Niedergang des Traditionskonzerns: ThyssenKrupp wird zum Desaster fürs Ruhrgebiet

ThemaThyssenkrupp

Niedergang des Traditionskonzerns: ThyssenKrupp wird zum Desaster fürs Ruhrgebiet

Bild vergrößern

Die Stahlproduktion im Ruhrgebiet ist gefährdet. Das Werk in Duisburg-Bruckhausen ist am meisten gefährdet

von Andreas Wildhagen

Banken könnten ThyssenKrupp zwingen, den Konzern zu zerlegen und Stahlwerke abzustoßen - schlechte Aussichten für die Jobs in der industriellen Kernregion Nordrhein-Westfalens.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger ist derzeit wenig in Essen. Zusammen mit seinem Finanzchef Guido Kerkhoff muss der 53-jährige Konzernlenker in New York, London und Frankfurt mit Banken verhandeln, ob diese ihre Kreditlinien in Höhe von 2,5 Milliarden Euro verlängern. Denn die Verschuldung des Ruhrkonzerns ist mittlerweile so hoch, dass die Institute berechtigt sind, die Konditionen für ihre Darlehen neu festzulegen – oder die Kredite sogar fällig zu stellen.

Als wäre das nicht schon Dramatik genug, muss es Hiesinger auch grausen, wenn er daheim ist und aus seinem Büro im 13. Stock der ThyssenKrupp-Zentrale in Essen schaut. Denn dann blickt er auf ein Werk, das ebenfalls Vergangenheit zu werden droht. „ThyssenKrupp VDM“ steht auf dem Gebäude, das Deutschlands einzige Titanproduktion beherbergt. Doch die Fabrik ist längst verkauft, an den finnischen Metallkonzern Outokumpu. Und der will von dem Werk ebenfalls nichts mehr wissen, sondern es schnell wieder verkaufen.

Anzeige

ThyssenKrupp Hochofen in Brasilien abgeschaltet

Die Abschaltung eines Hochofens in Brasilien halbiert die Produktion – schlechte Voraussetzung für die laufenden Verkaufsverhandlungen des Werks.

Im sogenannten Rohstofflager von ThyssenKrupp bei Rio de Janeiro türmen sich Berge von Kohle auf Quelle: dpa

Die ungeliebte Titanhütte ist eine von vielen Baustellen mit dem klingenden Namen ThyssenKrupp, die seit der zurückliegenden Woche nur noch für eines stehen: den Niedergang eines deutschen Traditionskonzerns und mit ihm einer der ältesten deutschen Industrieregionen, des Ruhrgebiets. 1,2 Milliarden Euro Verlust hat Hiesinger am Dienstagabend für den vergangenen Neunmonatszeitraum vermeldet. Nur ein schneller Verkauf der hochdefizitären Investitionen in zwei Stahlwerke in Übersee, Brasilien und Alabama (USA), kann den Konzern vor einem existenzbedrohenden Liquiditätsengpass retten.

Misslingt dies, droht ThyssenKrupp der Existenzkampf. „Die Angst wird real“, sagt ein Gewerkschafter, „dass die Krise von Rio herüber zu uns nach Essen und Duisburg schwappt.“ Denn wenn die fernen Stahlwerke nicht bis zum letzten Tag des Geschäftsjahres am 30. September verkauft sind, wird die in Finanzkreisen kolportierte Kapitalerhöhung möglicherweise nur noch ein Randthema sein. Dann drohe eine Rettungsaktion der Banken, fürchten ThyssenKrupp-Betriebsräte, und „auch ein in Deutschland notwendiger, harter Sanierungsschritt“. Was dies heißt, können sich Hiesinger und die Beschäftigten ausmalen. Dann bestimmt nicht mehr der Vorstand zusammen mit der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat, was aus dem Konzern wird. Stattdessen werden die Banken versuchen, alles an Sicherheiten aus dem Unternehmen in ihre Hände zu bekommen. Eine Umstrukturierung und Herauslösung profitabler Bereiche aus dem Unternehmensverbund zum Zwecke der Besicherung der Kredite wäre die mögliche Folge.

Damit rückt die Zukunft der vom Ende des Bergbaus ohnehin gebeutelten Ruhr-Region auf die Tagesordnung. „Die Brennpunkte liegen vor unserer Haustür“, fürchtet der Betriebsrat. Von den 170.000 ThyssenKrupp-Beschäftigten weltweit arbeiten 50.000 an Standorten in Nordrhein-Westfalen, 30.000 im Ruhrgebiet.

Anzeige

13 Kommentare zu Niedergang des Traditionskonzerns: ThyssenKrupp wird zum Desaster fürs Ruhrgebiet

  • wie wäre es wenn die "Banken die man rettete" sich nun mal dankbar und felxible zeigen...... Geld bekommen sie ja vorn und hinten Reingesteckt

  • Tut mir leid, liebe Ruhrpottler - aber wenn selbst der Bau eines Testturms für Schnellaufzüge "Bürgerproteste" auslöst - dann ist euch beim wirtschaftlichen Niedergang nicht mehr zu helfen...

  • Das "Ruhrgebiet" mit über 4 Mio. Bewohnern ist gekennzeichnet von Bergbau-

    romantik mit den Bergmannskapellen die überall das Steigerlied intonieren,

    dabei ist die Hochzeit von Kohle u. Stahl schon seit 1965 vorbei u. wurde

    nur durch politische Manipulation mit der Steinkohlesubventionierung am

    Leben gehalten auf K;osten der Steuerzahler ( erinnert etwas an den Euro

    u. die derzeitige Eurokrise, der ja auch nur durch politische Intervention

    die andere bezahlen müssen, aufrecht erhalten wird mit Kosten von mehreren

    100 Mia. Eu!);

    Es wurden zwar von MP.Rau einige Unis im Revier errichtet, aber die Fäden

    zogen Montanindustrielle,Energiekonzerne etc. von Düsseldorf aus, dort

    wurden die Strategien entwicket wie man am besten u. am meisten Profit aus

    dem Revier herausholt.
    Sämtliche kleinteiligen Industrieneuentwicklungen wurden behindert, eine
    schnelle Verkehrsanbindung per S u. Fernbahn ist bis heute nicht erreicht
    wordenm das zeigt, man will in das dahinsiechende Revier nicht mehr richtig investieren, daher verlassen die besten u. weiterdenkenden Köpfe
    in Massen das Ruhrrevier!

Alle Kommentare lesen
Unternehmer stellen sich vor
WiWo Guide Unternehmenssuche

Finden Sie weitere Unternehmen aus der für Sie relevanten Branche. z.B.

  • Branchenführer: Rödl & Partner
  • Branchenführer: Luther Rechtsanwaltgesellschaft
  • Branchenführer: Hogan Lovells
WiWo Guide Personensuche

Finden Sie weitere Spezialisten auf dem für Sie relevanten Fachgebiet, z.B.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%