Nach dem Autogipfel: Wie die Dieselkrise Händler und Werkstätten trifft

Nach dem Autogipfel: Wie die Dieselkrise Händler und Werkstätten trifft

, aktualisiert 04. August 2017, 15:10 Uhr
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Der auf dem Dieselgipfel vereinbarte Massenrückruf sorgt für Unruhe bei den Verträgswerkstätten.

Quelle:Handelsblatt Online

Für die Autobauer war der Dieselgipfel ein Erfolg. Viele Kunden lässt der Kompromiss ratlos zurück – und auch bei Händlern und Werkstätten ist die Unsicherheit groß. Sie fürchten, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

DüsseldorfDietmar Clysters und seine Mitarbeiter brauchen derzeit ein breites Kreuz. „Wir sind der Prellbock für Sachen, für die wir gar nichts können“, sagt der Autohändler aus Edingen-Neckarhausen, einem kleinen Ort zwischen Mannheim und Heidelberg. Und natürlich geht es dabei, wie so oft in diesen Zeiten, um den Diesel. Da helfen auch Umwelt-Prämien nichts, die nach Ford, BMW, Toyota und Daimler nun auch VW angekündigt hat.

Die Debatte um den Diesel, um mögliche Fahrverbote und auch eine zuweilen übertriebene Berichterstattung darüber hätten viele Kunden verunsichert – und die bräuchten nun jemanden, mit dem sie diskutieren, bei dem sie ihren Ärger loswerden könnten.

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Auch wenn das meist gar nicht böse gemeint sei: „Der Kunde hat ja niemanden, bei dem er sich beschweren kann“, sagt Clysters, der Fahrzeuge diverser Marken verkauft und auch Obermeister der Kfz-Innung Rhein-Neckar-Odenwald ist.

Doch der bloße Ärger der Kunden könnte noch die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm sein. Denn auf Händler und Autowerkstätten in ganz Deutschland kommt in den nächsten Wochen wohl noch einiges zu. Unter anderem eine Menge Arbeit: Die 5,3 Millionen Software-Updates, die am Mittwoch auf dem Dieselgipfel beschlossen wurden, müssen nun schließlich auch abgearbeitet werden.

Betroffen sind davon aber wohl weniger freie Betriebe, wie der von Clysters, sondern insbesondere die 16.800 Vertragswerkstätten in Deutschland: Da die Automobilindustrie gegenüber der Politik die Übernahme der Kosten zugesichert hat, werden die Autobauer Wert darauf legen, dass die Software-Updates in den Vertragswerkstätten der Händler aufgespielt werden, sagt Axel Koblitz vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). „Die Vertragswerkstätten werden sich für den Ansturm der Kunden rüsten, auch wenn sie derzeit nicht gerade über mangelnde Auslastung klagen.“ Dass die Werkstätten auch mit Massenrückrufen umgehen könnten, zeigten die bereits erfolgten Software-Updates bei VW, so Koblitz.

Wie viel das kostet, sei bisher noch nicht absehbar. Es fehlten schlichtweg Informationen der Hersteller darüber, wie der Rückruf ablaufen soll, bemängelt Koblitz. Der ZDK fordert zudem, dass der zusätzliche Aufwand, der durch die Zusagen beim Dieselgipfel entsteht, vom Hersteller vergütet wird.

Insbesondere dürften die Betriebe nicht mit einem Entgelt für das bloße Aufspielen der Software-Updates abgespeist werden, warnt der Verband. Damit werde die tatsächliche Arbeit nicht angemessen vergütet, die auch Auftragsannahme, Vorbereitung des Autos Fahrzeugs und Kontrolle des Updates umfasse. Außerdem müssten die Werkstätten Ersatzautos bereit halten, falls sie nicht alle Rückruf-Aufträge sofort abarbeiten könnten, heißt es vom ZDK. „All das fließt in den Aufwand der Betriebe mit ein“, mahnt der Verband.


Der Diesel bleibt länger auf dem Hof - das kostet

Neben der Frage der Kosten ist auch die Frage ungeklärt, ob die Softwareupdates überhaupt ausreichen – Umweltschützer bezweifeln das. Viele Autobesitzer sind daher ratlos, was ihnen bevorsteht. „Die Frage ist: Darf ich mein Auto morgen noch fahren und ist es in zwei Jahren noch etwas wert?“, sagt Clysters.

Gibt es Fahrverbote, weil die Software-Updates nicht reichen, dürfte der Restwert der Autos noch spürbar sinken. Davon ist Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen, überzeugt. In einer Modellrechnung geht er von pauschal zehn Prozent aus.

Weil die Kunden ihre Entscheidung über einen Autokauf deshalb vertagen, stehen gebrauchte Diesel länger herum, bis sie wieder verkauft werden. Auch das kostet Geld – im Schnitt 27 Euro pro Tag, haben Experten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) auf der Grundlage von Händler-Daten für ihr „Dieselbarometer“ errechnet.

95 Tage waren es zuletzt im Schnitt, bis ein Diesel einen neuen Besitzer fand, bei gebrauchten Benzinern hingegen nur 79. Vor einem Jahr lagen beide Motor-Technologien noch annähernd gleichauf.

Für die DAT steht daher außer Frage: Der Handel trägt den Großteil des Schadens einer „einseitig negativen und wenig differenzierten Diskussion“ über den Diesel. Um den Restwert der Autos geht es dabei zumindest bisher nur am Rande, denn der ist aktuellen Untersuchungen zufolge noch nicht so deutlich gesunken wie das Ausmaß der Debatten vermuten ließe. Der Faktor Fahrverbot habe bisher allenfalls lokale und sehr begrenzte Auswirkungen auf die Preisentwicklung, hat auch der Fahrzeugbewerter Schwacke zuletzt analysiert.

Wie Clysters wünschen sich die meisten Händler nun vor allem, dass die Diskussion möglichst schnell beendet ist – und damit die Unsicherheit, welches Auto man denn künftig haben sollte und welches lieber nicht.

Vor allem im Internet behilft sich manch einer schon damit, sein Auto mit einer „blauen Plakette“ als besonders emissionsarm zu bewerben. Wer die hat, braucht Fahrverbote nicht zu fürchten - weil das so simpel ist, wird das Thema immer wieder gern diskutiert. Bislang allerdings gibt es solch eine Plakette hierzulande nicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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