Patentstreit: Novartis ist erst der Anfang

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Patentstreit: Novartis ist erst der Anfang

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Der Schweizer Pharmakonzern Novartis erhält kein Patent auf eine Version seines Krebsmittel Glivec, entschied Indiens Oberster Gerichtshof am Ostermontag. Im Bild zu sehen ist das indische Nachahmerprodukt Veenat 400.

von Jürgen Salz

Nachdem der Schweizer Konzern Novartis seinen Patentstreit in Indien verloren hat, müssen auch weitere westliche Pharmakonzerne um ihre Eigentumsrechte fürchten.

Die Patente westlicher Pharmakonzerne sind in Indien nicht mehr sicher. Zunehmend müssen die Konzerne damit rechnen, dass ihre patentgeschützten, neuen Arzneimittel von heimischen, indischen Herstellern kopiert für einen Bruchteil des Preises verkauft werden. „Die Zahl der Zwangslizenzen gegen Unternehmen wird weiter zunehmen“, sagt Oliver Moldenhauer, Kampagnenleiter bei Ärzte ohne Grenzen. Besonders gefährdet sind  Patente auf Krebs- und Aidsmedikamente. Zu den weiteren möglichen Verlierern könnten bald  die US-Konzerne Abbott, Bristol Myers Squibb oder Gilead gehören.

Am Ostermontag hatte Indiens Oberster Gerichtshof entschieden, dass der Schweizer Pharmakonzern Novartis kein Patent auf eine Version seines Krebsmittel Glivec erhält. Die Richter argumentierten,  das Mittel sei keine Neuentwicklung sei, sondern lediglich eine Modifizierung eines vorhandenen Arzneimittels. Die Behandlung mit Glivec kostet in Indien mehr als 3000 Euro im Monat, ein indisches Generikum ist dagegen schon für 60 Euro zu haben. Novartis wollte das Nachahmermedikament verbieten lassen und verwies auf den Patentschutz, den Glivec in etwa 40 Ländern genießt.

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Gerichtsurteil in Indien Pharmakonzerne verlieren Schutzrecht auf Medikamente

Novartis ist es nicht gelungen, ein Patent für ein altes Medikament zu erneuern. Das Urteil vom Höchsten Gerichtshofs Indiens wird nachhaltige Folgen für die gesamte Pharmabranche auf dem indischen Subkontinent haben.

huGO-BildID: 30463524 ARCHIV - Blick auf die Firmenzentrale von Novartis in Basel (Schweiz) am 12.08.2005. Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat den Patentstreit um sein Krebsmittel Glivec in Indien endgültig verloren. Das oberste Gericht des Landes entschied am Montag, dass Novartis kein Patent für das Medikament erhält. Foto: Keystone/dpa (zu dpa 0034 vom 01.04.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Doch die Patentregeln in Indien sind andere als in den großen, industrialisierten Ländern. Bayer muss in Indien  eine Zwangslizenz auf sein Mittel Nexavar gegen Nierenkrebs akzeptieren. Nexavar kostet in Indien 5500 Dollar pro Monatsration; der heimische Hersteller Natco gibt das Mittel für 170 Dollar ab. „Bayer braucht sich nicht zu beschweren, die haben ihr Nexavar nicht zu einem vernünftigen Preis der Bevölkerung zugänglich gemacht“, sagt Amit Sen Gupta, ein Arzt aus Delhi und Aktivist beim „People’s Health Movement“, das unter anderem mit „ Ärzte ohne Grenzen“ zusammenarbeitet.  

Ebenfalls scheiterten die US-Konzerne Pfizer und Merck & Co. sowie das  Schweizer Unternehmen Roche vor indischen Gerichten. Mit den hohen Preisen wollen die Konzerne ihre Forschungskosten wieder hereinholen. Nahezu alle westlichen Unternehmen haben auch spezielle Hilfsprogramme aufgelegt, um  indische Patienten kostenlos mit ihren Medikamenten zu behandeln.

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Die Gegner des Patentschutzes argumentieren mit der schlechten medizinischen Versorgung; daher sei die Bevölkerung auf billige Medikamente angewiesen. 30 Prozent der 1,2 Milliarden Inder leben von weniger als einem Dollar pro Tag. Jährlich sterben etwa 1,7 Millionen Kinder. Slums sind allgegenwärtig, Krankheiten weit verbreitet. Nur 4,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes gibt die Regierung für Gesundheit aus. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 11,6 Prozent.

Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ exportieren die preiswerten indischen Generika auch in andere medizinisch unterversorgte Regionen, etwa nach Afrika. Derweil suchen manche Pharmaunternehmen nach Auswegen aus dem moralischen Dilemma. Als erster Konzernboss sprach sich Ende 2011  Andrew Witty, der Chef des britischen Medikamenten-Herstellers GlaxoSmithKline (GSK)  gegen die Hochpreispolitik der westlichen Pharmakonzerne in Schwellenländern aus. Natürlich müssten Innovationen belohnt werden, so Witty. Das heiße aber nicht, dass ein Hersteller deswegen automatisch hohe Preise verlangen darf. Witty kann das Problem allerdings noch einigermaßen entspannt betrachten. Bislang wurde GSK in Indien kein Patent aberkannt oder eine Zwangslizenz aufgedrückt.

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