Ökostrom-Umlage: Keine Strompreisminderung zu erwarten

Ökostrom-Umlage: Keine Strompreisminderung zu erwarten

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2015 soll die Ökostrom-Umlage zum ersten Mal sinken. Strompreisminderungen sind trotzdem nicht zu erwarten.

Erstmals sinkt die Ökostrom-Umlage, die Zahl für 2015 lautet: 6,17 Cent je Kilowattstunde. Aber der Spielraum für Strompreissenkungen ist eher gering - das „Schwarze-Peter“-Spiel hat schon begonnen.

Die Grünen haben Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgeworfen, eine deutliche Entlastung der Bürger bei den Strompreisen zu verhindern. „Gabriel hat die großzügigen Befreiungen für die energieintensive Industrie ausgeweitet“, sagte die energiepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Julia Verlinden, mit Blick auf die Ökostrom-Umlage für 2015. Die Industrierabatte von rund fünf Milliarden Euro im Jahr zahlen die anderen Verbraucher mit.

In Berlin wird am Mittwoch die neue Ökostrom-Umlage bekanntgegeben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird sie für das Jahr 2015 erstmalig sinken, aber nur geringfügig von 6,24 auf 6,17 Cent je Kilowattstunde. Ein Grund für das Sinken ist, dass sie für 2014 etwas zu hoch angesetzt worden war. Noch unklar ist, wie sich künftig die Förderkürzungen gerade für Windstrom an Land auf die Umlageentwicklung auswirken werden.

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EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) betonte in den „Ruhr Nachrichten“ (Mittwoch): „Hohe und weiter steigende Strompreise werden in Deutschland ein Problem bleiben“. Zugleich machte er das Wetter für die Entwicklung der Umlage mitverantwortlich. „Man muss bedenken, dass wir in Deutschland einen schlechten Sommer mit viel Regen und wenig Sonne hatten und deshalb weniger Solarstrom produziert worden ist. Das war eine Ausnahmesituation.“

Strompreise Ökostrom-Umlage sinkt erstmals

Immer am 15. Oktober wird die Ökostrom-Umlage für das nächste Jahr bekanntgegeben. Nun gibt es Entspannung an der Strompreisfront.

2015 soll die Ökostrom-Umlage zum ersten Mal sinken. Strompreisminderungen sind trotzdem nicht zu erwarten. Quelle: dpa

Das Sinken wird bei der über den Strompreis zu zahlenden Umlage bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden nur knapp 2,50 Euro weniger im Jahr ausmachen. Aber nach Jahren stetiger Anstiege könnte nun etwas Entspannung bei den Strompreisen eintreten - sie waren wegen starker Umlageanstiege zuletzt kräftig nach oben gegangen.

Betreiber von Solaranlagen, Windrädern, Wasserkraft- und Biogasanlagen erhalten auf 20 Jahre garantiert eine feste Vergütung. Über die Umlage wird die Differenz zwischen dem am Markt erzielten Preis und dem Vergütungssatz gewälzt.

Inzwischen beträgt der Ökostrom-Anteil bereits rund 27 Prozent. Mittelfristig soll die 20-Jahres-Fördergarantie auslaufen. Die Umlage wird von den vier Betreibern von Höchstspannungsleitungen veröffentlicht, sie sind für die Verwaltung des Ökostrom-Kontos verantwortlich. Derzeit fallen bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden für einen Haushalt knapp 220 Euro Umlagekosten im Jahr an - hinzu kommt immer noch die Mehrwertsteuerbelastung.

„Viele Versorger müssten nach unseren Berechnungen die Strompreise senken“, sagte der Energieexperte der NRW-Verbraucherzentrale, Udo Sieverding, der dpa. Dies hänge weniger mit der Umlageentwicklung, als vielmehr mit den auch dank des Ökostroms gesunkenen Einkaufspreisen an der Strombörse zusammen. „Wer in den kommenden Wochen ein Preiserhöhungsschreiben vom Stromversorger bekommt, sollte einen Anbieterwechsel in Erwägung ziehen“, sagte Sieverding.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

  • Allgemeines

    Insgesamt 2098 Unternehmen sind im Jahr 2014 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das entspricht einer begünstigen Strommenge von voraussichtlich 107 Terawattstunden – das sind etwa 18 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2014 bleiben den Firmen damit rund 5,1 Milliarden Euro an Kosten erspart.

    Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattstunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

  • Aurubis

    Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den Jahren 2010 bis 2012 auf 102 Millionen Euro.

  • BASF

    Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde. Für 2014 stehen allerdings nur noch Betriebe in Leuna und Rudolstadt auf der Liste.

  • Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

    Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahngesellschaften – insgesamt 72 Schienenbahnunternehmen sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

  • Schwarzwaldmilch

    Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. So gehört auch die Schwarzwaldmilch Offenburg zu den von der EEG befreiten Unternehmen.

  • Storck

    Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

  • Vion

    Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Zugleich räumte er ein, dass die Netzentgelte als weiterer Bestandteil des Strompreises ein Unsicherheitsfaktor seien. „Obwohl die Zusatzbelastung durch steigende Netzentgelte in drei von vier Übertragungsnetzen größer ausfällt als die Entlastung durch die sinkende EEG-Umlage, bleibt bei vielen Anbietern noch Spielraum für Preissenkungen“, sagte er und warnte davor, dies als Ausrede für weiter steigende oder stagnierende Strompreise zu nutzen.

„Seit Jahren beobachten wir, dass Erhöhungen von EEG-Umlage und Netzentgelten 1:1 oder sogar mit Aufschlag weitergegeben werden.“ Jetzt werde es Zeit für eine Verrechnung mit den gesunkenen Beschaffungskosten. „Es gibt Luft für Strompreissenkungen“, betonte der Verbraucherschützer.

Nach Berechnungen des Portals Vervivox kann es wegen steigenden Netzentgelten aber dennoch in einzelnen Regionen weiterhin zu Preiserhöhungen kommen. Ein Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden zahle derzeit jährlich 1135 Euro für Strom. Die rechnerische Ersparnis durch die EEG-Umlage liege bei deutlich unter einem Prozent der Jahresstromrechnung, teilte Verivox mit.

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