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Paradigmenwechsel: Industrievertreter fordern mehr Staatseinfluss

von Reinhold Böhmer

Wichtige Konzerne im Bundesverband der deutschen Industrie fordern einen Kurswechsel. Der Staat, so ein internes Papier, soll eine aktivere Rolle spielen. Streit ist programmiert.

Elektromobilität Quelle: dpa
Der BDI-Kreis findet Konsensveranstaltungen wie die Nationale Plattform Elektromobilität gut Quelle: dpa

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Reinhold Achatz war in seinem Element, als er Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Philipp Rösler auf dem IT-Gipfel in München im Dezember Futuristisches vorführte: einen „intermodal“ reisenden Geschäftsmann, der wegen eines Verkehrsstaus vom Auto auf den Zug und einen Elektroroller umgeleitet und schließlich zu Fuß bis zum Ziel navigiert wird – alles via Smartphone.

Solche Ideen haben dem Chef der globalen Forschungsabteilungen des Münchner Siemens-Konzerns bei manchen den Ruf des Querdenkers eingebracht. Richtig quer gedacht hat der 57-jährige Ingenieur aber beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), wo er seit Mitte 2010 einen Arbeitskreis namens „Wertschöpfungsorientierte Innovationsstrategien“ leitet.

Zirkel will Kurswechsel beim BDI

Was das 15-köpfige Projektteam aus Vertretern so prominenter Konzerne wie Volkswagen, RWE, Bayer, EADS und BASF in rund 15 Sitzungen meist in der BDI-Zentrale in Berlin ausbrütete, hat es in sich. Offenkundig will der Zirkel einen grundlegenden Kurswechsel im mächtigsten deutschen Unternehmensverband.

Die Basis für den insinuierten Schwenk bildet ein rund 100-seitiges Papier, zu dem sich im Vorwort neben Achatz auch BDI-Hauptgeschäftsführer Dieter Schweer als rechte Hand von Verbandspräsident Hans-Peter Keitel sowie Andreas Barner, der Chef des Pharmariesen Boehringer Ingelheim, bekennen.

Im Kern wollen die BDI-Granden nicht mehr und nicht weniger als eine deutlich aktivere Rolle des Staates. Andernfalls, so der Tenor, drohe Deutschland wichtige Teile der Wertschöpfung, also der hier erwirtschafteten Gewinne, Löhne und Gehälter sowie Kapitaleinkünfte, zu verlieren. Um diese langfristig zu sichern, sei künftig ein „intelligentes und effizientes Zusammenwirken der Akteure aus Gesellschaft, Politik unverzichtbar“. Dazu müsse, so die Forderung, „gegebenenfalls ein neuer Modus gefunden werden“.

Keine klassisch wirtschaftsliberale Doktrin

Der „neue Modus“, für den die Protagonisten des BDI-internen Papiers plädieren, unterscheidet sich grundlegend von der klassischen wirtschaftsliberalen Doktrin. Die sieht im Staat vor allem einen Marktwächter, der den Wettbewerb sowie das Spiel von Angebot und Nachfrage fördert, ohne die Richtung mit vorzugeben.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 11.01.2012, 11:40 UhrAnonymer Benutzer: zarromanowski

    Was mir bei den abgehobenen BDI-Figuren immer wieder sauer aufstößt, ist Ihr Gehabe einzig und allein den "Löffel der Weißheit" zu besitzen - und uns allen schwadronierend die wirtschaftliche Zukunft erklären zu können. Bei den Diskussionen dieser BDI-Bonzen fällt auf - sie interessieren sich nicht wirklich für die Klein- und Mittelständischen Unternehmen, die die Masse aller Arbeitsplätze in der BRD schaffen, in denen noch Vollhafter ihr gesamtes Lebenswerk incl. ihrer Familienangehörigen, in den Dienst der eigenen Firma stellen. In Wirklichkeit betrachtet die Großindustrie diese mutigen Menschen als "kleine Lieferanten" vor denen man nur in die Knie geht, wenn man keine Alternative hat - alle Anderen werden so lange ausgebeutet bis sie kaputt sind. Die BDI-Spitze sollte sich mehr mit der traurigen Realität beschäftigen, anstatt in einer Art visionären Großmannssucht, selbstverliebt sich zu beweihräuchern.

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