Nachfolge in Krupp-Stiftung: Die unterschätzte Rolle der Hannelore Kraft

ThemaThyssenkrupp

KommentarNachfolge in Krupp-Stiftung: Die unterschätzte Rolle der Hannelore Kraft

von Andreas Wildhagen

Die Zukunft der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung wird jetzt auch maßgeblich von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bestimmt.

Der Tod von Berthold Beitz wirft bei ThyssenKrupp viele Fragen auf: Wie sortiert sich der Hauptaktionär, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung neu? Wer wird bestimmenden Einfluss auf die Stiftung und damit auf den Konzern ThyssenKrupp haben? Bisher war es so, dass nur einer das Sagen hatte im Kuratorium der Stiftung: Professor Berthold Beitz persönlich, der diesen Einfluss nicht nur über die Stiftung, sondern auch informell über viele Kanäle bis hinein in Vorstandsangelegenheiten des Stahl- und Technologiekonzerns geltend machte. Eine solche bestimmende Figur, die sich aus der Historie und aus dem persönlichen Kontakt mit dem 1967 verstorbenen Alfried Krupp herleitete, gibt es nun nicht mehr. Über ein halbes Jahrhundert lang waren diese Wege zwischen Beitz via Stiftung und Unternehmen eingeübte Praxis. Nun ist ein Vakuum entstanden.

 

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Die Satzung der Stiftung wurde 2010 auf moderne Maßstäbe angepasst. Es wurde zwischen Vorstand und Kuratorium der Stiftung unterschieden, wobei, anders als bei der benachbarten RAG-Stiftung, der Vorstand der Krupp-Stiftung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Maßgeblich war das Kuratorium und da auch nur neben Beitz drei Personen, die auch Gewicht hatten und haben: Diese sind Kersten von Schenck, ein Vertrauter von Beitz, Susanne Henle, die Tochter von Beitz und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Das Land hat die Aufsicht über die Stiftung, deren Satzung nichtöffentlich ist und wie ein Augapfel gehütet in einem Tresor des Düsseldorfer Innenministeriums ruht.

 

Zum Tode des großen alten Mannes vom Hügel Der letzte Patriarch Beitz ist tot

Er hat in den fast 100 Jahren seines Lebens immer am Erbe des letzten Krupp gearbeitet, es zu erhalten und zu vergrößern versucht. Er war darin erfolgreich wie kaum ein anderer Unternehmenslenker in Deutschland.

Berthold Beitz ist im Alter von 99 Jahren gestorben. Quelle: dpa

Das Kuratorium wählt aus seiner Mitte den Vorsitzenden, wenn aber ein Mitglied stirbt, kann es auch von außen ein oder zwei neue Mitglieder berufen. Die Kompetenzen des Kuratoriums richten sich nicht allein auf Wohltätigkeiten, beispielsweise die Finanzierung des Krupp-Krankenhauses in Essen oder des Folkwang-Museums. Die Stiftung muss auch auf die Werterhaltung seiner Industriebeteiligung achten, um ihren Stiftungszweck zu erfüllen. Und genau darauf ist besonders die Landesmutter Kraft erpicht. Denn in ihrer eigentlich widersprüchlich anmutenden Doppelfunktion von Regierungschefin und Kuratoriumsmitglied muss sie sowohl für den Erhalt der Stahlstandorte Duisburg mit ihren 20 000 Stahlarbeiterin achten als auch auf die Werterhaltung von ThyssenKrupp. Beides unter einen Hut zu bekommen geht eigentlich nicht gleichzeitig, denn ThyssenKrupp steht wegen seiner finanziellen Schieflage vor einem gigantischen Arbeitsplatzabbau und einer Loslösung, möglicherweise in Teilen und Schritten, vom Stahl. Es wird nach einem Investor auch für den deutschen Stahl gesucht.

 

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