Thyssenkrupp will keine übereilte Stahlfusion

Möglicher Zusammenschluss mit Tata Steel: Thyssenkrupp will keine übereilte Stahlfusion

, aktualisiert 20. Januar 2017, 10:53 Uhr

Der größte deutsche Stahlkonzern Thyssenkrupp lotet seit Monaten einen Zusammenschluss mit Tata Steel aus. Vorstandschef Hiesinger erklärt nun, das Unternehmen wolle sich für die Fusion die nötige Zeit nehmen.

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Die Konzernzentrale des größten deutschen Stahlkonzerns Thyssenkrupp in Essen.

Eine Woche vor der Hauptversammlung hat Thyssenkrupp -Chef Heinrich Hiesinger Erwartungen einer raschen Fusion der Stahlsparte mit Tata Steel gedämpft. "Ob, wann und mit wem ein Konsolidierungsschritt kommen wird, ist weiterhin offen", sagte der Manager der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Wir sehen die strategische Notwendigkeit. Aber wir handeln verantwortungsbewusst, und es muss am Ende eine gute Lösung für Thyssenkrupp sein." Der größte deutsche Stahlkonzern lotet seit Monaten einen Zusammenschluss seines Stahlgeschäfts mit Tata Steel aus. Gemeinsam wären sie der zweitgrößte Stahlkocher Europas nach ArcelorMittal.

Am Freitag kommender Woche muss sich Hiesinger auf der Hauptversammlung in Bochum den Aktionären stellen. Die Zukunft der Stahlsparte dürfte dabei eine große Rolle spielen. Hiesinger hat seit seinem Amtsantritt 2011 keinen Zweifel daran gelassen, dass er die Zukunft eher in den Technologiegeschäften mit Aufzügen, Autoteilen, Anlagen oder U-Booten sieht. Eine Stahlfusion könnte ein Befreiungsschlag sein. Angesichts der sich seit dem vergangenen Jahr hinziehenden Verhandlungen mit Tata sind allerdings Zweifel aufgekommen, ob es dazu kommt.

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Die Stahlbranche leidet unter Überkapazitäten, Preisdruck, Billigimporten und immer schärferen Klimaschutzauflagen. Auch wegen des schwächelnden Geschäfts mit dem Werkstoff ist Thyssenkrupp weit von seinem Ziel eines operativen Gewinns von mindestens zwei Milliarden Euro entfernt. Im vergangenen Geschäftsjahr schrumpfte dieser Wert um zwölf Prozent auf 1,47 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäftsjahr sollen es 1,7 Milliarden sein.

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Haupthindernis für eine Fusion mit Tata sind die 15 Milliarden Pfund (gut 17 Milliarden Euro) schweren Pensionslasten von Tata in Großbritannien. Bevor man in konkrete Verhandlungen eintrete, müsse dafür eine Lösung her, sagte Hiesinger der Zeitung. Schließlich ist sein Konzern mit seinen 156.000 Mitarbeitern selbst nicht auf Rosen gebettet. Thyssenkrupp drücken Nettofinanzschulden von 3,5 Milliarden Euro. Das Eigenkapital war auch wegen der eigenen Pensionslasten zuletzt um 700 Millionen auf 2,6 Milliarden Euro geschrumpft.

Eine Kapitalerhöhung sei aber nicht geplant, bekräftigte Hiesinger. "Aktuell sind wir drei Jahre durchfinanziert und konnten die Finanzierungskosten senken." Die Ausgabe neuer Aktien würde wohl auch den Anteil der Krupp-Stiftung am Konzern weiter schmälern. Diese hält nach Angaben von Thyssenkrupp rund 23 Prozent. Der Finanzinvestor Cevian ist mit 15 Prozent zweitgrößter Einzelaktionär.

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Hiesinger machte deutlich, dass er auch ohne Fusion die Stahlsparte neu aufstellen werde. "Eine gute Lösung, die die Zukunftsfähigkeit der Stahlproduktion ermöglicht, braucht Zeit. Deshalb darf es intern keinen Stillstand geben." Stahlchef Andreas Goss soll im Frühjahr ein Konzept für das europäische Stahlgeschäft mit seinen rund 27.000 Mitarbeitern vorlegen. Die Stahlkocher wollen im Fall von Stellenstreichungen und einer Schließung von Standorten auf die Barrikaden gehen. Eine Fusion mit Tata lehnen sie vehement ab. "Wir werden nicht hinnehmen, dass in einer Konsolidierung nun unsere Standorte gefährdet werden", sagte Konzernbetriebsrat Wilhelm Segerath der Nachrichtenagentur Reuters. "Allein der Versuch würde unsere massive Gegenwehr auslösen."

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