Ölpreis: Wie der Preisverfall deutsche Ölförderer trifft

Ölpreis: Wie der Preisverfall deutsche Ölförderer trifft

, aktualisiert 04. Februar 2016, 07:54 Uhr
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„Die kämpfen mit Kurzarbeit.“

Quelle:Handelsblatt Online

Die deutsche Wirtschaft profitiert vom niedrigen Ölpreis. Doch was kaum einer weiß: Eine kleine Branche leidet, denn 2,5 Prozent des in Deutschland verbrauchten Öls wird direkt hierzulande gefördert.

HannoverDie andauernde Flaute in der Ölbranche und der Preisverfall bei den Rohstoffen treffen auch die kleine deutsche Öl- und Gasbranche. „Zwar hat die aktuelle Entwicklung kurzfristig noch keine Auswirkung auf die Produktion, langfristig aber schon“, sagt Miriam Ahrens vom Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) in Hannover. Unmittelbar betroffen sei bereits die Zulieferindustrie – vor allem wegen unsicherer Rahmenbedingungen etwa beim Thema Fracking.

Aber auch wegen des Ölpreisverfalls stehen bei vielen Firmen die Zeichen auf Sparen. Ahrens: „Die kämpfen mit Kurzarbeit.“

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Beim Siemens-Konzern etwa sorgt die Entwicklung im wichtigen Öl- und Gasgeschäft für Kummerfalten. Bleibt eine Erholung aus, könnten Abschreibungen beim Ölindustrie-Zulieferer Dresser-Rand drohen, fürchten Investoren. In den USA hat der US-Konzern Schlumberger, der weltgrößte Technik-Dienstleister der Branche, als Reaktion auf den niedrigen Ölpreis bereits weitere 10.000 Stellen abgebaut.

In Deutschland wirft der Preisverfall zudem die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der zur Neige gehenden Lagerstätten auf. Niedrige Preise können sich als Konjunkturbremse auswirken, da sie nicht gerade zu Investitionen in weniger rentable Felder inspirieren. „Geplante Investitionen werden erst mal vertagt“, betont Ahrens.

Nach WEG-Angaben deckt die Industrienation Deutschland zwölf Prozent ihres Erdgasverbrauchs durch heimische Förderung ab – beim Öl sind es gerade mal 2,5 Prozent. Im internationalen Vergleich ist Deutschland als Rohölproduzent also ein Zwerg. Vor dem geopolitischen Hintergrund ist die heimische Förderung für die Sicherung der Energieversorgung aber dennoch von Interesse.

Schließlich importiert Deutschland bisher Öl häufig aus instabilen Gegenden wie dem Nahen Osten. Transportrouten wären im Krisenfall nicht hundertprozentig sicher.


Bei Bohrungen auf Erdöl statt Braunkohle gestoßen

Zu den größten deutschen Ölförderern gehört die Exxon Mobil Production Deutschland, die mit einer jährlichen Fördermenge von rund 500.000 Tonnen nur zu 10 Prozent im Ölfördergeschäft tätig ist. „Für uns sind daher die Gaspreise maßgeblich“, sagt Sprecher Klaus Torp. Dagegen heißt es beim Branchenprimus, der BASF-Tochter Wintershall: „Als Folge der Ölpreisentwicklung bewerten wir unsere Investitions- und Explorationsprojekte noch intensiver.“ Das Kasseler Öl- und Gasunternehmen erwartet demnächst ein Ende des Ölpreisverfalls, während der Gasmarkt noch länger überversorgt bleiben dürfte.

Das Epizentrum der deutschen Öl- und Gasförderung liegt aber in Niedersachsen, wo die industrielle Erdölförderung 1858 bei Wietze begann. Bei Bohrungen wurde eher zufällig Erdöl statt Braunkohle entdeckt, das damals vor allem für Lampen benutzt wurde. Weitere Funde bei Peine oder im Emsland, dann aber auch in Schleswig-Holstein oder dem Rheintal kamen später hinzu.

Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) schätzte im vergangenen Jahr die sicheren und wahrscheinlichen Erdölreserven in Deutschland auf 31,1 Millionen Tonnen – überwiegend im Norddeutschen Becken. Auch auf niederländischer Seite liegen Reserven, dort in der Region um Groningen kommt es wegen umstrittener Fördermethoden wie Fracking immer wieder zu Mini-Erdbeben.

Rund 2,4 Millionen Tonnen Rohöl wurden 2014 in Deutschland gefördert – in den 1950er Jahren war es noch fast vier Mal so viel. Und die vorhandenen Lagerstätten sind nach aktuellen Preisen immer weniger wert. Der exportorientierte Industriestandort Deutschland profitiert hingegen von der Ölschwemme.

„Volkswirtschaftlich gesehen kann man Deutschland schon als Nutznießer der niedrigen Ölpreise sehen, da wir nicht so hohe Fördermengen haben“, sagt der NordLB-Analyst Frederik Kunze. Er gibt allerdings zu bedenken, dass Deutschland als Exportnation auch sehr stark abhängig von der Weltkonjunktur sei.

Quelle:  Handelsblatt Online
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