Nachruf auf Richard Sapper: Abgang eines Jahrhundert-Gestalters

Nachruf auf Richard Sapper: Abgang eines Jahrhundert-Gestalters

von Peter Steinkirchner

Espressomaschine, ThinkPad, knubbelige Fernseher und elegante Lampen – zum Tode des deutschen Designers Richard Sapper.

Die Zahl deutscher Industriedesigner, die sich international einen Namen machen konnten, ist sicher überschaubar. Dieter Rams zählt dazu, ebenso der schwer beschäftigte Münchner Gestalter Konstantin Grcic. Definitiv Designgeschichte geschrieben hat indes auch Richard Sapper. In einer Vielzahl von Branchen veränderte er mit seinen meist überraschenden und originellen Entwürfen Sichtweisen und Produktwelten. Auch wenn sich Designmoden wandelten – seinen Entwürfen eignet eine zeitlose Dimension.

Der 1932 in München als Sohne eines impressionistischen Malers geborene Kreative begann seine Karriere in der Styling-Abteilung von Mercedes-Benz. Doch erst mit dem Umzug nach Mailand 1958 kam Sapper richtig in Schwung. Arbeitete er zunächst im Büro des renommierten Architekten Gio Ponti, wechselte er bald zur Designabteilung des berühmten Kaufhauses La Rinascente. 1959 startete er die Zusammenarbeit mit dem italienischen Designer Marco Zanuso, mit dem zusammen er als Berater für das junge italienische Elektronikunternehmen Brionvega Radios und Fernsehgeräte, die heute längst zu Designikonen geworden sind und ihren Platz in Museen wie dem Museum of Modern Art gefunden haben. Das gilt etwa für das Fernsehgerät Doney: ein knubbeliger Kasten mit einem nach außen vorgewölbten Bildschirm, der dem Gerät das Aussehen eines Astronautenhelms verleiht. Spannend auch sein Telefon Grillo, das er unter anderem für Siemens erfand – mit dem Gerät kam bereits 1965 das erste Klapp-Telefon zur Welt, frühes Vorbilder für spätere Generationen von aufklappbaren Mobiltelefonen.

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Tizio machte Sapper berühmt

Berühmt gemacht hat Sapper jedoch vor allem seine Tischlampe Tizio, eine der ersten Halogenlampen überhaupt. Sapper entwarf sie 1972 für den italienischen Hersteller Artemide. Die Lampe mit ihrem charakteristischen Kran-artigen Klapparm ist nicht zu Unrecht  zu einem der bekanntesten Kultobjekten geworden und gilt als einer meistverkauften Lampen, die je produziert wurden. Es folgten zahlreiche weitere spannende Objekte wie die Espressomaschine Coban – benannt nach dem Ort in Guatemala, wo Sappers Großvater eine Kaffeeplantage betrieben hatte – und, bereits 1979, der Espressobereiter 9090, mit dem Sapper dem Hersteller Alessi half, die Vorherrschaft von Bialetti herauszufordern.

Sappers Talent für technisch raffinierte, aber dennoch nutzerfreundliche  Lösungen beschränkte sich jedoch nicht allein auf Haushaltsgeräte – seit 1980 als Berater in Diensten von IBM, zeichnete er 1992 auch für das ThinkPad verantwortlich. Mit der Form-Idee einer Zigarrenkiste, die sich dem Benutzer öffnet, als Anregung im Kopf, tauchte Sapper dieses Laptop in schwarze Farbe, wodurch es sich von den üblich grauen Standard-Geräten der Konkurrenz absetzte. Auffällig auch der kleine rote Nippel, der Cursor, den er erstmals in die Tastatur verpflanzte, zwischen die Buchstaben G, H und B.

Für seine Entwürfe wurde Richard Sapper  mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Mehrfach erhielt er den italienischen Designpreis Compasso d‘Òro und den  deutschen iF Product Design Award sowie 1992 den Lucky Strike Designer Award der Raymond Loewy Stiftung. 2009 zeichnete  der Rat für Formgebung im Rahmen des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland als „Gestalter-Persönlichkeit“ aus. 2012 erhielt Sapper, den Lehraufträge unter anderem nach Yale, Mailand und Peking führten, mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse aus; die von ihm gestalteten Produkte sind in den permanenten Sammlungen vieler Museen vertreten, so im MoMa in New York und im Londoner Victoria and Albert Museum.

Richard Sapper starb wie erst jetzt bekannt wurde am Silvestertag in Mailand. Er wurde 83 Jahre alt.

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