Neue Diesel im Vergleich: Ausgerechnet VW glänzt mit Abgaswerten

Neue Diesel im Vergleich: Ausgerechnet VW glänzt mit Abgaswerten

, aktualisiert 05. September 2017, 14:43 Uhr
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Volkswagen hat beim Passat einen extrem sauberen Diesel im Programm.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Volkswagen hat sich offenbar ordentlich ins Zeug gelegt: Die saubersten Diesel auf deutschen Straßen kommen ausgerechnet aus VW-Produktion. Ein Test zeigt: Besonders ausländische Hersteller hängen deutlich hinterher.

DüsseldorfVolkswagen hat sich in den zurückliegenden zwei Jahren wegen der Dieselkrise notgedrungen an schlechte Nachrichten gewöhnen müssen. Den Wolfsburger Autokonzern wird es umso mehr überraschen, dass VW in einer aktuellen Untersuchung über die Stickoxid-Emissionen von Diesel-Fahrzeugen alles andere als schlecht abschneidet, sondern wegen der guten Abgaswerte den Spitzenplatz belegt.

Das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen hat jüngste Testergebnisse ausgewertet und miteinander verglichen. Getestet wurden insgesamt 138 Pkw der aktuellen Abgasnorm Euro 6, die auf dem Prüfstand maximal 80 Milligramm Stickoxide je gefahrenen Kilometer an die Atmosphäre abgeben dürfen. Diesen Wert halten neue Diesel ohne große Schwierigkeiten ein.

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Das Problem sind aber die realen Werte auf der Straße, die viel höher liegen. Bei vielen getesteten Diesel-Modellen gingen die realen Werte dann tatsächlich mächtig nach oben. Basis der CAR-Untersuchung waren sogenannte „Real Driving Emission Tests“ (RDE) von Umweltorganisationen, Kraftfahrtbundesamt und ADAC. Seit dem 1. September sind solche RDE-Tests für neue Modelle vorgeschrieben, die erstmals für den Straßenverkehr zugelassen werden. Neueste Euro-6-Diesel dürfen den Prüfstandswert von 80 Mikrogramm auf der Straße maximal um das 2,1-fache überschreiten, also höchstens 168 Mikrogramm betragen.

Die jetzt getesteten 138 Diesel-Modelle sind allesamt vor dem Stichtag 1. September erstmals für den Straßenverkehr zugelassen worden. Die neue RDE-Norm gilt für diese Autos also noch nicht. Trotzdem gibt es bereits Autos auf dem Markt, die die strengeren Regeln für den realen Straßenbetrieb schon jetzt erfüllen, allen voran bei Volkswagen. Fahrzeuge mit hohen Straßenwerten sind in Deutschland am wahrscheinlichsten von Fahrverboten in extrem belasteten Städten wie Stuttgart und München bedroht.

Die getesteten 138 Modelle stoßen im Durchschnitt das 5,3-fache des Prüfstandwertes von 80 Milligramm im echten Fahrbetrieb aus, das sind also durchschnittlich 424 Milligramm Stickoxid. Die Modelle der Importeure erwiesen sich als deutlich schmutziger als die Autos der deutschen Hersteller: Die ausländischen Unternehmen überschreiten die Grenzwerte um das 7,2-fache. Negativ fallen die Renault-Marken, der Fiat-Konzern und die asiatischen Hersteller auf. Die französischen Hersteller sind wegen der schlechten Werte von Renault mit der rumänischen Tochter Dacia bei einer Stickoxid-Überschreitung um das 9,0-fache auf dem letzten Platz des Länder-Ranking gelandet.

Der Peugeot-Konzern (PSA) schneidet hingegen mit vergleichsweise guten Werten im realen Fahrbetrieb ab. Der getestete PSA-Neuwagen war durchschnittlich 4,6-mal schlechter als der Prüfstandswert von 80 Milligramm. PSA ist damit deutlich besser als die Japaner, Koreaner, Volvo, Opel, Ford und sogar Porsche.


Wolfsburger Saubermänner

Die saubersten Autos kommen nach den Berechnungen des CAR-Instituts aus Wolfsburg. Bei 13 untersuchten VW-Modellen kommen im realen Fahrbetrieb im Schnitt 165 Milligramm Stickoxid aus dem Auspuff. Also ziemlich genau dem, was heute für neue Fahrzeugtypen nach den RDE-Tests gestattet ist.

Allerdings gibt es auch bei getesteten VW-Modellen erhebliche Unterschiede. Am besten schneidet der Passat mit 2,0-Liter-Dieselmotor ab. Nur das 0,4-fache des Grenzwertes wird bei diesem Fahrzeug im realen Fahrbetrieb – getestet vom KBA – an die Atmosphäre abgegeben. Negativ fällt allerdings beispielsweise der Golf Sportsvan 1,6 Liter TDI mit der 3,7-fachen Überschreitung des Grenzwertes auf.

Bleiben die Premiumanbieter: Die Werte liegen hier von der 6,7-fachen Überschreitung des Grenzwertes bis zum 2,4-fachen. Audi hat den Bestwert unter den getesteten Premiumanbietern. Mercedes und Jaguar-Landrover liegen auf dem gleichen Niveau. Insbesondere für Mercedes – „das Beste oder nichts – ist die Überschreitung um das 4,2-fache kein Ruhmesblatt. Aber auch bei den Premiumherstellern gibt es positive Ausreißer nach oben. Der BMW 520d, ein Vierzylinder mit 140 kW, ist als bester jemals gemessener Diesel aus den Untersuchungen von Emissions Analytics hervorgegangen. Mit 28 Milligramm je Kilometer ist er sechsmal besser als der neue Zielwert der RDE-Test.

CAR-Gründer Ferdinand Dudenhöffer kritisiert die Autobranche wegen der alles andere als schmeichelhaften Testergebnisse. „Nicht nur das VW-Ergebnis zeigt, dass es keine Hexerei ist, saubere Diesel auf die Straße zu bringen“, sagt der Automobilprofessor. Die Hersteller müssten sich selbst die Frage stellen, warum sie so viele Autos mit schlechten Abgaswerten auf die Straßen geschickt hätten. „Die Ingenieure haben ihre eigene Technologie damit in die größte Vertrauenskrise der Geschichte der Autoindustrie geschickt“, betont Dudenhöffer. Offensichtlich sei in den Engineering-Abteilungen aller Autobauer Nachhilfe im Fach „Moral und Ethik“ angesagt.

Schon zu Wochenbeginn waren neue Diesel der Euro-6-Norm negativ aufgefallen: Neun von zehn modernen Diesel-Modellen halten nur auf dem Prüfstand im Labor die Schadstoff-Grenzwerte ein und blasen später im normalen Straßenverkehr viel zu viel Dreck in die Luft. Dies war aus einer Auswertung der Umweltorganisation ICCT hervorgegangen, die den VW-Abgasskandal 2014 mit ihren Untersuchungen ins Rollen gebracht hatte. Im Schnitt stießen Diesel mit Abgasnorm Euro 6 demnach 4,5-mal mehr gesundheitsschädliches Stickoxid aus als vorgegeben.

„Die Ergebnisse bestätigen frühere Erkenntnisse, basieren nun aber auf einer sehr großen Anzahl an Fahrzeugtests und erlauben damit auch Rückschlüsse auf das durchschnittliche Emissionsverhalten einzelner Hersteller“, sagte ICCT-Chef Peter Mock.

Quelle:  Handelsblatt Online
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