Pfizer, Allergan: Obama lässt 160-Milliarden-Dollar-Megafusion platzen

Pfizer, Allergan: Obama lässt 160-Milliarden-Dollar-Megafusion platzen

, aktualisiert 06. April 2016, 13:36 Uhr
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Der „hart arbeitende Amerikaner“ fühle sich betrogen, wenn Unternehmen Vorteile aus Steuerlücken ziehen, sagte US-Präsident Barack Obama Anfang dieser Woche.

von Bert FröndhoffQuelle:Handelsblatt Online

Pfizer hat die 160-Milliarden-Dollar teure Fusion mit Allergan abgesagt. Nicht nur in der Pharmabranche dürften durch den Eingriff der US-Regierung weitere mögliche Megaübernahmen in Frage stehen. Ein Kommentar.

DüsseldorfIan Read ist ein erfahrener Pharmamanager, der die geschickte Rhetorik beherrscht. Und so nannte er im November 2015 die geplante Fusion des US-Pharmakonzerns Pfizer mit dem Konkurrenten Allergan einen „Segen für Amerika“. Mit einem Volumen von 160 Milliarden Dollar sollte es die größte Pharmafusion der Geschichte werden. Ein „Segen“ deshalb, weil der fusionierte Konzern seinen Sitz in Dublin haben sollte. Die vielen Milliarden, die Pfizer dadurch an Steuern spart, würden den Pfizer-Forschungslaboren in den USA zu Gute kommen, warb Read.

Read wusste schon damals, dass das Vorhaben auf wackeligen Füßen steht. Führende US-Politiker kritisierten diese Art der Steuerflucht aus den USA schon länger. Es war daher absehbar, dass die Regierung die sogenannten Tax-Inversion-Deals weiter einschränken würde.

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Das tut sie jetzt. Denn als einen Segen empfindet dies Präsident Barack Obama keineswegs. Im Gegenteil: Der „hart arbeitende Amerikaner“ fühle sich betrogen, wenn Unternehmen Vorteile aus Steuerlücken ziehen, sagte Obama Anfang dieser Woche.

Pfizer hat die Großübernahme nun abgesagt. Die angekündigten neuen Beschränkungen für die Verlagerung des steuerlichen Firmensitzes ins Ausland machen den Deal obsolet. Die erhofften Synergien in Milliardenhöhe sind nicht zu erreichen, weil der neue Pfizer-Konzern in Dublin nicht in den Genuss der erwarteten Steuerersparnis kommen würde.

Pfizer und Allergan sahen offenbar von Beginn an eine hohes Risiko, dass der Deal an der US-Politik scheitert. Denn die sogenannte Breakup-Fee, der Betrag, den ein Vertragspartner beim Scheitern der Fusion zahlen muss, beträgt nur 400 Millionen Dollar – ein bemerkenswert kleiner Wert bei eine derartigen Megafusion.

Die US-Politik hat nun unmissverständlich klargemacht, dass sie derartige Fusionen nicht mehr duldet – und das ist gut so. Es ist grundsätzlich gefährlich, wirtschaftliche Entscheidungen vorwiegend aus steuerlichen Gründen zu fällen. Jeder Privatanleger kennt das: Was heute steuerlich lockt, kann schon morgen dahin sein – einfach, weil Steuergesetze geändert wurden.

Das gilt umso mehr bei einem Projekt mit einer derart großen Tragweite, wie es Pfizer und Allergan geplant hatten. Bei Fusionen von Unternehmen können steuerliche Aspekte eine Rolle spielen, sie sollten aber niemals das Hauptargument sein.

Erfolgreiche Zusammenschlüsse fußen darauf, dass sie den kombinierten Unternehmen entweder neue Wachstumsperspektiven bringen oder dass sie zu dauerhaft geringeren Kosten etwa im Vertrieb und in der Produktion führen – im besten Fall sogar beides. Das bringt langfristig viel mehr Vorteile als eine Steuerersparnis, die schon morgen per Gesetzesänderung obsolet werden kann, beispielsweise durch öffentlichen Druck.

Die Pharmaindustrie und ebenso andere Branchen tun sich mit solchen vorwiegend finanztechnisch getriebenen Megaprojekten keinen Gefallen. Die US-Politik sendet für diese Sichtweise nun ein starkes Signal.

Quelle:  Handelsblatt Online
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