Offshore-Windanlagen: Siemens fährt auf See ein Hochrisiko-Geschäft

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Offshore-Windanlagen: Siemens fährt auf See ein Hochrisiko-Geschäft

von Rebecca Eisert

Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser muss die Strategie im Windkraftgeschäft gründlich überdenken. Im vergangenen Jahr verbrannte die Sparte 570 Millionen Euro. Wie sinnvoll eine Abkehr vom Offshore-Geschäft wäre und wo die Risiken liegen.

Es war eine der letzten guten Nachrichten, die Ex-Siemens-Chef Peter Löscher überbringen konnte. Anfang Juli - knapp vier Wochen vor der für ihn alles entscheidenden Gewinnwarnung - brachte Siemens den weltgrößten Offshore-Windpark ans Netz. 175 deutsche Turbinen drehen sich seither vor dem britischen Küste im Windkraftwerk London Array, liefern Strom für 500.000 Haushalte.

Der britische Premier David Cameron höchstpersönlich weihte den 1,75 Milliarden Euro teuren Park ein, Löscher sprach von einem "Meilenstein in der Entwicklung der Windenergie". Hier funktionierte, was in der deutschen Nordsee nicht klappt. Hierzulande gelingt es Siemens nicht, seine vier Umspannwerke ans Netz zu bekommen. Auf den schwimmenden Plattformen wird Gleich- in Wechselstrom umgewandelt. Jeder Windpark muss an eine solche Station angeschlossen sein. Weil Siemens die technischen Probleme nicht in den Griff bekommt, warten auch Windparkbetreiber wie RWE Innogy seit Monaten auf den Anschluss ihres Windparks Nordsee-Ost. Die Verzögerungen beim Bau der riesigen Plattformen bezahlt Siemens mit horrenden Abschreibungen in seiner Windenergie-Sparte: Über eine halbe Milliarde Euro versenkte der Konzern im vergangenen Jahr vor den deutschen Küsten.

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Welche Offshore-Windparks den Netzanschluss bekommen oder warten müssen

  • Bard Offshore 1

    Der Windpark von Projektierer BARD wird als einiger der wenigen termingerecht ans Netz gehen.

    Leistung: 400 Megawatt

  • Borkum Riffgat

    Der verhältnismäßig kleine Windpark von Projektierer EWE/Enova soll termingerecht ans Netz angeschlossen werden können.

    Leistung: 108 Megawatt

  • MEG 1

    MEG 1 ist einer von drei Windreich-Projekten. Der Windpark soll termingerecht seinen Netzanschluss bekommen.

    Leistung: 400 Megawatt

  • Global Tech 1

    Der Windpark ist bereits in Bau und geht dank eines Interimsanschlusses termingerecht ans Netz.
    Projektierer: Windreich
    Leistung: 400 Megawatt

  • Deutsche Bucht

    Ebenfalls dank Interimsanschluss geht der dritte Windreich-Park "Deutsche Bucht" termingerecht ans Netz.

    Leistung: 273 Megawatt

  • Veja Mate

    Der Park von Projektierer BARD bekommt einen Interimsanschluss. Geht aber mit ca. 12 Monaten Verspätung ans Netz.

    Leistung: 400 Megawatt

  • Borkum West 2

    Der Windpark von Trianel befindet sich im Bau. Auf den Netzanschluss müssen die Betreiber rund 6 Monate warten.

    Leistung: 400 Megawatt

  • Dan Tysk

    Der Vattenfall-Windpark muss sechs Monate auf seinen Netzanschluss warten.

    Leistung: 288 Megawatt.

  • Butendiek

    Die Mühlen von Projektierer wpd gehen ebenfalls mit rund sechs Monaten Verspätung ans Netz.

    Leistung: 288 Megawatt

  • Borkum Riffgrund 1

    Der Park von Projektierer Dong muss ein halbes Jahr auf den Netzanschluss warten.

    Leistung: 277 Megawatt

  • Meerwind Süd/Ost

    Der Windpark befindet sich im Bau.
    Verzögerung beim Netzanschluss: rund 12 Monate
    Projektierer: Wind MW
    Leistung: 288 Megawatt

  • Nordergründe

    Verzögerung beim Netzanschluss: ca. 12 Monate
    Projektierer: Energiekontor
    Leistung: 111 Megawatt

  • Nordsee Ost

    Der Windpark befindet sich im Bau.
    Verzögerung beim Netzanschluss: mehr als 12 Monate

    Projektierer: RWE
    Leistung: 295 Megawatt

  • Baltic 2

    Der Windpark befindet sich im Bau.
    Verzögerung beim Netzanschluss: mehr als 12 Monate
    Projektierer: EnBW
    Leistung: 288 Megawatt

  • Amrumbank West

    Verzögerung beim Netzanschluss: mehr als 12 Monate
    Projektierer: E.On
    Leistung: 288 Megawatt

Dabei kann sich Siemens im Bereich Offshore-Windanlagen zu recht als Markt- und Technologieführer bezeichnen. Die Münchner bauen nicht nur Turbinen, sondern bieten auch alle weiteren dazugehörigen Leistungen. wie Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung über weite Strecken, Transformatoren oder Komponenten für das intelligente Stromnetz der Zukunft (Smart Grid) an. Gerade hat Siemens die erste Sechs-Megawatt-Anlage in Betrieb genommen - die leistungsstärkste und zudem leichteste in ihrer Klasse. Doch der Markt ist schlicht zu klein.

Offshore-Anlagen machen weltweit nur drei Prozent der neu installierten Leistung aus. Außerhalb von Europa investiert kaum ein Land in Windkraft auf See. Und so herrscht nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2013 immer noch Flaute in der Siemens "Wind Power Division". Der Umsatz blieben mit 3,5 Milliarden Euro unter Vorjahresniveau. Das Ergebnis brach um 26 Prozent auf 126 Millionen Euro ein.

Kaeser könnte das Rad zurückdrehen

Ist die Zeit gekommen, das Windgeschäft der Münchener neu auszurichten? Stünde die Sparte mit einer Abkehr vom Offshore- und eine stärke Zuwendung zum Onshore-Geschäft - also den Windräder an Land - nicht stabiler da? Die Strategie ist zweifelsohne riskant. Mit einer Marge von aktuell 3,6 Prozent steht Siemens jedoch deutlich besser da als der Wettbewerb.

Der Weltkonzern hat momentan auch noch genügend Finanzstärke, um die Rückschläge im Offshore-Markt zu überstehen. Konkurrenten wie etwa Repower mit seiner schwer angeschlagenen indischen Konzernmutter Suzlon haben weniger Glück. Suzlon hat für das am 1. April begonnene Geschäftsjahr Einsparungen in Höhe von 100 Millionen Euro angekündigt. Der Konzern rechnet mit einem Umsatzrückgang von 20 Prozent.

Siemens will - so die Pläne unter Löscher - in den nächsten Jahren dagegen rund 150 Millionen Euro in die Windkraft investieren. Nach der Vielzahl der Probleme spricht jedoch einiges dafür, dass der neue Chef einen sehr kritischen Blick auf das Hochsee-Geschäft werfen wird. In einem Interview mit der Rheinischen Post im April dieses Jahres sagte Kaeser, man sei in punkto Windkraft "teils überhastet" in neue Marktanwendungen eingestiegen. Ein deutlicher Seitenhieb auf Ex-Chef Löscher. Gelockt hatte Siemens die Versprechen der Regierung, kräftig in die Energiewende zu investieren.

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