Nach der Flut: Thailands Regierung gibt Milliarden für den Wiederaufbau

Nach der Flut: Thailands Regierung gibt Milliarden für den Wiederaufbau

, aktualisiert 01. November 2011, 12:44 Uhr
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Menschen in Bangkok flüchten aus einem überfluteten Tempel.

von Jan Keuchel, Carsten Herz und Urs WälterlinQuelle:Handelsblatt Online

Die von den Fluten betroffenen Menschen in Thailand können auf ein milliardenschweres Aufbauprogramm der Regierung hoffen. Auch die stark betroffenen Unternehmen sollen davon profitieren.

Tokio / Frankfurt / BangkokNach den verheerenden Überschwemmungen im Land plant Thailand ein milliardenschweres Aufbauprogramm, von dem auch die stark betroffenen Unternehmen profitieren sollen. Umgerechnet 21 Milliarden Euro werden insgesamt bereitgestellt, rund drei Milliarden Euro sind für die Wiederherstellung von Industriegebieten vorgesehen. Im Norden und Westen Bangkoks befinden sich Produktionsstätten vieler internationaler Firmen.

Wie stark die Fluten die Konzerne bremsen, zeichnet sich deutlich ab. Die Werke des japanischen Elektronikanbieters TDK in Thailand stehen derzeit still, zwei der Fabriken sind überflutet. Gestern kündigte der Konzern ein tiefgreifendes Sparprogramm an. Für die Probleme verantwortlich sind neben den Flutfolgen in Thailand auch die Währungsprobleme in Japan.

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Die weltweite IT-Industrie insgesamt ist stark betroffen. Sie bekommt Naturkatastrophen in Asien stets zu spüren, weil die meisten Komponenten dort gefertigt werden. Samsung Electronics teilte mit, die Chipproduktion dürfte bis zum ersten Quartal des kommenden Jahres beeinträchtigt bleiben.

Dramatisch ist die Lage bei den Herstellern von Festplatten. Zu den Firmen, die wegen der Überschwemmung ihre Produktion einstellen mussten, gehören Seagate und Dell. Bereits nach dem Erdbeben in Japan Anfang des Jahres hatte Seagate vor Gewinnrückgängen gewarnt, weil fehlende Teile die Fertigung bremsen würden.

Ein ähnliches Bild zeigen die japanischen Autobauer. Der teure Yen und die Auswirkungen der Überschwemmungen in Thailand zwangen gestern Honda dazu, die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2012 zurückzuziehen. "Um es ganz offen zu sagen, wir befinden uns an einem wirklich schwierigen Punkt", sagte Finanzchef Fumihiko Ike. Der Nettogewinn der Nummer drei in Japans Autoindustrie schmolz zwischen Juli und September um 55,5 Prozent auf 60,4 Milliarden Yen (560 Millionen Euro).


Deutsche Hersteller kaum betroffen

Toyota hat den Produktionsstopp in Thailand bereits bis zum 5. November ausgedehnt. Der Hersteller unterhält drei Werke in Thailand. Das Land ist für Toyota das Export-Drehkreuz in Südostasien. Weil dort auch wichtige Zulieferer sitzen, deren Bauteile nun fehlen, muss Toyota auch in Japan die Produktion in der zweiten Woche in Folge drosseln. Das Gleiche gilt für Toyota-Werke in sechs anderen Ländern, darunter Nordamerika, Kanada, Südafrika, Indonesien, Vietnam und die Philippinen. Bei Nissan sind 20 Zulieferbetriebe von der Flutkatastrophe betroffen.

Was ein Produktionsstopp konkret in Zahlen bedeutet, lässt sich noch nicht sagen. Toyota, Nissan und Honda bauen in Thailand insgesamt etwa 144 000 Autos im Monat. Experten schätzen, dass Toyota in Japan wegen fehlender Bauteile und heruntergefahrener Schichten rund 7000 Autos pro Woche weniger baut. Das sind wenig ermutigende Nachrichten für ein Land, dessen wirtschaftlicher Stolz zu einem erheblichen Teil auf der heimischen Autoindustrie ruhte.

Die deutschen Autokonzerne haben dagegen nur kleinere Fertigungsstätten in Thailand, in denen Fahrzeuge aus angelieferten Teilen zusammengebaut werden. Das Werk von Daimler in der Umgebung von Bangkok sei nur kurzzeitig geschlossen worden, um es gegen eine höhere Flut zu rüsten, sagte ein Daimler-Sprecher. Seit der vergangenen Woche laufe die Produktion dort wieder.

Auch Konkurrent BMW hat in Thailand nur eine kleine Fertigungsstätte, in der einige Tausend Autos pro Jahr gebaut werden. Derzeit sei die Produktion dort wegen des Hochwassers eingeschränkt und die Verwaltung der thailändischen Tochter geschlossen, sagte ein BMW-Sprecher. Die Fertigungseinschränkungen hätten aber keine größeren Auswirkungen auf den bayerischen Hersteller.

Die deutschen Autokonzerne spielen in Thailand nur eine Nebenrolle. Sie machen nur ein Prozent der jährlichen Pkw-Produktion von rund einer halben Million Autos in dem Land aus. Dank bilateraler Handelsabkommen beherrschen Japans Autohersteller mehr als 80 Prozent des Markts. Japan ist das wichtigste einzelne Investorenland in Thailand.

Mitarbeit: Jens Koenen

Quelle:  Handelsblatt Online
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