Per Utnegaard: Cevian installiert bei Bilfinger den Anti-Koch

Per Utnegaard: Cevian installiert bei Bilfinger den Anti-Koch

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Der Norweger Per Utnegaard soll Chef von Bilfinger werden - und alles anders machen als sein Vorgänger Roland Koch.

von Harald Schumacher und Rüdiger Kiani-Kreß

Großaktionär Cevian will den kaum bekannten Per Utnegaard zum Chef des Krisenkonzerns Bilfinger machen. Der emotionslose Kostenkiller wäre das Gegenmodell zu seinem Vorgänger Roland Koch.

Per mit einem E, Utnegaard mit zwei A. Bei Bilfinger in Mannheim wurde in den vergangenen Tagen wohl nichts häufiger gegoogelt als der Name des angeblichen künftigen Vorstandsvorsitzenden. Mit Utnegaard, dem heutigen Chef des Schweizer Flughafen-Dienstleisters Swissport, hatte keiner gerechnet.

Der Bilfinger-Aufsichtsrat um den neuen Vorsitzenden Eckhard Cordes bestätigte am vergangenen Dienstag ohne Nennung des Namens, er habe „eine klare Präferenz für einen Kandidaten als neuen Vorstandsvorsitzenden. Die Bestellung soll erfolgen, sobald der Kandidat mit seinem gegenwärtigen Arbeitgeber Einvernehmen über den Zeitpunkt seines Ausscheidens erzielt hat.“

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Bilfinger braucht eine völlig neue Strategie

Eine neue Hängepartie kann der schlingernde Konzern eigentlich nicht brauchen. Nach vier Gewinnwarnungen 2014 und angesichts großer Probleme in den Sparten Energie- und Industriedienstleistungen muss Bilfinger eine völlig neue Strategie finden und sich neu definieren. Die Frage ist, ob große Teile des Konzerns verkauft oder langfristig saniert und weiter betrieben werden.

Der frühere Daimler-Manager und Metro-Chef Cordes will dafür Utnegaard, den Anti-Koch. Das Experiment mit dem Polit-Promi Roland Koch als Bilfinger-Konzernchef war krachend gescheitert. Zu spät wurde im vergangenen Jahr klar, dass die angeblich „ambitionierten Ziele“ des Management-Novizen mit der Realität des Unternehmens wenig zu tun hatten.

Utnegaard erfüllt nun die Wünsche des Bilfinger-Hauptaktionärs, des Finanzinvestors Cevian, der die alte Bilfinger-Garde radikal vor die Tür setzt. Der 55-jährige Norweger kann Private Equity, wie der Einstieg privater Investoren in Unternehmen heißt. Er kennt das Dienstleistungsgeschäft und beherrscht Internationalisierung.

An diesen Unternehmen ist Cevian beteiligt

  • Alent

    An der britischen Spezialchemie-Firma Alent hält Cevian 21,5 Prozent. Alent ist noch ein junges Unternehmen, es entstand 2012 aus der Auflösung des britischen Mischkonzerns Cookson Group.

  • Bilfinger

    Bilfinger ist nach Alent die zweitgrößte Beteiligung des schwedischen Investors. An dem deutsche Bau- und Dienstleistungskonzern hält Cevian 21,2 Prozent.

  • Vesuvius

    Vesuvius ist wie Alent aus der 2012 aufgelösten Cookson Group hervorgegangen. Von dem britischen Stahlunternehmen Vesuvius gehört Cevian exakt ein Fünftel der Anteile.

  • ThyssenKrupp

    Cevian hält 15,1 Prozent der ThyssenKrupp-Papiere. Noch haben die Schweden keinen Sitz im Aufsichtsrat des deutschen Stahl- und Technologiekonzerns, das könnte sich bei der nächsten Hauptversammlung allerdings ändern.

  • Tieto Qyi

    15,0 Prozent der Anteile am finnischen IT-Dienstleister Tieto Oyi sind im Besitz des schwedischen Investors. Mit fast 18.000 Mitarbeitern in nahezu 30 Ländern ist Tieto einer der größten IT-Service-Provider in Europa.

  • Metso

    Cevian gehören 13 Prozent des finnischen Technologie-Konzerns Metso.

  • Volvo Group

    Die Volvo Group hat bis auf den gemeinsam genutzten Markennamen seit 1999 nichts mehr mit dem Autobauer zu tun. Der Konzern verkauft Omnibusse, Vans und Lkws. Cevian gehören zehn Prozent der Volvo-Aktien.

  • Panalpina

    Am Baseler Transport- und Logistikdienstleister Panalpina hält der schwedische Investor 10,0 Prozent.

  • Danske Bank

    Mit einer Bilanzsumme von über drei Billionen dänischen Kronen ist die Danske Bank das größte Geldhaus Dänemarks. Cevian gehören 9,3 Prozent der Anteile.

Swissport, das Utnegaard seit 2007 führt, gehört seit vier Jahren der größten französischen Investorengesellschaft PAI Partners, zu deren 54 Beteiligungen der Kaffeeautomatenhersteller Saeco und die Dessouskette Hunkemöller zählen.

„Utnegaards Agenda als Manager ist, die Vorgaben des Eigners zu erfüllen“, sagt René Zurin von der schweizerischen Dienstleistungsgewerkschaft VPOD, die mit Swissport immer wieder im Clinch liegt. Konkret heiße das, vor allem den Gewinn vor Abzug der Zinsbelastung, kurz: das Ebit, zu steigern. „Kosten runter, Ebit verbessern, damit der Investor nach ein paar Jahren mit Gewinn weiterverkaufen kann.“

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