Ölpreis im Keller: Tankwarte fluchen über den fallenden Spritpreis

Ölpreis im Keller: Tankwarte fluchen über den fallenden Spritpreis

, aktualisiert 18. Januar 2016, 15:51 Uhr
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Die Pächter können den Preisrutsch kaum noch abfedern.

von Regine PalmQuelle:Handelsblatt Online

Diesel unter einem Euro, ein Liter Super für gerade einmal 1,20 Euro: Autofahrer jubeln an der Zapfsäule – und der Tankstellenpächter schaut ängstlich in den Tank. Der Preisrutsch kostet ihn oft bares Geld.

DüsseldorfTanken hat seinen Schrecken verloren. Das gilt zumindest für die deutschen Autofahrer. Die Tankstellenpächter können diese Freude aber bestenfalls eingeschränkt teilen. Sie kämpfen mit sinkenden Margen, denn die Preise fallen schneller, als die Tanks der Stationen leer werden.

Mit anderen Worten: Oft wurde das Benzin noch zu höheren Marktpreisen eingekauft. Wenn die Pächter ihre Kunden behalten wollen, müssen sie das Benzin aber immer billiger abgeben. „Der fallende Markt ist schlecht für uns“, sagt daher Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (BFT). „Die Marge schrumpft“.

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Insgesamt sei der Markt eigentlich ruhiger und entspannter geworden, doch die „Signalpreise“ von den internationalen Rohstoffbörsen sorgten immer wieder für Hektik. „Sie lösen Aktivitäten bei den Verbrauchern aus“, erklärt Zieger. Und solche Signale gibt es zurzeit nahezu täglich.

Die Rohölpreise markieren einen Tiefstand nach dem nächsten. Zu Wochenbeginn kostete ein Barrel Rohöl in Europa, das sind 159 Liter, zeitweise weniger als 28 Dollar. So niedrig notierte Brent-Öl zuletzt vor 13 Jahren. Allein seit Beginn dieses Jahres ist der Ölpreis um knapp zehn Dollar gefallen. Gleichwohl sind noch die jüngsten Hochpreisphasen im Gedächtnis der Verbraucher. Denn Mitte 2014 notierte Brent-Öl bei 115 Dollar je Barrel – entsprechend teuer war der Sprit.

Doch mittlerweile dreht sich Preisspirale nach unten immer schneller. Nach Angaben des Internetportals „Clever-tanken.de“ sind die Benzin- und Dieselpreise 2015 das dritte Jahr in Folge gesunken. Die Tankstellenpächter können diesen Preisrutsch kaum noch abfedern. Branchenkreisen zufolge erhalten die Pächter vier bis fünf Cent pro Liter Kraftstoff. Davon müssen allerdings noch die laufenden Kosten der Tankstelle wie die Wartung der Zapfsäulen oder auch die Transportkosten für die Anlieferung des Kraftstoffs bezahlt werden. Unter dem Strich bleiben den Betreibern der Stationen dann ein bis eineinhalb Cent.

An vielen Tankstellen kostet Superbenzin inzwischen weniger als 1,20 Euro. Zum Teil mussten für einen Liter schon weniger als 1,16 Euro gezahlt werden. Bei Diesel ist bereits seit längerem die Grenze von einem Euro gefallen.

Dass diese Marke auch beim Superbenzin unterschritten werden könnte, gilt allerdings als nahezu ausgeschlossen. Denn der Staat verdient an den Tankstellen kräftig mit.


Iran könnte Ölpreise noch weiter drücken

Bei Superbenzin wird je Liter eine Energiesteuer von 65,4 Cent berechnet; außerdem fallen 19 Prozent Mehrwertsteuer an. Bei Diesel liegt der Anteil bei 47,04 Cent. Auch hier kommt Mehrwertsteuer dazu. Selbst wenn der Sprit verschenkt würde, müssten an den Staat noch rund 55 Cent bei Diesel oder etwa 77 Cent bei Sprit gezahlt werden.

Das ist natürlich eine rein theoretische Betrachtung. Allerdings wird sich der eine oder andere angesichts der unaufhörlich fallenden Ölpreise solche Fragen stellen. Und ein Ende der Schwäche am Rohölmarkt ist bisher nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Zum Wochenende hat die Aufhebung der Sanktionen gegen Iran die Erwartung noch niedrigerer Preise erst einmal weiter befeuert. Das Land verfügt weltweit über die viertgrößten Reserven überhaupt.

Die Sorge ist, dass das ohnehin schon bestehende Überangebot an den Weltölmärkten durch die iranische Förderung weiter erhöht wird. Sowohl die Organisation Erdöl exportierender Staaten, Opec, zu der auch Iran gehört, als auch Ölförderländer wie Russland fördern auf sehr hohem Niveau. Dazu kommt die Schieferölproduktion aus den USA, die bisher zum weitgehenden Ausfalls eines der größten Nachfragers an den Weltölmärkten führte, während gleichzeitig der Großverbraucher China weniger Öl nachfragt. Bisher ist im Kalkül zudem nicht einmal enthalten, was passiert, wenn die USA wie geplant ihr Öl sogar exportieren.

Die Produktionshöhe des Iran ist bisher völlig offen. Es ist nicht klar, wie schnell und wie viel Öl das Land fördern und liefern kann. In diesem Jahr könnte die Produktion Schätzungen zufolge zwischen 500.000 und einer Million Barrel Öl erreichen. „Das zusätzliche Angebot aus dem Iran kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt“, unterstreichen die Experten der Commerzbank. Es treffe auf den ohnehin überversorgten Markt und würde das bestehende Überangebot weiter erhöhen. „Zusätzlichen Druck könnten jedoch die schon produzierten Ölvorräte im Iran ausüben, die nur noch auf die Verschiffung warten, sobald die Sanktionen fallen“, warnt zudem Ole Hansen von der Saxo Bank.

„Die Frage ist nun, wie lange die Überproduktion auf diesem Niveau anhält“, betonte HSBC-Chef Stuart Gulliver gegenüber Reuters. „Der Verfall (der Preise) ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass ganze Staaten, zum Beispiel Saudi-Arabien und Russland, dadurch in Bedrängnis geraten. Dies kann sogar sicherheitspolitische Implikationen haben, besonders wenn man die ohnehin explosive Situation im Nahen Osten bedenkt“, unterstreicht Daniel Kühn, Chefredakteur vom Internetportal Godmode-Trader.

Auch die Einkaufsberatung Kloepfel Consulting warnt: „Viele dieser Länder könnten einen kompletten Kollaps erfahren.“ Hinzu komme, dass der Ölpreis falle, während der Dollar zum Euro steigt. Damit wird Öl etwa in Europa tendenziell teurer, was die Nachfrage bremsen könnte. Dennoch sehen immerhin 60 Prozent der Unternehmen, die die Beratung befragt hat, den niedrigeren Ölpreis als positiv an.

Bei vielen Ölproduzenten wird es aber nach Einschätzung des Barclays Researchs bereits eng. Die Ölpreise lägen bei den meisten neuen Ölprojekten unter der Gewinnschwelle und auf einem Niveau, auf dem die Produzenten nicht in der Lage seien, ihre augenblickliche Förderung beizubehalten, schreiben die Experten. Um einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage zu erreichen, seien höhere Preise erforderlich.

Mit anderen Worten: Auf Dauer rechnet sich die Ölförderung in den meisten Fällen nicht mehr. Vor allem die Suche und Entwicklung neuer Vorkommen ist zu teuer. Auf lange Sicht rechnen viele Experten daher mit wieder steigenden Ölpreisen. Bis es so weit ist, können sich die Autofahrer aber noch über die niedrigen Spritpreise freuen.

Quellle:  Handelsblatt Online
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