Osram: Freude über Kaesers Lob

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Energiesparlampen von Osram.

von Matthias Kamp

Den Angriff chinesischer Investoren abgewehrt, die Geschäfte auf Wachstumskurs und die Lampensparte kurz vor dem Verkauf: Konzernchef Berlien startet mit Rückenwind ins neue Jahr.

Olaf Berlien wirkt aufgeräumt, als er am heutigen Mittwoch die Bilanz für die Monate Oktober bis Dezember 2016, das erste Quartal des Osram-Geschäftsjahres, präsentiert. „Wir nehmen mit großer Freude zur Kenntnis“, sagte der Osram-Chef, „dass Siemens uns lobt.“ Das war nicht immer so. Vor einem Jahr noch, auf der Hauptversammlung von Osram, hatte die frühere Konzernmutter Siemens dem Vorstand des Lichtkonzerns die Entlastung verweigert, es kam zum Eklat. Der Münchner Technologieriese hält noch knapp 18 Prozent an seiner einstigen Tochter.

Immer wieder hatte Siemens-Chef Joe Kaeser gegen Osram-Chef Berlien und seine Strategie für das Traditionsunternehmen gestichelt. Vor allem das geplante Halbleiterwerk in Malaysia für rund eine Milliarde Euro gefiel Kaeser gar nicht. Inzwischen schlägt er leisere Töne an. Zuletzt lobte Kaeser auf der Siemens-Hauptversammlung in der vergangenen Woche die erfreuliche Entwicklung des Kurses der Osram-Aktie. Beobachter gehen davon aus, dass Siemens seinen Anteil demnächst abstoßen könnte.

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Auch an anderer Stelle läuft es für Berlien derzeit gut. Der Verkauf des Geschäfts mit traditioneller Allgemeinbeleuchtung wie Leuchtstoffröhren und Glühbirnen ist so gut wie unter Dach und Fach. Zwölf der 14 behördlichen Genehmigungen lägen inzwischen vor, erklärt Berlien. Zuletzt hatte die Bundesregierung grünes Licht für den Verkauf an ein Konsortium aus China gegeben; fehlen noch die Behörden aus den USA und China. Die Veräußerung des Lampengeschäfts, das immerhin zwei Milliarden Euro am Osram-Umsatz ausmacht, ist Teil der Strategie, das Münchner Unternehmen konsequent auf High-tech zu trimmen.

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Osram Quelle: dpa

Die Vorstöße chinesischer Interessenten, auch die übrigen Teile des Osram-Konzerns zu schlucken, sind offenbar für erste abgewehrt. „Zurzeit führen wir keine konkreten Gespräche mit chinesischen Investoren“, sagt Berlien. Im vergangenen Jahr hatte der chinesische Halbleiterkonzern San’an bereits ein konkretes Übernahmeangebot für Osram vorbereitet. Der Vorstoß war unter anderem an Kritik aus der Bundesregierung in letzter Minute gescheitert. Nach dem Roboterhersteller Kuka wollte man nicht so einfach ein weiteres deutsches Technologieunternehmen in chinesische Hände geben. Osram hält immerhin rund 20.000 Patente.

Berlien betont allerdings, dass Osram permanent Gespräche mit möglichen Investoren in der ganzen Welt führe. Natürlich sei man daran interessiert, dass Investoren Osram-Aktien kaufen.

Grund dazu könnten sie haben. Zwischen Oktober und Dezember stieg der Umsatz um fast acht Prozent auf 991 Millionen Euro. Das Ebitda wuchs um fünf Prozent auf 179 Millionen Euro, was eine Marge von 18 Prozent ergibt. Getrieben wurde das Wachstum vor allem durch gute Geschäfte mit Opto-Halbleitern und der Spezialbeleuchtung, zu der auch die für den Konzern wichtige Automobilbeleuchtung gehört. Fast die Hälfte des Umsatzes erzielt Osram mit der Spezialbeleuchtung, etwa 20 Prozent mit Beleuchtungslösungen und –systemen und 30 Prozent mit optischen Halbleitern. Kritiker weisen denn auch auf Osrams große Abhängigkeit von der Autokonjunktur hin. Kürzt etwa Chinas Regierung die Steuervergünstigungen für kleine Pkw, hinterlässt das gleich Spuren in der Bilanz der Münchner.

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Die Wachstumsimpulse für Osram kamen zuletzt vor allem aus der Region Asien-Pazifik. Um mehr als 18 Prozent konnten die Münchner zwischen Oktober und Dezember hier ihren Umsatz steigern. In der Region Europa, Naher Osten und Afrika lag der Zuwachs dagegen bei weniger als zwei Prozent.

Hoffnung setzt Berlien in den amerikanischen Markt, in erster Linie wegen der von Präsident Donald Trump versprochenen Investitionen in die marode Infrastruktur des Landes. Osram könnte hier unter anderem mit Beleuchtungskonzepten für Straßen oder große Gebäude punkten. „Da sehen wir ein riesiges Potenzial“, sagt Berlien.

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