Neuer Bilfinger-Chef Per Utnegaard: Welche Probleme Kochs Nachfolger lösen muss

KommentarNeuer Bilfinger-Chef Per Utnegaard: Welche Probleme Kochs Nachfolger lösen muss

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Die Suche nach einem Nachfolger für Roland Koch an der Bilfinger-Spitze hat offenbar ein Ende

von Harald Schumacher

Per Utnegaard ist als neuer Bilfinger-Chef eine Überraschung. Der Norweger muss substanzielle Fragen klären, wenn er Bilfinger aus der Krise führen will.

Eines immerhin ist mit der wahrscheinlichen Berufung des Norwegers Per Utnegaard zum künftigen Bilfinger-Chef vorerst klar: Bei der Ausrichtung zum Service-Konzern wird es bleiben. Der 54-Jährige kann Dienstleistung – er führt seit acht Jahren von Zürich aus den weltgrößten Flughafendienstleister Swissport. Insofern steht die überraschende Personalie bei Bilfinger zunächst für eine Kontinuität des Geschäftsmodells und für ein Bekenntnis des Bilfinger-Hauptaktionärs Cevian zur Abkehr vom Baugeschäft.

Vor über zehn Jahren begann Bilfinger Ausstieg aus der Baubranche, und lange galt das als gute Entscheidung – hin zu einem weniger riskanten Geschäft mit besseren Margen. Doch 2014 geriet der Mannheimer M-Dax-Konzern mit vier Gewinnwarnungen, halbiertem Aktienkurs und dem erzwungenen Abgang des Vorstandschefs Roland Koch plötzlich und so tief in die Krise, wie es sich zuvor keiner vorstellen konnte.

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Seitdem herrscht Agonie. Cevian hat zwar im Herbst vergangenen Jahres die alte Garde bei Bilfinger entmachtet. Aber was Eckard Cordes und Jens Tischendorf, die Cevian nun gemeinsam im Aufsichtsrat vertreten, aus dem Scherbenhaufen machen wollen, ist völlig unklar. Utnegaard muss die substanziellen Fragen nun klären.

Bilfinger hat seine Identität verloren

Das größte Problem ist der Bereich Energiedienstleistungen, der rund ein Viertel des heutigen Bilfinger-Umsatzes liefert. Die Sparte leidet – nationals wie international – massiv unter den Folgen der Energiewende. Früher gut zahlende Kraftwerksbetreiber investieren kaum noch und verkünden selber Sparprogramme. Dienstleister wie Bilfinger stehen am Ende der Energie-Nahrungskette und müssen die Gürtel noch enger schnallen als bisher.

Verkaufen kann Bilfinger die Sparte kaum. „Wer will sie haben?“ fragt ein Bilfinger-Aufsichtsrat rhetorisch. Und für den Power-Bereich ertragreichere Märkte zu definieren, bedeutet trotzdem Personalabbau im großen Stil. Die spezialisierten Unternehmen, die sich Bilfinger zusammen gekauft hat und die untereinander kaum vernetzt sind, sind nicht beliebig rund um die Welt handlungsfähig. „Bilfinger ist immer noch ein Sammelsurium von Divisionen und Firmen“, beschreibt der Chef einer Power-Tochter die Innen-Wahrnehmung. „Ganz selten erkennt man eine Strategie darin. Jede Firma hat ihren eigenen Markt – einen gemeinsamen gibt's nicht.“ Es dürfte hier also auf Personalabbau und Einzel-Verkäufe von Unternehmen hinaus laufen.

Bilfinger im Umbruch Die Agenda des Eckhard Cordes

Die Zahlen sind schlecht, der Börsenkurs eingebrochen und die Dividende fraglich. Eckhard Cordes, der neue starke Mann bei Bilfinger, muss fast den gesamten Vorstand neu besetzen. Gesucht: ein Mann wie Jürgen Klopp.

Bilfinger Aufsichtsratschef Eckhard Cordes Quelle: dpa/Montage

Ähnliches gilt für die Industriesparte. Utnegaards Vorgänger Koch und Herbert Bodner waren offenbar bei ihren Akquisitionen nicht wählerisch genug. Bodner selber, der bis Utnegaards Amtsantritt – voraussichtlich im Frühjahr – die Geschäfte führen und dann gehen soll, sagt heute, Mitglieder der Unternehmensfamilie, die nur „Allerweltstätigkeiten“ anböten, passten nicht mehr ins Portfolio. Denn dabei seien die Margen zu gering. Auch wenn er es nicht betont: Bodner kritisiert damit sich selbst. Utnegaard wird also auch in dieser Sparte Verkaufskandidaten identifizieren und sparen müssen.

Denn von Familie kann bei Bilfinger keine Rede sein. Allenfalls der Industriebereich hatte bis zur internen Zerschlagung unter Koch eine geschlossene Identität und ein Wir-Gefühl – aber noch aus den Zeiten, als die Sparte Rheinhold & Mahla hieß und ein selbständiges Unternehmen war. Bis zur Übernahme durch Bilfinger 2002.

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Die alte Identität des stolzen Baukonzerns hat Bilfinger verloren und nie eine neue gefunden. Wer radikal denkt, fragt sich, ob Bilfinger überhaupt weiter bestehen muss. Den Aktionären könnte auch eine Zerschlagung dienen, sobald die Einzelteile des Konzerns guten Erlös versprechen. Die Frage ist, wie radikal Per Utnegaard denkt und was Cevian will.

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