Münzen: In Göppingen geprägt, in der Welt zu Hause

Münzen: In Göppingen geprägt, in der Welt zu Hause

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Ein "Schuler-Münze" liegt während eines Presserundgangs in der Produktion im Werk in Göppingen (Baden-Württemberg) in einem Auffangbehälter einer Presse.

Yen, Rupie, Euro - mit seinen Münzpressen dominiert der schwäbische Maschinenbauer Schuler den Weltmarkt. Der aber ist in Bewegung, das Kupfergeld kämpft ums Überleben.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wollte Usbekistan eine eigene Flagge, eine Hymne - und erst recht eine eigene Währung. Mit der Euro-Einführung brauchte ganz Europa frische Münzen. Und die Fünf-Euro-Münze „Planet Erde“, inklusive lichtdurchlässigem Kunststoffring soll Sammler erfreuen. Münzpressen für solche Projekte stammen beispielsweise aus dem schwäbischen Göppingen. Seit weit über 100 Jahren pressen die Münzpressen der Firma Schuler Metall zu Münzen.

Schuler selbst hat 5200 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Euro Umsatz. Eigentlich stellen die Schwaben Pressen vor allem für die Automobilindustrie her. Der Umsatzanteil des Geschäfts mit der Münztechnik liegt dabei nur im einstelligen Bereich.

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„Wir sind in der Metallumformung zuhause, und der Münz- und Medaillenbereich ist eine schöne kleine Nische“, sagt der Geschäftsleiter des Münzpressengeschäfts, Dieter Merkle. Trotzdem sehen sich die Göppinger bei den Münzpressen in einer dominierenden Weltmarktposition.


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Im Bereich Umlaufgeld dominiert Schuler nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte des Marktes. „Unser Kundenkreis sind in erster Linie Nationalbanken, Finanzministerien, staatliche Prägestätten in der Welt verteilt“, sagt Merkle. „Egal ob sie eine Münze in Kasachstan in die Hand nehmen oder in Indien, in nahezu allen Währungen hat Schuler zur Herstellung beigetragen.“

750 Münzen in 60 Sekunden

Neben staatlichen werden auch private Kunden bedient, etwa Spielhallen in Japan, die das Emblem des Kaisers auf ihren Jetons haben wollen. Mit einer Kraft von im Schnitt 120 Tonnen prägen die Pressen etwa Ein-Euro-Münzen, von oben und unten wird das Relief Europas oder der Bundesadler aufgedrückt. Dann fällt das Klimpergeld in Blechkörbe. 750 Münzen die Minute, wie ein einarmiger Bandit im Dauer-Jackpot. Sicherheit spielt dabei eine zunehmende Rolle.

Zwar konzentrieren sich Fälscher mehr auf Geldscheine und Kreditkarten, aber leicht haben sie es auch mit Münzen nicht. „Man braucht ein Verständnis vom Gesamtprozess“, sagt Merkle. Der Prägestempel mit dem Motiv der jeweiligen Münze bleibe stets im Besitz der staatlichen Münzprägeanstalten. Dennoch: Eine von 33 Ein-Pfund-Münzen im Umlauf sei aufgrund ihrer einfachen Beschaffenheit gefälscht, berichtet Merkle.

Schuler Teurer Umbau drückt Gewinn bei Pressen-Primus

Trotz gut laufender Geschäfte in Asien und Nordamerika bricht der Gewinn des weltgrößten Pressenherstellers Schuler um mehr als 40 Prozent ein. Grund dafür ist ein teurer Konzernumbau.

Schuler stellt Pressen her, mit denen Bleche geformt werden können. Quelle: dpa

Bei den Zwei-Euro-Münzen mit Legierung, Bimetall und magnetisch leitfähigem Nickelkern sei hingegen nur eine von 41.000 unecht. „Je höherwertiger die Münze, desto mehr Sicherheitselemente sind verarbeitet“, sagt Merkle.

„Der Markt ist in Bewegung“, meint Michael Baum, Prokurist beim Pressenhersteller Sack & Kiesselbach im nordrhein-westfälischen Meerbusch. „Die Münzanstalten wollen Sammlern was bieten.“ Die Münzen würden immer komplexer und höherwertiger. Im Gegensatz zu Schuler konzentrieren sich die Pressenhersteller am Rhein aber auf edle Sammlermünzen wie eine 100-Euro-Münze aus Gold - eben für die Vitrine statt für den Geldbeutel.

Während die höherwertigen Münzen technisch immer ausgefeilter werden, kämpft das Kupfergeld ums Überleben. „Die Finanzminister sind auf den Münzgewinn aus“, sagt Merkle. Den gebe es beim kleinen Kleingeld kaum. Die Herstellungskosten übertreffen dabei den Nennwert. So koste die Ein-Cent-Münze laut Merkle um die zwei Cent.
Auch im Alltag sind die Ein- und Zwei-Cent-Münzen wenig praktisch. An vielen Orten wird ihre Abschaffung diskutiert. Die niederrheinische Kleinstadt Kleve etwa will das lästige Kleingeld seit Anfang Februar aus den Kassen verbannen. Statt centgenau das Wechselgeld herauszugeben, runden Dutzende Händler die Endsumme auf dem Kassenbon auf Fünf-Cent-Beträge auf oder ab - falls die Kunden einverstanden sind. Vorbilder für eine Abschaffung der kleinen Kupfermünzen gibt es reichlich: In den Niederlanden, in Irland, Belgien und Finnland ist das Auf- und Abrunden längst üblich.

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