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Opel: In Bochum geht die Angst um

von Tino Andresen Quelle: Handelsblatt Online

Die Zukunft des Bochumer Opel-Werks scheint wieder in Gefahr zu sein. Und das just an dem Tag, an dem sich in der Ruhrmetropole die Crème de la Crème der Automobilbranche trifft.

Opel-Werk in Bochum: Zukunft wieder ungewiss. Quelle: dpa
Opel-Werk in Bochum: Zukunft wieder ungewiss. Quelle: dpa

BochumFür die Mitarbeiter am Stand von Opel auf der Fachausstellung zum Car-Symposium muss es an diesem Donnerstag ein Spießrutenlauf sein, ihr Unternehmen zu repräsentieren. Zu der Veranstaltung mit 1100 Teilnehmern hat der Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen eingeladen – ausgerechnet nach Bochum und ausgerechnet einen Tag, nachdem Spekulationen laut geworden waren, der US-Konzern General Motors (GM) könne das Werk seiner Tochter Opel in der Ruhrmetropole schließen.

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Auch der Oberbürgermeisterin der Stadt, Ottilie Schulz (SPD), dürften Begrüßungen schon leichter gefallen sein. Zur Kongresseröffnung betont sie die Wichtigkeit von Opel für Bochum, geht aber nicht auf die möglicherweise drohende Schließung der Fabrik ein.

Nachdem die Führung der zeitweise insolventen Mutter GM fast zwei Jahre lang über einen Verkauf von Opel diskutiert, dann aber doch darauf verzichtet hatte, hatten auch die Opel-Beschäftigten in Bochum aufgeatmet.  Und nun zittern sie wieder. Seit Wochen sucht Aufsichtsratschef Stephen Girsky, Vize-Chef bei GM, nach Einsparmöglichkeiten. Begründung: „In der Konzernzentrale herrscht großer Druck, dass wir in Kürze in Europa wieder Gewinne schreiben.“

Doch das ist Opel seit zwölf Jahren nicht mehr gelungen. Seit 1999 brockte die Tochter dem GM-Konzern Verluste von insgesamt elf Milliarden Dollar ein. Das liegt maßgeblich daran, dass sich der Marktanteil von Opel seither mehr als halbiert hat und die Werke nicht ausgelastet sind. Nach internen Berechnungen wird die Basiskapazität derzeit nur zu drei Vierteln genutzt und könnte weiter sinken. Zum Vergleich: Die Auslastung der BMW-Werke liegt laut Konzernchef Norbert Reithofer bei 105 bis 110 Prozent. Von dessen Luxusproblem kann Opel nur träumen: „Wir hätten 2011 mehr Autos verkaufen können, aber wir waren an der Grenze der Produktionskapazität“, sagt der BMW-Lenker am Rande der Veranstaltung.

Opel-Vorstandsmitglied und -Entwicklungschefin Rita Forst hat da ungünstigere Vorzeichen für ihren Auftritt. Sie soll am Nachmittag bei einer Podiumsdiskussion über „die neue Automobilindustrie“ sprechen. Eine Dreiviertelstunde vor deren Beginn betritt sie den Konferenzsaal im Ruhr-Congress durch einen Seiteneingang. Auf die Gerüchte um das Bochumer Werk angesprochen will sie sich gegenüber Handelsblatt Online nicht äußern.


„40.000 Arbeitsplätze hängen am Opel-Werk“

Helmut Diegel, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittleres Ruhrgebiet, ist da gesprächiger. Er sei angesichts der neuerlichen Unruhe sehr besorgt, sagte er Handelsblatt Online. „40.000 Arbeitsplätze in unserem Kammerbezirk hängen an dem Werk.“

Die Opel-Mitarbeiter haben schon in der Vergangenheit kräftig bluten müssen. Als Sanierungsbeitrag verzichten sie bis einschließlich 2014 auf jährlich 265 Millionen Euro. Und jetzt soll ihr Chef Karl-Friedrich Stracke angeblich weitere 100 Millionen Euro Einsparungen von ihnen gefordert haben. Auch sein Versuch die Belegschaft angesichts der Spekulation über die Schließung zweier Werke zu beruhigen,  fiel nicht sonderlich überzeugend aus: „Bis jetzt“ gebe es „keinerlei Entscheidungen, wonach Werke geschlossen, Stellen abgebaut oder Produktionsvolumen verlagert werden sollen“.

Was noch nicht ist, kann aber bekanntlich noch werden. Und was Auto-Experte Dudenhöffer zu General Motors und Opel zu sagen hat, ist alles andere als ermutigend: „Die Amerikaner haben mehr als zehn Jahre lang Geld in Europa verloren. Denen reißt jetzt der Geduldsfaden.“ Sehr kritisch bewertet er das jüngst vom GM-Chef ausgegebene Ziel einer Marge von zehn Prozent: „Dan Akerson will Rendite machen auf Teufel komm raus.“ Das Fazit mit Blick auf Opel fällt für die Beschäftigten beängstigend aus: „Da kann man nichts ausschließen.“

Was die Opelaner dabei zusätzlich beunruhigen dürfte: Der Akerson hatte 2009 – damals noch als einfaches Mitglied – im Verwaltungsrat dagegen gestimmt, Opel zu behalten. Und: Am Donnerstag wurde bekannt, dass der altgediente Verkaufsvorstand Alain Visser Opel verlässt und zum 1. März zur Mutter GM wechselt, wo er Global Chevrolet Marketing Vice President wird.

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