Nur noch Flugzeuge und Raketen: Airbus schrumpft sein Rüstungsgeschäft

Nur noch Flugzeuge und Raketen: Airbus schrumpft sein Rüstungsgeschäft

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Airbus A400M: Bald könnten in der Rüstungssparte nur noch Flugzeuge und Raketen übrig bleiben.

Seit der gescheiterten Fusion mit BAE Systems setzt Airbus auf weniger statt mehr Rüstung. Jetzt will sich Airbus-Chef Tom Enders offenbar auch von einstigen Aushängeschildern des Konzerns trennen.

Airbus plant laut einem Bericht deutlich tiefgreifendere Einschnitte bei seiner Rüstungssparte als bislang bekannt ist. Nach Informationen der Zeitung "Die Welt" hat Airbus offenbar eine neue Firma gegründet, um "Aktivitäten von der Rüstungselektronik bis zur Grenzsicherung als Ganzes mit 4.800 Beschäftigten" loszuwerden.

Unter dem Dach der "Airbus DS Electronics an Border Security GmbH" werden unter anderem die Geschäfte mit Rdartechnik, der elektronischen Kampfführung, Sensoren und Avionik gebündelt. Der Umsatz liegt laut dem Konzern bei mehr als einer Milliarde Euro. Durch die Zusammenfassung der Tätigkeiten ergäben sich zusätzliche Marktchancen, lautet die Begründung für den Zuschnitt. Airbus erhofft sich so einen großen Verkauf "en bloc" und keine Zerstückelung der einzelnen Teilbereiche.

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Umsatzzahlen der Airbus-Geschäftsfelder

  • Zivilflugzeuge

    2014: 68 Prozent des Gesamtumsatzes

    2012: 64 Prozent
    2011: 59 Prozent

  • Rüstung

    2014: 10 Prozent des Gesamtumsatzes

    2012: 15 Prozent
    2011: 20 Prozent

  • Hubschrauber

    2014: 11 Prozent des Gesamtumsatzes

    2012: 11 Prozent
    2011: 10 Prozent

  • Raumfahrt

    2014: 118 Prozent des Gesamtumsatzes

    2012: 10 Prozent
    2011: 11 Prozent

    Quelle: Unternehmensangaben

Die Beschäftigtenzahl in den mittlerweile zum Verkauf stehenden Rüstungsaktivitäten summiere sich auf etwa 8000 Stellen. Neben dem bereits angekündigten Abbau von 5.000 Arbeitsplätzen sind insgesamt 13.000 Angestellte betroffen.

Politik dürfte den Verkauf erschweren

Nach der gescheiterten Fusion mit BAE Systems zum weltgrößten Luft- und Raumfahrtkonzern vor drei Jahren hatte Airbus-Chef Thomas Enders die Strategie geändert. Statt mehr Rüstung soll es jetzt weniger werden. Nach dem in mehreren Stufen vollzogenen Umbau bleiben bei Airbus lediglich das Geschäft mit Militärflugzeugen und -helikoptern, die Bewaffnung dieser Modelle sowie die französischen Atomraketen. Einstige Aushängeschilder wie die Rüstungelektronik oder Radartechnik, stehen inzwischen auch zum Verkauf.

Airbus-Chef Tom Enders Deutschland muss sich zur Rüstungsindustrie bekennen

Thomas Enders ist ein Mann der klaren Worte. Im Interview spricht der Airbus-Chef über Spionage gegen sein Unternehmen, die Konsolidierung der Rüstungsbranche, die Chancen des A400M und Neuerungen beim Superjumbo A380.

Airbus-Chef Thomas Enders über deutsche Geheimdienste und dem Bekenntnis zur Rüstungsindustrie. Quelle: Wolf Heider-Sawall für WirtschaftsWoche

Wer den Geschäftsbereich überhaupt kaufen darf, ist bislang aber offen. Laut dem Verteidigunsministerium gilt die Sensorik als "nationale Schlüsseltechnologie. Diese Einstufung erschwert den Verkauf ins Ausland, da der Investor so zu einem Kernlieferanten der Bundeswehr wird.

Während Airbus verkauft, kauft die Konkurrenz im Rüstungsbereich gerade zu. Wie am Wochenende bekannt wurde, übernimmt der US-Rüstungskonzern den Hubschrauber-Hersteller Sikorsky für mehr als acht Milliarden Dollar. Das schreibt die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Insider. Damit hätte Lockheed Martin Airbus ausgestochen. Der europäische Flugzeugbauer hatte ebenfalls mehrfach ein Interesse an einer Übernahme des Konkurrenten angedeutet.

Sikorsky ist eine Tochtergesellschaft des US-Mischkonzerns United Technologies. Sie baut unter anderem den Militärhubschrauber Black Hawk. Im Ringen um zivile Kunden steht die Firma unter Druck, weil Öl- und Gaskonzerne wegen der gesunkenen Energiepreise weniger Maschinen kaufen. Sikorsky produziert auch Flugzeuge und Drohnen.

United Technologies wollte sich dazu nicht äußern. Bei Lockheed war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Für Lockheed wäre der Zukauf der größte Deal seit der Übernahme des US-Raumfahrt- und Rüstungskonzerns Martin Marietta vor 20 Jahren für rund zehn Milliarden Dollar. Auch der US-Flugzeugbauer Boeing hatte ein Auge auf Sikorsky geworfen.

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