Staub abweisen und eine neue Farbintensität ermöglichen. Mir schwebt ein Chamäleon-Auto vor, welches passend zur Umgebung die Farbe ändert - und natürlich passend zur Kleidung.

Frau Joop, vielen Dank für das Interview.

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