Pensionsrückstellungen: Enorme Explosion

Pensionsrückstellungen: Enorme Explosion

von Nele Hansen

Die Konzerne müssen mehr Geld in die Altersvorsorge der Manager pumpen.

Während niedrige Zinsen die Kosten der Verschuldung drücken, zwingen sie viele Unternehmen, mehr Geld für ihre Pensionszusagen gegenüber Mitarbeitern und Vorständen zurückzustellen. Der Anstieg ist teilweise beträchtlich, wie Karlheinz Küting, Direktor des Centrums für Bilanzierung und Prüfung an der Universität des Saarlandes, für die WirtschaftsWoche errechnete. Danach mussten die 25 Industriekonzerne im Dax ihre Pensionsrückstellungen 2012 im Vergleich zu 2007 um 32 Milliarden auf mehr als 95 Milliarden Euro aufstocken.

Die Rechnung ist simpel. Wird eine Geldanlage mit zwei Prozent verzinst, reicht es, wenn ein Unternehmen 980,4 Millionen Euro zurücklegt, um ein Jahr später eine Milliarde auszubezahlen. Sinkt der Zins um einen Prozentpunkt, werden 9,7 Millionen Euro mehr benötigt. Mit jedem Jahr niedrigerer Zinsen wachsen die erforderlichen Rückstellungen. „Hier zeigt sich, welche große Rolle die Pensionsrückstellungen spielen“, sagt Küting. „Kleine Stellschraubenänderungen an den Abzinsungssätzen führen zu einer enormen Explosion dieser Position in den Bilanzen.“

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So erhöhte der Chiphersteller Infineon die Pensionsrückstellungen seit 2007 von 345 auf 567 Millionen Euro. „In diesem Zeitraum ist der Rechnungszins für Unternehmensanleihen, nach denen wir den Rechnungszins bestimmen, von 5,5 auf 3,5 Prozentpunkte gesunken. Ein Prozentpunkt weniger bedeutet 15 Prozent mehr Pensionsrückstellungen“, sagt Infineon-Anlagemanager Jürgen von Bergmann. Auch Siemens nennt die niedrigeren Zinsen als Ursache für den Anstieg.

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Nicht nur Nachteile

Der Sportartikelhersteller Adidas hingegen meldet eine Verdopplung gegenüber 2007, vor allem weil die Zahl der Mitarbeiter von 31.344 auf 46.306 im Jahr 2012 gestiegen sei. Aus gleichem Grund stockte Continental die Rückstellungen auf. BASF begründet die Vervierfachung auf 5,46 Milliarden Euro mit der Übernahme des Düsseldorfer Chemiekonzerns Cognis. Bei VW zwangen Niedrigzinsen und Akquisitionen, das Polster für die Altersruhegelder um mehr als 90 Prozent auf 23 969 Millionen Euro zu vergrößern.

Für die Konzerne haben solche Beträge nicht nur Nachteile, denn sie können sich ihrer bedienen, ohne stattdessen Anleger oder Banken anzupumpen. Allerdings bewerten Ratingagenturen die Anwartschaften in der Bilanz negativ. Deshalb lagerten immer mehr Finanzchefs Pensionen in Treuhandgesellschaften, Fonds oder Versicherungen aus, sagt Küting. Auf diese Weise verringerte BMW die Rückstellungen in der Bilanz um 14 Prozent, die Deutsche Post sogar um fast 60 Prozent. Nachschießen müssen die Unternehmen aber trotzdem, wenn sich die ausgelagerten Beträge schlechter verzinsen.

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