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Optroniksparte: Zeiss will raus aus dem Rüstungsgeschäft

von Rebecca Eisert

Das Optik-Unternehmen Carl Zeiss will nach Medienberichten seine Sparte Militär- und Sicherheitsoptik an EADS verkaufen. Warum Zeiss das Rüstungsgeschäft loswerden will.

Zeiss spricht mit der EADS-Tochter Cassidian über den Verkauf seiner-Militärproduktsparte. Es scheint so, als wolle der Konzern in Zukunft lieber nur noch mit Medizinprodukten und nicht mehr mit der Rüstungsbranche, in Verbindung gebracht werden. Quelle: dpa
Zeiss spricht mit der EADS-Tochter Cassidian über den Verkauf seiner-Militärproduktsparte. Es scheint so, als wolle der Konzern in Zukunft lieber nur noch mit Medizinprodukten und nicht mehr mit der Rüstungsbranche, in Verbindung gebracht werden. Quelle: dpa

„Die Unternehmen Cassidian und die Optroniksparte von Carl Zeiss arbeiten seit längerem bereits in einzelnen Kooperationen zusammen und führen derzeit weitergehende Gespräche miteinander“, sagte ein Carl-Zeiss-Sprecher und bestätigte damit indirekt einen Bericht der Financial Times, wonach die Carl Zeiss AG ihre Sparte Militär- und Sicherheitsoptik an die Tochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Cassidian, verkaufen will.

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Die Sparte besteht derzeit aus rund 800 Beschäftigten und setzte zuletzt im Jahr 160 Millionen Euro um. Zeiss und Cassidian kooperieren bereits in einem Gemeinschaftsunternehmen, an dem auch der Spezialist für Messtechnik Rohde & Schwarz beteiligt ist, beim Aufbau eines Grenzüberwachungssystems für Algerien.

Der zum Verkauf stehende Bereich umfasst dem Bericht zufolge das gesamte Militärgeschäft der in Oberkochen ansässigen Carl Zeiss AG. Sie stellt unter anderem Wärmebildkameras, Laser-Entfernungsmesser und auch das Zielfernrohr für den Kampfpanzer Leopard 2 her. Laut Geschäftsbericht sieht das Unternehmen in der Sparte Chancen und Risiken zugleich. Es erwartet zwar staatliche Kürzungen von Rüstungsausgaben. Chancen ergäben sich aber aus der Erschließung neuer Absatzmärkte weltweit.

Carl Zeiss
Das Unternehmen Carl Zeiss stellt nicht nur Brillen her, es rüstet auch die Panzer der Bundeswehr mit entsprechenden Optiksystemen aus. "Noch schneller, noch besser, noch genauer können die Soldaten der Bundeswehr demnächst heranrückenden Feind oder irreguläre Kräfte in Auslandseinsätzen erkennen und den Überblick behalten", hieß es 2009 in einer Mitteilung des Unternehmens. In allen Puma-Schützenpanzern der Bundeswehr sind Wärmebild- und Tagsichtkameras von Carl Zeiss verbaut. Jetzt will Zeiss seine Optroniksparte verkaufen. Die EADS-Tochter Cassidian, mit der Zeiss bereits kooperiert, führt Gespräche über den Kauf der Militärsparte des Optikunternehmens.

Bild: Screenshot

Mit ihren 160 Millionen Euro Umsatz lieferte die Sparte nur einen kleinen Teil zum Jahresumsatz von zuletzt 4,24 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2010/2011. Wahrscheinlich ist, dass Zeiss nicht mehr in einem Zug mit den deutschen Rüstungsunternehmen wie Krauss-Maffei Wegmann oder Rheinmetall genannt werden will. Und da Cassidian und Zeiss ohnehin kooperieren ist es nur ein logischer Schritt, dem Partner die Sparte zum Kauf anzubieten.

Kaiser Meiji nahm Zeiss-Feldstecher mit ins Grab

Der Verkauf der Sparte würde auch das Ende der langen Rüstungstradition von Zeiss bedeuten. Die optischen Produkte des Unternehmens waren bei Militärs seit Beginn des 20. Jahrhundert hochgeschätzt. So etwa im russisch-japanischen Krieg 1904/1905 bei dem Zeiss beide Parteien belieferte. Der japanische Kaiser Meiji war von Zeiss-Gerätschaften so begeistert, dass es heißt, er habe sich mit einem Zeiss-Feldstecher beerdigen lassen. Entfernungsmesser von Zeiss gehörten im ersten und zweiten Weltkrieg zur Grundausrüstung.

Das alles ist lang her und Zeiss möchte heute lieber mit seinen Innovationen im Bereich der Augenoptik, der Mikrochirurgie mit Mikroskopen und Lasern oder im Bereich Automobil- und Maschinenbau in Verbindung gebracht werden.

Stiftungsunternehmen Das Machtzentrum von Zeiss

Einstein schätzte die Präzision der Mikroskope, Hollywood filmt heute noch mit Zeiss-Linsen. Zeiss zählt zu den innovativsten Technologieunternehmen. Dabei hilft eine ausgeklügelte Eigentümerkonstruktion.

Stiftungsunternehmen: Das Machtzentrum von Zeiss

Der Verkauf würde auch frisches Geld in die Kassen spülen. Nach zwei Rekordjahren hat die abgekühlte Nachfrage der Halbleiterindustrie negativ auf das Stiftungsunternehmen. Der Umsatz schrumpfte in der ersten Geschäftsjahreshälfte 2011/12 (Oktober bis März) um zwei Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern sank um ein Drittel auf 130 Millionen Euro.

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