Nach Merck & Co.: Bayer-Chef sondiert weitere Übernahme-Coups

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Nach Merck & Co.: Bayer-Chef sondiert weitere Übernahme-Coups

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Jagd auf kleine Kandidaten: Bayer-Chef Dekkers.

von Jürgen Salz

Marijn Dekkers will Bayer zur weltweiten Nummer eins bei rezeptfreien Medikamenten machen. Gerade hat er die entsprechende Sparte des US-Konzerns Merck & Co. übernommen. Doch, was nun? Weitere Kaufkandidaten sind rar.

Die Verhandlungen waren auf der Zielgeraden. Trotzdem fand Marijn Dekkers, Chef des Pharma- und Chemieriesen Bayer (40 Milliarden Euro Umsatz) Muße für einen kurzen Fußballkick. Der 56-Jährige köpfte, dribbelte – und passte dann hinüber zu einem Mitspieler, einem 17-jährigen Brasilianer.

Der Auftritt des Niederländers im Foyer der gläsernen Konzernzentrale in Leverkusen diente der Vorstellung des Fußballs „Brazuca“. Der kommt von Mitte Juni an bei der Weltmeisterschaft in Brasilien zum Einsatz und enthält auch einige Kunststoffe von Bayer. Den entscheidenden Treffer landete Dekkers allerdings wenige Tage später, am Dienstag vergangener Woche, als er die Übernahme der rezeptfreien Arzneimittel vom US-Konzern Merck & Co. für rund zehn Milliarden Euro bekannt gab.

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Doch der Jubel an der Börse über die zweitgrößte Übernahme in der 150-jährigen Firmengeschichte nach dem Kauf von Schering 2006 hielt sich in Grenzen. Der Kurs der Bayer-Aktie zeigte kaum Bewegung – vielen Aktionären erschien der Preis für die Merck & Co.-Sparte zu hoch; zudem war der Deal seit Wochen erwartet worden.

Für Skepsis sorgt Dekkers Ankündigung, Bayer zur weltweiten Nummer eins bei rezeptfreien Arzneien zu machen. Seinen Übernahme-Coup bezeichnete der Konzernchef als „Meilenstein auf dem Weg zum globalen Marktführer“. Doch dabei hat er noch eine steinige Strecke vor sich.

Potenzielle Übernahmekandidaten sind zu klein

Denn der Abstand zum Marktführer GlaxoSmithKline ist groß. Die Briten haben gerade die Sparte rezeptfreier Medikamente des Schweizer Wettbewerbers Novartis geschluckt und so den Jahresumsatz auf etwa zehn Milliarden Dollar gesteigert. Mit künftig 7,4 Milliarden Dollar (5,5 Milliarden Euro) liegt Bayer trotz des Deals vorige Woche deutlich hinter dem Branchenprimus zurück. Zudem ist die Zahl der Kandidaten, mit deren Hilfe die Leverkusener GlaxoSmithKline ein- und überholen könnten, klein und der Wettbewerb um sie groß.

In Fachkreisen heißen rezeptfreie Arzneien OTC-Präparate, weil sie einfach über die Ladentheke – auf Englisch: Over the counter (OTC) – verkauft werden dürfen. Das Geschäft mit Alltagsarzneien von Aspirin bis Alka-Seltzer ist für die Hersteller hochattraktiv. Zwar sind die Gewinnmargen niedriger als bei verschreibungspflichtigen Arzneien, doch mit 15 bis 20 Prozent immer noch stattlich. OTC-Präparate sind zudem oft schon seit Jahrzehnten auf dem Markt, Ärger, drohende Klagen wegen plötzlich auftretender Nebenwirkungen oder ungünstige Ergebnisse klinischer Studien sind daher selten. Weltweit werden jährlich rund 200 Milliarden Dollar mit rezeptfreien Arzneien umgesetzt, schätzt Norbert Hültenschmidt, Partner und Pharmaexperte der Unternehmensberatung Bain.

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Bayers wichtigste rezeptfreie Medikamente nach dem Merck-Deal (zum Vergrößern bitte anklicken).

Für den Merck-Deal hatte sich Dekkers in jüngster Zeit warmgeschossen. Vor gut einem Jahr übernahm Bayer den deutlich kleineren Wettbewerber Steigerwald aus Darmstadt, einen Hersteller pflanzlicher Arzneimittel, darunter das Magenmittel Iberogast. Seit einigen Monaten ist Dekkers dabei, sich den chinesischen Hersteller Dihon einzuverleiben, die Übernahme soll im zweiten Halbjahr abgeschlossen sein.

Für die Aufholjagd gegen GlaxoSmithKline sind das Peanuts. Größere Kaufkandidaten sind rar. Zwar haben die Briten und Bayer durch ihre Übernahmen den Druck auf die verbliebenen kleineren Anbieter wie die deutsche Merck und Boehringer Ingelheim erhöht. „Nun müssen sich solche Unternehmen mehr denn je überlegen, welche Perspektiven ihr OTC-Geschäft in einem sich immer stärker konsolidierenden Markt hat“, sagt ein Insider, der nicht genannt werden möchte.

Aktuell stehen die Geschäfte nicht zur Disposition. Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck – mit dem gleichnamigen US-Konzern nicht geschäftlich verbandelt – hat abgewinkt. Das Dax-Unternehmen will an seinen rezeptfreien Arzneien (Jahresumsatz: etwa 480 Millionen Euro) wie dem Nasenspray Nasivin festhalten. Gerade erst haben die Hessen die lange kriselnde Sparte saniert.

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