Monopol-Experte: Preissteigerung von "schlimmstenfalls 25 Prozent"

InterviewMonopol-Experte: Preissteigerung von "schlimmstenfalls 25 Prozent"

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Justus Haucap

von Jacqueline Goebel

Der Ex-Chef der Monopolkommission Justus Haucap befürchtet durch die geplante Megafusion steigende Zementpreise vielfach zulasten der Steuerzahler.

WirtschaftsWoche: Herr Professor Haucap, wie berechtigt sind Befürchtungen, durch den Zusammenschluss von Lafarge und Holcim könnten die Zementpreise steigen?

Justus Haucap: Die Befürchtungen der Abnehmer sind berechtigt. Wenn sich so ein kartellanfälliger Markt noch weiter konzentriert, wird er noch anfälliger für Wettbewerbsbeschränkungen und somit Preissteigerungen. Das lehrt die Erfahrung. Deshalb wird die EU-Kommission die Fusion sehr gründlich prüfen und wahrscheinlich auch strikte Auflagen verhängen.

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Was bedeutet es, dass zur Bekanntgabe der geplanten Fusion nicht nur der Aktienkurs von Holcim und Lafarge gestiegen ist, sondern auch das Papier des großen deutschen Wettbewerbers HeidelbergCement zulegte.

Wenn eine Fusion zu einem intensiveren Wettbewerb führen würde, müssten die Aktienkurse der Konkurrenz fallen. Da der Kurs von HeidelbergCement, einem völlig unbeteiligten Wettbewerber, aber stieg, deutet das darauf hin, dass die Anleger steigende Zementpreise erwarten. Davon profitiert auch die Konkurrenz.

Wie hoch werden die Zementpreise durch die Fusion steigen?

Ob das 10 Prozent, 20 oder 30 Prozent sein werden, ist nicht absehbar. Das wird die EU-Kommission prüfen müssen. Aber der amerikanische Ökonom John Connor hat nachgewiesen, dass Kartellgründungen im Durchschnitt zu Preissteigerungen von etwa 25 Prozent führen. Dies wäre schlimmstenfalls hier zu erwarten.

Lafarge und Holcim Fusion von Zement-Giganten alarmiert Behörden

Der geplante Zusammenschluss der Marktführer Holcim und Lafarge zum weltgrößten Zementkonzern könnte die Preise für den Baustoff nach oben treiben. Die Behörden sind alarmiert.

Zement Quelle: dpa

Was würde das für die Abnehmer bedeuten?

Die haben letztlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie versuchen, die Kostensteigerung selbst aufzufangen. Oder sie leiten die Kosten an den Kunden weiter, den jeweiligen Bauträger...

...also in vielen Fällen an den Steuerzahler.

Ja, einer der wichtigsten Auftraggeber in der Baubranche ist die öffentliche Hand.

Wie weit ist die Konzentration im deutschen Zementmarkt fortgeschritten?

Je nach Region sehr unterschiedlich. Die Tendenz zur Konzentration ist aber unverkennbar. Die EU-Kommission prüft zurzeit zum Beispiel die Transaktion zwischen Holcim und dem mexikanischen Konzern Cemex, dessen deutsche Geschäftsteile Holcim übernehmen will. Das würde eine weitere Konzentration bedeuten.

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Warum schmieden die Zementhersteller immer wieder unerlaubte Kartelle?

Zement ist ein sehr homogenes Produkt, das überall auf der Welt fast gleich ist. Da haben Unternehmen keine Möglichkeit, durch Differenzierung etwa bei der Qualität höhere Preise durchzusetzen. Die Autohersteller machen dies, indem sie unterschiedliche Modelle anbieten. Beim Zement ist der Preis der wichtigste Wettbewerbsparameter. Dadurch ist der Anreiz für Preisabsprachen sehr hoch.

Ist die Fusion von Holcim und Lafarge also nur ein Weg, Preisabsprachen zu legalisieren?

Innerhalb eines Unternehmens kann man sich natürlich absprechen und bei zu großer Marktmacht auch Preise durchsetzen. Das ist bei Fusionen die größte Gefahr.

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