Ölkonzern BHP Billiton baut Anlagen ab: War es das schon mit dem Fracking?

Ölkonzern BHP Billiton baut Anlagen ab: War es das schon mit dem Fracking?

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Ein Arbeiter kontrolliert eine Fracking-Anlage. Fallende Ölpreise machen den amerikanischen Öl-Unternehmen zu schaffen.

Ein Aufschwung beim Ölpreis ist nicht in Sicht. In den USA gibt es drastische Reaktionen: BHP Billiton schließt erste Bohranlagen, bei anderen Firmen verlieren Tausende Menschen ihren Job. Ist der Fracking-Boom vorbei?

Der Ölpreisverfall wird so schnell nicht vorübergehen, niemand weiß, wann die Preise wieder steigen. Teures Fracking lohnt sich da nicht - immer mehr US-Unternehmen ziehen drastische Konsequenzen. So will der australisch-britische Bergbaukonzern BHP Billiton seine Bohranlagen, die er auf dem US-Festland betreibt, bis Mitte des Jahres von 26 auf 16 reduzieren.

Damit schließt BHP 40 Prozent seiner Anlagen. „Wir haben als Antwort auf die niedrigeren Preise schnell gehandelt“, sagte BHP-Chef Andrew Mackenzie am Mittwoch.

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Auch weitere Ölkonzerne leiden unter dem Preisverfall: Die BHP-Mitteilung folgte auf die Ankündigung des US-Öldienstleisters Baker Hughes von Dienstag, 7000 Jobs zu kürzen. Ende September 2014 hatte das Unternehmen noch rund 61.000 Mitarbeiter. In der Begründung heißt es, man gehe davon aus, dass die US-Frackingindustrie deutlich schrumpfen werde.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

  • Beginne der Ölförderung

    Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

  • Vollgas mit Benzin

    Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 20. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

  • Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

    In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

  • Goldene Zeitalter des billigen Öls

    Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

  • Erste Ölkrise

    In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

  • Preisexplosion während des Golfkriegs

    Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

  • Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

    Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

  • Ein rasanter Anstieg

    Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg wist der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt.

  • Ölpreis 2015

    Die globale Finanzkrise und eine schwächelnde Konjunktur sorgen für einen Rückgang der Nachfrage. Gleichzeitig bleibt das Angebot durch die massive Förderung in den USA (Fracking) hoch. Die Folge: Der Ölpreis bricht ein. Ab Sommer 2014 rutscht der Preis für Brentöl innerhalb weniger Monate um rund 50 Prozent auf 50 Dollar. Erst im Februar 2015 erholte sich der Ölpreis leicht und schwankt um die 60 Dollar je Barrel.

  • Ölpreis heute

    Im Mai 2015 hatten sich die Ölpreise zwischenzeitlich erholt. Die Sorte Brent erreichte mit einem Preis von 68 US-Dollar je Barrel ein Jahreshoch. Von da aus ging es bis September des Jahres wieder steil bergab auf 43 Dollar. Nach einer Stabilisierung zwischen September und November nahm der Ölpreis seine wieder Talfahrt auf. Am 15. Januar hat der Ölpreis die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Auch Schlumberger, ihres Zeichens die größte Ölservicefirma der USA, streicht 9000 Stellen und damit nahezu acht Prozent der Belegschaft, wie am Freitag bekannt wurde. Der Konzern begründete den Abbau mit dem sinkenden Ölpreis und "unsicheren" Rahmenbedingungen. Im vierten Quartal war der Gewinn dramatisch eingebrochen: um 82 Prozent ging es abwärts. Schlumberger-Chef Paal Kipsgaard kündigte an, dass auch die "Investitionen in die Erkundung und Erschließung neuer Ölfelder" sinken werden.

Warum der Ölpreis fällt

Schuld an den Streichungen ist der fallende Ölpreis: Seit Sommer hat er sich mehr als halbiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostete am Mittwochmorgen 48,39 Dollar. Die Gründe dafür liegen einerseits in der schwächelnden Weltwirtschaft und damit verbunden in einer zögerlichen Nachfrage.

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Andererseits ist es auch das Fracking selbst, das die Preise drückt. Denn die starke Ausweitung der Ölproduktion in den USA durch die umstrittene Fördermethode hat die USA nicht nur zum größten Förderland der Welt gemacht. Der Fracking-Boom hat auch für eine Ölschwemme auf den Märkten gesorgt und ist damit zum Problem geworden. Denn die traditionellen Ölproduzenten, OPEC-Länder wie Saudi Arabien, wollen ihre Menge nicht drosseln. Das Überangebot an den Märkten drückt auf den Preis - eine Wende ist derzeit nicht in Sicht.

Beim Fracking wird mithilfe von großen Mengen an Wasser, Chemikalien und hohem Druck tief lagerndes Schiefergas und -öl aus dem Gestein gelöst. Das Verfahren ist teuer - die sinkenden Ölpreise machen es also weniger lukrativ. Was Verbraucher etwa durch niedrige Benzinpreise freut, stellt die Unternehmen vor große Probleme und führt zu einer Investitionsschwäche in vielen Ländern. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte unter anderem aus diesem Grund seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft.

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Rutscht der Ölpreis noch weiter ab, wird das Fracking in den USA zum Verlustgeschäft. Laut den Branchenexperten von Wood Mackenzie ist die Grenze erreicht, wenn Brent-Öl unter 40 Dollar fällt. Weitere Massenentlassungen könnten die Folge sein - mit deutlichen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft. So berichtet etwa die "New York Times", dass sich nicht nur die amerikanischen Ölarbeiter, sondern auch alle Unternehmen, die von ihnen abhängen, bereits auf das Schlimmste gefasst machen. Dazu zählen etwa Restaurants, Auto- oder Immobilienverkäufer, die von den Ölarbeitern profitieren und abhängen. Auch Banken haben gute Geschäfte mit Krediten an Ölarbeiter gemacht, die sich etwa im texanischen Ödland ein Zuhause zugelegt haben.

Doch ob Fracking an sich bereits vor dem Aus steht, muss bezweifelt werden. Denn im Gegensatz zu traditionellen Ölbohrungen, die nicht so leicht gestoppt und wieder angefahren werden können, ist die Schieferöl- und -gasförderung deutlich leichter steuerbar. Wenn die Ölpreise wieder klettern, wird wohl auch das Fracking wieder auferstehen.

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