Ölmulti: BP droht die Bedeutungslosigkeit

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Ölmulti: BP droht die Bedeutungslosigkeit

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Der BP-Kurs, der sich in Folge des Unglücks auf der Ölplattform Deepwater Horizon im April 2010 fast halbierte, notiert immer noch fast ein Drittel schwächer als vor dem Unfall

von Yvonne Esterházy

Auf die Frage, was aus dem angeschlagenen Konzern wird, hat sogar der Chef keine richtige Antwort. Die Investoren sind nervös. Der geplante Verkauf der Beteiligung am russischen Gemeinschaftsölkonzern TNK-BP könnte BP derweil zum Übernahmekandidaten machen.

Cuddly Dudley, zu deutsch: Kuschel-Dudley, so nennen Londoner Fondsmanager inzwischen Bob Dudley, den Vorstandschef des Mineralölkonzerns BP.

Der Spott trifft den Amerikaner mit Südstaatenakzent und den Multi ins Mark. Seit er die Führung bei BP übernahm, nachdem das Unternehmen durch die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon 2010 ins Trudeln geraten war, schaffte Dudley nicht die überfällige harte Neuausrichtung. „BP hat eine Menge ungelöste Probleme, die den Konzern daran hindern, sich vorwärts zu bewegen“, kritisiert Ivor Pether von der Vermögensverwaltung Royal London Asset Management. Ein anderer Großinvestor fragt gar: „Was genau ist die Strategie?“

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Über die Antwort wird in London derzeit mehr spekuliert, als Dudley die Anleger informiert. Mehrere Szenarien zeichnen sich ab. Trennt sich BP, wie Dudley nun ankündigte, von der 50-Prozent-Beteiligung an dem russischen Gemeinschaftsölkonzern TNK-BP, könnte der Konzern zum Übernahmekandidaten schrumpfen. Ob es dazu käme, hängt wiederum davon ab, wofür BP die erhofften Einnahmen ausgeben würde: für die Entschuldung des Unternehmens, für Akquisitionen oder für eine Sonderdividende für die frustrierten Aktionäre.

Die größte Unsicherheit geht vom erhofften Verkauf des TNK-BP-Anteils aus. Das Unternehmen wird zu gleichen Teilen von BP und dem russischen Oligarchen-Konsortium AAR kontrolliert. Als potenzielle Interessenten werden die russischen Staatskonzerne Rosneft und Gazprom gehandelt. Doch die Oligarchen stellen sich quer. Sie pochen auf ein Vorkaufsrecht, wollen anderen Interessenten den Einblick in die Bücher verwehren und einen alten Schadensersatzprozess gegen BP neu aufrollen. Setzen sich die Oligarchen durch, könnte sich BP möglicherweise gezwungen sehen, deren eigenen Anteil zum Schnäppchenpreis hergeben zu müssen.

Der Kurs ist immer noch schwächer als vor April 2010

Ein Verlust ist der Abschied von TNK-BP für BP allemal, auch wenn es nach Jahren des Streits wie ein Befreiungsschlag wirkt. Denn das Joint Venture ist der drittgrößte Ölproduzent Russlands und hat in den vergangenen Jahren rund 19 Milliarden Dollar an Dividenden an BP überwiesen. Vor allem aber steuert die Beteiligung mehr als ein Viertel zur Öl-Produktion und zu den Öl-Reserven bei, über die BP verfügt. Mit einem kompletten Rückzug aus Russland ginge ein wichtiger Wachstumsmarkt verloren. Die Ölreserven in den bestehenden Fördergebieten in Angola, dem Golf von Mexiko oder der Nordsee können das nicht wettmachen.

Bisher hat Dudley nicht erklärt, was er mit dem Erlös aus dem Verkauf der TNK-BP-Beteiligung anfangen will, deren Wert auf bis zu 30 Milliarden Dollar geschätzt wird. Die Aktionäre dürften sich zwar über eine Sonderausschüttung oder einen kurssteigernden Aktienrückkauf freuen. Schließlich notiert der BP-Kurs, der sich in Folge des Unglücks auf der Ölplattform Deepwater Horizon im April 2010 fast halbierte, immer noch fast ein Drittel schwächer als vor dem Unfall.

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