Öko-Strom: Die grüne Revolution

Öko-Strom: Die grüne Revolution

, aktualisiert 01. Juni 2016, 17:41 Uhr
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Erneuerbare Energien sind weltweit auf dem Vormarsch.

von Franz HubikQuelle:Handelsblatt Online

Energie aus Wasser, Sonne, Wind und Biomasse ist weltweit auf dem Vormarsch. Noch nie zuvor wurde so viel Geld in Ökostrom investiert. Doch ohne massive Förderungen geht im grünen Universum noch immer nichts.

DüsseldorfZu Pfingsten war es bereits fast so weit: Der Stromverbrauch in Deutschland wurde beinahe komplett über erneuerbare Energien gedeckt. Aufs gesamte Jahr gerechnet beträgt der Anteil von Sonne, Wasser, Wind- und Bioenergie an der Stromerzeugung bereits gut 33 Prozent – und er steigt weiter rasant an. Elektrizität aus regenerativen Kraftwerken ist auf der Vorfahrt. Und das schon längst nicht mehr nur im Energiewendeland. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen boomt weltweit.

2015 war ein absolutes Rekordjahr für die Branche. Noch nie zuvor wurden so viele Ökoanlagen rund um den Globus ans Stromnetz angeschlossen, wie im vergangenen Jahr. Das geht aus dem jährlichen „Renewables 2016 Global Status Report“ hervor, den das Netzwerk für erneuerbare Energien REN21 am Mittwoch veröffentlichte. Demnach wurden insgesamt erneuerbare Energieanlagen mit einer Kapazität von 147 Gigawatt neu hinzugebaut.

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Die weltweiten Investitionen in Erneuerbare Energien sind 2015 auf ein Rekordniveau von 286 Milliarden Dollar angestiegen. Das ist ein Plus von gut fünf Prozent im Vergleich zu 2014. Damit floss doppelt so viel Geld in Erneuerbare, wie in klimaschädliche Kohle- und Gaskraftwerke. Die grüne Revolution schreitet unaufhaltsam voran.

„Das wirklich beeindruckende an diesen Ergebnissen ist, dass sie in einer Zeit erreicht wurden, als die Preise für fossile Energien einen historischen Tiefpunkt erreicht hatten“, sagt Christine Lins, Generalsekretärin von REN21. Trotz niedriger Öl- und Gaspreise hätten insbesondere die Solar-und Windenergieindustrie, technologische Fortschritte gemacht, die Kosten weiter reduziert und hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen. Heute sind bereits 8,1 Millionen Menschen im erneuerbare Energiesektor beschäftigt.

Rückenwind verleiht der Branche zudem das Klimaabkommen von Paris, bei dem sich 195 Staaten darauf einigten, die Erderwärmung zu bekämpfen. Fossile Energien wie Kohle, Öl und Gas sollen demnach schrittweise durch sauberen Sonnen- und Windstrom ersetzt werden. 2016 dürfte daher abermals ein Rekordjahr für die Grünstromindustrie werden. Das Ökowachstum hat nur einen Haken: Ohne massive staatliche Förderprogramme geht noch immer nichts.


Wenn der eigene Erfolg zum Verhängnis wird

Anfang 2016 gab es in mehr als 170 Ländern konkrete Ziele für den Ausbau von erneuerbaren Energien. In 146 Ländern werden diese mit Subventionen flankiert. Und das dürfte wohl auch so bleiben. „Auf absehbare Zeit sind die erneuerbaren Energien nicht wettbewerbsfähig“, sagt Manuel Frondel. Der Energieexperte am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen ist überzeugt: regenerative Energien sind „auf Gedeih und Verderb auf Subventionen angewiesen“. Denn der grünen Revolution werde ihr eigener Erfolg zum Verhängnis.

„Der Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen sorgt dafür, dass die Strompreise an der Börse sinken“, erklärt Frondel. Aber je niedriger die Marktpreise werden, desto weniger rechnet sich der Betrieb der Ökoanlagen – es sei denn, sie werden gefördert. „Es gibt ein Überangebot an Strom bei stagnierender oder sinkender Nachfrage in vielen Ländern der Welt“, sagt Frondel. Wenn sich am aktuellen System nichts ändere, „graben sich die Erneuerbaren selbst das Wasser ab“.

Christine Lins von REN21 sieht saubere Stromquellen in Bezug auf staatlichen Förderungen benachteiligt. „Für jeden Dollar, der in Subvention von Erneuerbaren floss, wurden fast vier Dollar ausgegeben, um unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu erhalten“, erklärt Lins. Die Grünstromlobbyistin fordert von der Politik mehr Unterstützung für Erneuerbare – insbesondere in bis dato vernachlässigten Bereichen, wie im Verkehrs-, oder Wärme- und Kältesektor.

Ökonom Frondel sieht dagegen die Betreiber von regenerativen Kraftwerken in der Pflicht. „Die Solar- und Windenergieindustrie investiert verschwindend geringe Summen in Speicher oder gar die Netzinfrastruktur“, sagt Frondel. Weil die Stromnetze durch die schwankenden erneuerbaren Energien aber deutlich stärker belastet werden als durch fossile Kraftwerke, wäre es für Frondel „nur fair“, wenn Solar- und Windparkbetreiber sich an den Kosten der Strominfrastruktur beteiligen würden. Bis jetzt zahlen die Rechnung dafür die Verbraucher.

Quelle:  Handelsblatt Online
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