Neue IG-Metall-Spitze: Chefwechsel bei der Gewerkschaft

Neue IG-Metall-Spitze: Chefwechsel bei der Gewerkschaft

, aktualisiert 08. Juni 2015, 16:59 Uhr
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Der aktuelle Vorsitzende der IG-Metall, Detlev Wetzel (rechts) mit seinem Vize und Nachfolger Jörg Hofmann auf einem außerordentlichen Gewerkschaftstag in Frankfurt am Main.

Nach nur zwei Jahren an der Spitze der IG-Metall tritt Detlef Wetzel wieder ab. Als Nachfolger schlägt er wie erwartet Vize Hofmann vor. Doch an dessen Seite soll erstmals eine Frau in die Gewerkschaftsspitze rücken.

Bei der IG Metall bahnt sich eine historische Personalentscheidung an. Erstmals in der 66 Jahre währenden Geschichte der größten deutschen Einzelgewerkschaft soll in diesem Herbst eine Frau mit an die Spitze rücken, die 47 Jahre alte Soziologin Christiane Benner. Gemeinsam mit dem designierten Ersten Vorsitzenden Jörg Hofmann könnte sie als Zweite Vorsitzende den „Männerladen“ IG Metall führen, wenn der Personalvorschlag des scheidenden Chefs Detlef Wetzel im Oktober durchkommt.

Zu den ungeschriebenen Gesetzen der mächtigsten deutschen Gewerkschaft gehört, dass stets der Vize zum Nachfolger des scheidenden Chefs wird, wenn er denn will. So ist es auch aktuell beim geplanten Wechsel von Wetzel zu Hofmann, zu dem hinter den Kulissen kein Gegrummel zu hören ist.

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An dem Grundsatz wurde noch nicht einmal gerüttelt, als 2003 ein nennenswerter Teil der Gewerkschaft den polarisierenden Vize Jürgen Peters unbedingt als Chef verhindern wollte. Der als Gegenkandidat aufgebaute Berthold Huber verzichtete jedoch auf eine Kampfkandidatur und kam so erst vier Jahre später zum Zug.

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Das bedeutet, dass Benner bei dem frühestens in vier Jahren anstehenden Abgang des dann 63 Jahre alten Hofmann zur ersten Chefin der IG Metall gekürt werden könnte. Eine Ablehnung des ersten Schritts durch die knapp 500 Delegierten des Gewerkschaftstages am 20. Oktober in Frankfurt ist eher nicht zu erwarten. Selbst in den Zeiten schärfster interner Richtungskämpfe stimmten die Delegierten letztlich dem jeweiligen Vorstandsvorschlag zu, wenn auch mit deutlich schwankenden Mehrheiten. Das schwächste Ergebnis fuhr der umstrittene Peters mit nur 66 Prozent ein.

Das zweitschlechteste Ergebnis der Geschichte hat das Duo Wetzel/Hofmann vor knapp zwei Jahren erhalten. Knapp über 75 Prozent Zustimmung sind nach den Maßstäben der zentralistisch geführten Gewerkschaft eine kräftige Ohrfeige, mutmaßlich ausgeteilt von den Verlierern der internen Organisationsmodernisierung. Die Pragmatiker Wetzel, Huber und Hofmann haben den Laden umgekrempelt und Arbeitskräfte in die Fläche geschickt.

Statt endloser Ideologie-Diskussionen standen auf einmal die Betriebe und die Werbung neuer Mitglieder im Mittelpunkt der gewerkschaftlichen Arbeit. Die IG Metall öffnete sich mit zielgerichteten Kampagnen für neue Zielgruppen: Ingenieure und Leiharbeiter, Jugendliche, Angestellte und Frauen unterschrieben die Mitgliedsanträge. Hier liegen auch die Stärken Benners, die sich zudem um zukunftsträchtige Themen wie IT und die Perspektiven digitaler Arbeit kümmert.

Die (neuen) Köpfe der IG-Metall

  • Detlef Wetzel

    Detlef Wetzel, 62, tut es vielen Facharbeitern gleich und geht nahezu pünktlich zum 63. Lebensjahr in Rente. Nur knappe zwei Jahre hat der bedächtige Siegerländer an der Spitze der größten deutschen Gewerkschaft gestanden, die er organisatorisch kräftig umgekrempelt hat. Trotz Kanzlerin-Besuch hat Wetzel im Herbst 2013 einen klassischen Fehlstart hingelegt. 75,5 Prozent Zustimmung beim Gewerkschaftstag in Frankfurt bedeuteten das zweitschlechteste Ergebnis, mit dem je ein IG-Metall-Chef ins Amt gewählt worden ist.

    Gemeinsam mit seinem Vorgänger Berthold Huber hat der verheiratete Siegerländer den Apparat dezentralisiert und auf Kampagnenfähigkeit und Mitgliederwerbung eingeschworen. Seit vier Jahren kann die IG Metall wieder steigende Mitgliederzahlen präsentieren. Politisch hat Wetzel die Ernte der kooperativen Gewerkschaftstaktik eingefahren. Mit dem gesetzlichen Mindestlohn und der vorzeitigen Rente mit 63 Jahren nach 45 Beitragsjahren hat die große Koalition gewerkschaftliche Kernforderungen umgesetzt.

  • Jörg Hoffmann

    Jörg Hoffmann, 59, wirkt nur auf den ersten Eindruck mit seiner starken Brille und seinem sanften schwäbischen Tonfall etwas schüchtern. Wer sich mit dem Gewerkschafter über Arbeitnehmerrechte oder Tariffragen unterhält, lernt schnell den harten Verhandler und detailfesten Tariffuchs kennen. Als Tarifsekretär und langjähriger Bezirksleiter im traditionellen Pilot-Bezirk Baden-Württemberg hat der Diplom-Ökonom an zahlreichen Tarifverträgen maßgeblich mitgearbeitet, die weit mehr geregelt haben als die nächste Gehaltserhöhung für die Metallarbeiter.

    Altersteilzeit, Sonderregeln für ertragsschwache Unternehmen oder die tarifliche Absicherung von Leiharbeitern sind einige der dicken und innovativen Tarifbretter, die Hofmann meist gemeinsam mit seinem Vorgänger Berthold Huber gebohrt hat. Der fest in seiner Heimat Baden-Württemberg verwurzelte Hofmann ließ sich zum Abgang Hubers in die Pflicht nehmen und ging als Stellvertreter des drei Jahren älteren Detlef Wetzel in das rote Vorstands-Hochhaus am Main. Der verheiratete Vater einer Tochter sitzt zudem in den Aufsichtsräten der Konzerne Daimler und Bosch.

  • Christiane Benner

    Christiane Benner, 47, könnte die erste IG-Metall-Chefin in der Geschichte der Gewerkschaft werden. Sollte sie tatsächlich im Oktober auf dem Gewerkschaftstag als Nachfolgerin Hofmanns zur Zweiten Vorsitzenden gewählt werden, steht ihr auch der nächste Schritt an die Spitze offen. Zu den ungeschriebenen Gesetzen der IG Metall gehört, dass der Zweite Vorsitzende später Chef werden kann, wenn er denn will.

    Die gebürtige Aachenerin hat in Darmstadt erste Betriebsratserfahrung gesammelt, später in Marburg, Frankfurt und Chicago studiert und dann diverse Funktionen innerhalb der IG Metall ausgefüllt. Im Oktober 2011 rückte sie in den geschäftsführenden Vorstand der Gewerkschaft auf. Zu Benners Arbeitsgebieten gehören die Digitalisierung der Arbeitswelt und die gezielte Ansprache spezieller Zielgruppen. Sie ist verheiratet und sitzt bei BMW und Bosch im Aufsichtsrat.

Mit 2,27 Millionen Mitgliedern ist die IG Metall die größte Einzelgewerkschaft in Deutschland. Sie organisiert vor allem Beschäftigte in der exportstarken Metall- und Elektroindustrie, ist nach mehreren Gewerkschaftsfusionen aber auch für Textilarbeiter, Solar-Ingenieure oder Holzfachkräfte zuständig. Ihre Machtbasis besitzt die seit vier Jahren wieder leicht wachsende IG Metall in Großbetrieben der Industriezweige Auto, Maschinenbau, Elektro und Metallverarbeitung. Die bundesweit größte Verwaltungsstelle mit mehr als 80.000 Mitgliedern hat sie in der VW-Stadt Wolfsburg. Im vergangenen Jahr hat die Gewerkschaft mehr als eine halbe Milliarde Euro Beiträge eingenommen und verfügt über ein milliardenschweres Vermögen.

Wegen des Branchen-Mixes sind immer noch nur rund 18 Prozent der Mitglieder in der seit vier Jahren wieder wachsenden Gewerkschaft Frauen, doch in ihren Gremien müht sich die IG Metall. Auf dem vergangenen Gewerkschaftstag waren 27 Prozent der knapp 500 Delegierten weiblich und im geschäftsführenden Vorstand beträgt der Anteil sogar knapp 29 Prozent. Neben Christiane Benner ist in dem siebenköpfigen Gremium noch die Bildungsexpertin Irene Schulz vertreten. Das soll nach Wetzels Vorschlag auch so bleiben.

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