Opel und Peugeot: Eine Allianz der Abgehängten

Opel und Peugeot: Eine Allianz der Abgehängten

, aktualisiert 16. Februar 2017, 12:12 Uhr
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Der US-Autobauer GM will sein Europageschäft nach jahrelangen Verlusten an Peugeot verkaufen.

Quelle:Handelsblatt Online

Ob Übernahme oder Partnerschaft – Peugeot und Opel werden bald eng verbunden sein. Beide Autobauer fahren der Konkurrenz in Europa bisher nur hinterher. Die Zweifel wachsen, dass eine Allianz das ändern würde.

Hamburg/BerlinDie vor einer engen Liaison stehenden Autobauer Opel und Peugeot sind zu Jahresanfang beim Absatz langsamer gewachsen als die Konkurrenz. Während Europas Platzhirsch Volkswagen im Januar bei den Neuzulassungen um zehn Prozent wuchs und die italienische Fiat-Gruppe sogar um 15 Prozent zulegte, kam Opel mit der britischen Schwester Vauxhall nur auf ein Plus von fünf Prozent, wie aus Daten des europäischen Herstellerverbandes Acea hervorging. Die französische PSA-Gruppe mit den Marken Peugeot, Citroën und DS steigerte den Absatz um knapp sieben Prozent.

Zusammen kamen Opel und PSA auf einen Marktanteil von 16,7 Prozent. Sie lagen damit deutlich vor dem französischen Rivalen Renault mit einem Anteil von gut neun Prozent. Mit Abstand an der Spitze hielt sich Volkswagen, dessen Marktanteil trotz des Dieselskandals bei 24,1 Prozent stabil blieb. Insgesamt legte der europäische Automarkt im Januar um zehn Prozent auf rund 1,2 Millionen Fahrzeuge zu.

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Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) und PSA Peugeot Citroën loten nach eigenen Angaben verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus. Der Verkauf des GM-Europageschäfts mit Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall gilt dabei nach Handelsblatt-Informationen als die bevorzugte Lösung.

Peugeot würde seine Stellung in Europa bei einem Zusammenschluss mit Opel deutlich ausbauen und den Lokalrivalen Renault abhängen. In der Opel-Belegschaft steigt unterdessen die Sorge vor einem weiteren Personalabbau. Bislang sind jedoch keine Details des geplanten Zusammenschlusses bekannt. GM-Chefin Mary Barra, hatte erst am Mittwoch beim Opel-Management in Rüsselsheim für ihre Pläne geworben.

Branchenexperten sind skeptisch, ob eine Fusion den beiden Autobauern wirklich helfen würde. Die Hersteller haben ein ähnliches Markenportfolio, beide sind vor allem bei Klein- und Mittelklassewagen stark – also im vergleichsweise renditeschwachen „Massengeschäft“. Und sie sind ausschließlich (Opel) oder vorwiegend (PSA) in Europa aktiv. Der europäische Markt gilt aber als weitgehend gesättigt und gleichzeitig hart umkämpft. „Wenn sich zwei Lahme zusammentun, wird kein Gesunder daraus“, sagte ein Analyst am Dienstag. Der Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer sagte: „Eins und Eins ergibt in diesem Fall nicht zwei, sondern eineinhalb.“

PSA könnte im Vergleich zu Wettbewerbern wie dem VW-Konzern oder der Renault-Gruppe aber deutlich an Masse zulegen – und dadurch Kosten bei Forschung und Entwicklung sowie beim Einkauf sparen, wie etwa NordLB-Analyst Frank Schwope sagte. Aber eigentlich hat PSA-Chef Carlos Tavares den globalen Markt im Blick, für den Opel nicht viel mitbringt. „Peugeot hat dann drei Marken unter einem Dach, die sich gegenseitig das Wasser abgraben“, sagte Schwope.

Opel hat rund 38.200 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland. Das Traditionsunternehmen wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet und 1929 vom US-Konzern General Motors übernommen. Opel hat in Deutschland Werke in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern. Am Freitag wollen Betriebsrat und IG Metall die Belegschaften der drei Standorte in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach informieren.


Machnig soll zentraler Ansprechpartner werden

Die IG Metall war von der Nachricht über den bevorstehenden Verkauf am Mittwoch überrascht worden und hatte kritisiert, sie sei nicht in die Verhandlungen eingebunden. Auch die Bundesregierung verlangte eine Beteiligung der Arbeitnehmervertreter.

Nach Einschätzung des Branchenexperten Dudenhöffer stehen im Falle einer Übernahme von Opel durch PSA Tausende Jobs auf dem Spiel. Vor allem am Stammsitz Rüsselsheim könnten zentrale Einheiten verkleinert oder ganz abgebaut werden, weil ihre Aufgaben im Konzern übernommen werden könnten. Betroffen wären etwa der Einkauf, der Vertrieb, das Marketing sowie Teile des Entwicklungszentrums. Mindestens ein Drittel der rund 15.000 Jobs in Rüsselsheim stünde bei einer Übernahme zur Disposition.

Als zentraler Ansprechpartner für die geplante Übernahme von Opel durch Peugeot soll auf deutscher Seite der Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig agieren. Er soll die Koordination zwischen Bund und Ländern übernehmen und auch zentrale Anlaufstelle für die Unternehmensführung von Opel und GM sein, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums erfuhr.

Machnig gilt als Experte in Sachen Opel. Schon als Wirtschaftsminister in Thüringen zwischen 2009 und 2013 gehörte sein besonderes Augenmerk dem Autobauer mit seinem Werk Eisenach. Der Betrieb galt seinerzeit nach der geplatzten Übernahme von Opel durch den kanadisch-österreichischen Automobilzulieferer Magna als bedroht. Aufgabe Machnigs war es daher, den Standort in den folgenden Umstrukturierungen abzusichern.

Die Adam Opel AG hat als GM-Europatochter seit 1999 keinen Gewinn in Detroit abgeliefert und auch 2016 die Rückkehr in die Gewinnzone nicht geschafft. Stattdessen betrug der operative Verlust für 2016 rund 257 Millionen US-Dollar (241 Millionen Euro). Das war immerhin eine deutliche Verbesserung nach 813 Millionen Dollar Verlust im Jahr zuvor.

Quelle:  Handelsblatt Online
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