MTU-Chef Winkler: "Wir können auch höhere Stückzahlen"

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InterviewMTU-Chef Winkler: "Wir können auch höhere Stückzahlen"

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Reiner Winkler, Chef des Triebwerksherstellers MTU rechnet mit größeren Aufträgen, wenn sich der A400M bewährt hat

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Chef des Triebwerksherstellers MTU, Reiner Winkler, kündigt höhere Gewinnmargen an. Zudem rechnet er fest mit Aufträgen für den Militärtransporter A400M, glaubt aber nicht an Elektrojets.

WirtschaftsWoche: Herr Winkler, Sie sind Ökonom. Wie fühlt sich ein Nichtingenieur in einer Technikbranche?

Reiner Winkler: Gut. Wir hatten bei der MTU in den vergangenen Jahren immer wieder Ökonomen als Chefs. Spätestens seitdem wir 2005 an die Börse gegangen sind, kommt es nicht mehr nur darauf an, was technisch möglich ist. Am Ende müssen wir auch Geld verdienen.

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Seit Ihrem Start vor einem Jahr haben Sie nach und nach die Ziele Ihres Vorgängers Egon Behle kassiert. Warum?

Wir haben die Ziele nicht einfach kassiert. Wir setzen heute einen anderen Maßstab für unsere Prognosen: weg von absoluten Umsatz- und Gewinnzahlen, hin zu relativen Zahlen wie Steigerungsraten und Umsatzrenditen.

Zur Person

  • Reiner Winkler

    Winkler, 53, ist seit Januar 2014 MTU-Chef. Bevor der Diplom-Kaufmann 2001 als Finanzchef zu dem Münchner Triebwerkshersteller kam, arbeitete er als Controller unter anderem bei Daimler und Siemens.

Was soll das? Entscheidend ist doch der Betrag, der unter dem Strich steht.

Nehmen Sie den schwachen Euro und spiegelbildlich dazu den starken Dollar. Unsere jährlichen Dollar-Einnahmen ergeben zum heutigen Wechselkurs fast eine Milliarde Euro mehr Umsatz als zu den Kursen vom Sommer 2014 – und das, ohne dass sich an unserer Arbeit etwas geändert hätte. Wenn wir dagegen währungsbereinigte Wachstumsraten prognostizieren, wird das Bild klarer, vor allem für unsere Investoren.

Ist das denen nicht zu vage?

Ganz im Gegenteil. Das spiegelt auch unser Aktienkurs wider: Er ist seit November um mehr als ein Viertel gestiegen.

Ihr Ergebnis vor Steuern und Zinsen liegt heute bei 9,5 Prozent vom Umsatz. Was versprechen Sie Ihren Aktionären?

Bis 2017 erwarten wir aufgrund unserer Investitionen nur eine moderate Margenentwicklung. Ab 2018 soll die Rendite deutlicher steigen. Bis dahin wird die Serienproduktion neuer Triebwerke hochgefahren sein, anschließend wird das profitablere Geschäft mit Ersatzteilen und Instandhaltung stärker wachsen. Das wird sich auch in den Zahlen niederschlagen.

Dafür profitieren Sie jetzt von dem starken Dollar, weil Sie für Einnahmen in der US-Währung mehr Euro bekommen.

Das ist richtig. Deshalb erwarten wir 2015 ein operatives Ergebnis von 420 Millionen Euro, knapp zehn Prozent mehr als 2014.

Die großen Triebwerkshersteller

  • GE Aviation

    Umsatz 2014: 24,0 Milliarden Dollar
    Veränderungen gegenüber dem Vorjahr: +9,5 %
    Anteil Rüstung: 17 Prozent
    Operativer Gewinn: 5,0 Milliarden Dollar
    Abnehmer: Airbus (A320, A380), Boeing (737, 747, 777, 787)

    Quelle: Unternehmen

  • Pratt & Whitney

    Umsatz 2014: 14,5 Milliarden Dollar
    Veränderungen gegenüber dem Vorjahr: +0,0 %
    Anteil Rüstung: 45 Prozent
    Operativer Gewinn: 2,0 Milliarden Dollar
    Abnehmer: Airbus (A320, A380), Boeing (777), Lockheed Martin (Joint Strike Fighter)

    Quelle: Unternehmen

  • Rolls-Royce

    Umsatz 2014: 13,8 Milliarden Dollar
    Veränderungen gegenüber dem Vorjahr: -3,6 %
    Anteil Rüstung: 30 Prozent
    Operativer Gewinn: 2,0 Milliarden Dollar
    Abnehmer: Airbus (A350, A380)

    Quelle: Unternehmen

  • MTU

    Umsatz 2014: 4,8 Milliarden Dollar
    Veränderungen gegenüber dem Vorjahr: +9,5 %
    Anteil Rüstung: 14 Prozent
    Operativer Gewinn: 0,4 Milliarden Dollar
    Abnehmer: Airbus (A320, A380, A400M), Boeing (777)

    Quelle: Unternehmen

Wieso nur zehn Prozent mehr, der Wert des Dollar ist seit Juli 2014 doch um ein Viertel gestiegen?

Weil wir unsere Dollar-Einnahmen zu einem niedrigeren Kurs gesichert haben. Das aktuelle Kursplus kommt deshalb nur zu 30 Prozent bei uns an. 2016 werden es 50 Prozent und 2017 schon 70 Prozent sein...

...sofern der Dollar auf dem heutigen Niveau bleibt.

Genau weil dies nicht vorhersagbar ist, prognostizieren wir keine absoluten Zahlen mehr.

Der Anteil der Rüstung beträgt bei MTU heute rund 14 Prozent. Wie tief wird er fallen, wenn Deutschland und andere Staaten weniger Eurofighter und damit weniger Ihrer Triebwerke kaufen?

Wir rechnen erst einmal nicht mit einem weiteren Rückgang. Allerdings wird aufgrund des Wachstums in den anderen Bereichen der Anteil des Militärgeschäfts mittel- und langfristig auf etwa zehn Prozent sinken.

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