Nach Abgang von Roland Koch: Bilfinger meldet Gewinneinbruch

Nach Abgang von Roland Koch: Bilfinger meldet Gewinneinbruch

, aktualisiert 11. August 2014, 10:17 Uhr
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Das Logo des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger in Mannheim

Massiver Gewinnrückgang bei Bilfinger: Der Baukonzern meldet Einbußen von 30 Prozent. Auch im zweiten Halbjahr werde die Lage schwierig bleiben, erklärte das Unternehmen.

Nach dem Rauswurf von Roland Koch hat Bilfinger einen Gewinneinbruch vermeldet. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) brach von April bis Juni um 30 Prozent auf 93 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Auch der Auftragseingang ging im zweiten Quartal stark zurück um 15 Prozent. Als Grund führte das Mannheimer Unternehmen ausbleibende Investitionen europäischer Energieversorger an, die mit der Energiewende in Deutschland zu kämpfen haben. Bilfinger hatte in der vergangenen Woche zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit seine Jahresprognose gesenkt. Vorstandschef Roland Koch musste deshalb seinen Posten räumen.

Trotzdem haben Bilfinger-Aktien am Montag zugelegt. Die Papiere standen mit einem Plus von 5,4 Prozent an der MDax-Spitze. Die Quartalszahlen seien zum Teil besser als erwartet ausgefallen, erklärten Börsianer. In der vergangenen Woche hatte die Bilfinger-Aktie nach der Rücktrittserklärung von Koch fast 14 Prozent eingebüßt, seit der ersten Gewinnwarnung am 30. Juni ging es 33 Prozent bergab.

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Der frühere hessische Ministerpräsident hatte die Verantwortung für den starken Gewinnrückgang übernommen, seinen Rücktritt aber auch mit Streit im Aufsichtsrat über den weiteren Kurs des Unternehmens begründet. Aufsichtsratschef Bernhard Walter hatte allein das Verfehlen interner Gewinnversprechen Kochs als Grund für die "einvernehmliche Trennung" angeführt. Das Vertrauen zu dem Konzernchef, der erst vor drei Jahren aus der Politik an die Spitze des Traditionsunternehmens gewechselt war, sei zerstört gewesen.

Über die Strategie, Bilfinger stärker auf Bau- und Ingenieurdienstleistungen für Kraftwerke, Industrie und Gebäudemanagement auszurichten und das Baugeschäft stark zu reduzieren, habe jedoch Einigkeit geherrscht. Nach Kochs Ausscheiden am Freitag wurde der frühere langjährige Konzernchef Herbert Bodner zum Interimschef bestellt.

Der Neue und Alte: Herbert Bodner

  • Anfänge

    Der österreichische Bauingenieur Herbert Bodner begann seine berufliche Karriere beim Stuttgarter Bauunternehmen Züblin. Seit 1999 stand er dann an der Spitze des Konzerns, der damals noch unter Bilfinger Berger firmierte.

    Der sachlich auftretende Manager baute das Unternehmen erfolgreich um, fuhr das konjunkturanfällige Baugeschäft zurück und erweiterte den Dienstleistungsbereich durch Zukäufe massiv. Er ist im Moment Mitglied des Aufsichtsrates.

  • Kritik

    Bodner erlebte allerdings auch Krisen. Die schwerwiegendste: Als 2009 das Kölner Stadtarchiv beim U-Bahn-Bau einstürzte und zwei Menschen in den Tod riss, geriet Bilfinger Berger in die Kritik.

    Pfuschvorwürfe machten die Runde. Erst als Bodner mit Schadenersatzklagen bei Verunglimpfungen drohte, kehrte Ruhe ein.

  • Privates

    Was man über Herbert Bodner weiß: Er ist Vater zweier Kinder und passionierte Segler. Ansonsten schottet der Manager sein Privatleben konsequent vor neugierigen Blicken ab.

  • Rückkehr

    2011 gab Bodner den Staffelstab an Roland Koch weiter. Nun soll der 66-Jährige zumindest bis Ende Mai 2015 an die Konzernspitze zurückkehren.

Weitere Schwierigkeiten erwartet

Die deutschen Energiekonzerne haben wegen des Ausbaus Erneuerbarer Energien derzeit mit Ertragsproblemen zu kämpfen und investieren wenig in Wartung und Bau von Kraftwerken, woran Bilfinger als Dienstleister verdient. "Für das zweite Halbjahr 2014 rechnet Bilfinger mit unverändert schwierigen Verhältnissen im europäischen Energiemarkt", erklärte das Mannheimer Unternehmen.

Allerdings sei ein erheblich stärkeres zweites Halbjahr zu erwarten, nachdem das Konzernergebnis in den ersten sechs Monaten um ein Fünftel auf 55 Millionen Euro zurückgegangen war.

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In der bislang gewinnträchtigsten Sparte Power sollen in diesem Jahr vier bis fünf Prozent vom Umsatz an operativem Gewinn erzielt werden - halb so viel wie im vergangenen Jahr. Schon nach der ersten Gewinnwarnung hatte der Konzern unter Kochs Führung den Abbau von 200 bis 300 Stellen in der Kraftwerkssparte beschlossen. Bereits im vergangen Jahr hatte Bilfinger den Abbau von 1250 Stellenstreichungen in der Verwaltung angekündigt.

Der Konzern bekräftigte die vor einer Woche gesenkte Jahresprognose. Das Ebita soll in diesem Jahr 340 bis 360 Millionen Euro sinken. Der vergleichbare Vorjahreswert, bei dem die zum Verkauf stehende Sparte Ingenieurbau nicht berücksichtigt ist, betrug 419 Millionen Euro. Der Umsatz wird demnach auf 7,8 Milliarden Euro von vergleichbaren 7,7 Milliarden Euro steigen, ursprünglich angepeilt waren 8,0 Milliarden Euro.

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