Personalentscheidung: ThyssenKrupp trennt sich von drei Vorständen

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Personalentscheidung: ThyssenKrupp trennt sich von drei Vorständen

ThyssenKrupp zieht mit der Entlassung des halben Vorstands Konsequenzen aus Missmanagement im Konzern. Die Verträge von Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen sollten zum 31. Dezember aufgehoben werden.

Nach Milliardenverlusten und Korruptionsvorwürfen greift der Aufsichtsrat von Deutschlands größtem Stahlkonzern ThyssenKrupp durch: Drei Vorstandsmitglieder des Unternehmens müssen gehen. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat werteten die Entscheidung als "Zeichen eines grundsätzlichen Neuanfangs".

Wie ThyssenKrupp am Mittwochabend mitteilte, hat der Personalausschuss des Aufsichtsrats in enger Abstimmung mit dem Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger entschieden, dem Aufsichtsrat in seiner Sitzung am 10. Dezember vorzuschlagen, die Bestellung der Vorstandsmitglieder Olaf Berlien und Edwin Eichler sowie Jürgen Claassen mit Wirkung zum 31. Dezember aufzuheben. Claassen hatte den Aufsichtsrat bereits am 1. Dezember gebeten, ihn bis auf weiteres von seinen Vorstandsaufgaben zu entbinden.

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Laut Mitteilung hatte eine vom Aufsichtsrat in Auftrag gegebene Prüfung der fehlgeschlagenen Konzernprojekte in Amerika ergeben, dass sich eine Reihe der vom damaligen Vorstand zugrunde gelegten Annahmen und Kennzahlen als deutlich zu optimistisch oder im Nachhinein als falsch erwiesen haben.

ThyssenKrupp kämpft nicht nur mit den explodierenden Kosten seiner neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA, sondern war zuletzt auch in Korruptions- und Kartellfälle verwickelt. "In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der bisherigen Führungskultur im Konzern", erklärte das Unternehmen am Mittwoch. Mit seiner Empfehlung an den Aufsichtsrat trage der Personalausschuss der Gesamtverantwortung des Vorstands für die Führung der Geschäfte und die Führungskultur des Unternehmens Rechnung.

Die Aktionärsstruktur von ThyssenKrupp

  • Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

    Die Stiftung hält mit 23,03 Prozent den Großteil aller Aktien.

  • Cevian

    Der schwedische Finanzinvestor hält 15,08 Prozent der Aktien.

  • Rest

    51,89 Prozent der Aktien werden von internationalen institutionellen Anlegern gehalten.

  • Privatanleger

    Privatanleger halten zehn Prozent der ThyssenKrupp-Papiere.

Beschäftigte erwarten Ende der Negativschlagzeilen

Deutliche Worte fand das Unternehmen zum Desaster im US-Stahlgeschäft, dessen Kosten nach Pleiten, Pech und Pannen auf zwölf Milliarden Euro gestiegen waren. Ein wesentlicher Grund für die Fehlentwicklungen bei den Projekten des Unternehmensbereichs Steel Americas sei, "dass sich eine Reihe der vom damaligen Vorstand zugrunde gelegten Annahmen und Kennzahlen als deutlich zu optimistisch oder im Nachhinein als falsch erwiesen haben". Das habe eine Prüfung im Auftrag des Aufsichtsrats ergeben. Hiesinger sucht händeringend nach Käufern für die Übersee-Stahlwerke.

Die IG Metall erklärte, die Trennung von den drei Vorständen werde von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat als Zeichen eines grundsätzlichen Neuanfangs begrüßt. "ThyssenKrupp steht vor großen Herausforderungen und braucht das Vertrauen der Kunden und der Beschäftigten. Das geht nur mit einem echten Neuanfang", sagte Aufsichtsratsvize und IG-Metall-Vorstand Bertin Eichler. Die Beschäftigten erwarteten ein Ende der Serie von Negativschlagzeilen, so Eichler.

"Alle Vorfälle müssen aufgeklärt werden. Es muss Schluss sein mit sämtlichen Praktiken, die das Unternehmen in Verruf bringen", mahnte der Gewerkschafter. Der Vorstand müsse sich wieder auf das konzentrieren können, was seine Aufgabe sei: "Die Arbeitsplätze bei ThyssenKrupp sichern, in die Zukunft investieren, auf den Märkten bestehen und vernünftige Erträge erwirtschaften, um den Konzern dauerhaft zu stabilisieren."

Weitere Artikel

Zuletzt machte ThyssenKrupp wegen angeblich von Claassen gewährten Luxusreisen für Journalisten Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft Essen hat einem Zeitungsbericht zufolge ein Ermittlungsverfahren gegen den Manager eingeleitet. Ebenfalls Ende November wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Essen dubiose Zahlungen einer Konzern-Tochter untersucht. Wegen illegaler Preisabsprachen im Schienengeschäft droht dem Konzern zudem eine Welle von Schadenersatzforderungen.

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