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Pfusch: US-Hausbesitzer verklagen Gipshersteller Knauf

von Axel Granzow Quelle: Handelsblatt Online

Der deutsche Baustoffhersteller Knauf ist von einer Gruppe von Hausbesitzern in den USA wegen angeblich defekter Trockenbauwände verklagt worden. Die Sammelklage vor einem Bezirksgericht in Florida richtet sich gegen die Knauf Gips KG, drei chinesische Tochterunternehmen und US-Baufirmen, wie Tousa Homes, Taylor Woodrow und South Kendall Constructions.

Häuserbau in den USA. Quelle: Reuters
Häuserbau in den USA. Quelle: Reuters

Düsseldorf„Das könnte der schlimmste Fall schadhafter Häuser in der Geschichte sein“, sagte Kläger-Anwalt Ervin Gonzalez in Miami. Aus den von 2004 bis 2006 aus China in die USA gelieferten Trockenbauwänden sollen Schwefeldämpfe entwichen sein, die Kabel und Klimaanlagen beschädigt und die Hausbewohner krank gemacht hätten. Davon könnten bis zu 30.000 Häuser betroffen sein. Die Vorwürfe reihen sich in eine Serie von Skandalen in den USA mit Produkten aus China, von der Zahncreme bis zum Tierfutter, in denen die US Consumer Product Safety Commission ermittelt. Das amerikanische Schadensersatzrecht gilt als vergleichsweise streng und räumt Konsumenten eine starke Stellung ein.

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Knauf-Rechtsanwalt Jörg Schanow bestätigte die Vorwürfe. Die Klageschrift sei aber noch nicht eingegangen. Daher könne er zu den Details keine Angaben machen und auch nicht sagen, wie Knauf reagieren werde. Klar sei aber, dass nur eine der drei chinesischen Töchter betroffen sei.

Die Firmentochter Knauf Plasterboard Tianjin (KPT), die allerdings gesellschaftsrechtlich nicht mit der ebenfalls angeklagten Knauf Gips KG verbunden ist, sei aber nicht der einzige chinesische Lieferant von Trockenbauwänden in den USA gewesen. Es seien damals sogar nur etwa ein Fünftel der Platten von Knauf aus China in die USA importiert worden. Nachdem Wirbelstürme zahlreiche Häuser in Florida zerlegt hatten, hatte es Lieferengpässe gegeben, sodass es zu einer Importwelle gekommen war. Alle Knauf-Platten und das chinesische Werk seien zertifiziert, betonte Schanow. Im Gegensatz zu Konkurrenten trügen Knauf-Produkte ein Markenzeichen. Dennoch sei Knauf den Vorwürfen vor Ort nachgegangen. Dabei seien keine Gesundheitsrisiken festgestellt worden.

Knauf ist die Nummer zwei der Gipshersteller weltweit, hinter den französischen Konzernen Lafarge und vor Saint Gobain (British Gypsum). Das 1932 gegründete Unternehmen beschäftigt weltweit 22.000 Mitarbeiter in mehr als 40 Ländern und 150 Werken. Die verschwiegene Familiengruppe hat nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2007 einen Umsatz von 5,5 Mrd. Euro erwirtschaftet. Zur Ergebnisentwicklung macht Knauf keine Angaben, gilt aber als profitabel.

Knauf ist im Besitz der Familien Alfons und Karl Knauf. Geschäftsführende Gesellschafter sind heute deren Söhne, die Vettern Baldwin und Nikolaus Knauf. Inzwischen wurden auch zwei familienfremde Manager in den Führungskreis aufgenommen. Sitz der Firma ist das unterfränkische Iphofen.

Die weiteren „stillen“ Gesellschafter entstammen ebenfalls der Familie und lenken zum Teil Aktivitäten des Unternehmens im Ausland, wie die Holding Knauf International, die Muttergesellschaft der chinesischen Werke. Entstanden im Gipsgeschäft, produziert Knauf heute Baustoffe für den Trockenbau, Knauf Platten, Mineralfaser-Akustikplatten, Gipsfaserplatten, Trockenmörtel mit Gips für Innenputz und Außenputz auf Zementbasis sowie Dämmstoffe auf Basis von Glas- und Steinwolle.

Offenbar hinterlässt die Finanzkrise auch Spuren. So teilte Knauf in Österreich gerade mit, dass der Teilbetrieb Steinwolle am Kärntner Standort Ferndorf geschlossen wird. Die jüngsten Entwicklungen der Weltwirtschaft hätten die Firma zu diesem Schritt gezwungen, hieß es in einer Mitteilung. Von der Schließung der Steinmineralwolle-Anlage sind bis zu 109 Mitarbeiter betroffen. Steinwolle wird vorwiegend beim Bau und bei der Sanierung von Gebäuden zur Dämmung verwendet. Die Herstellung von Holzwolle-Leichtbauplatten, die auch in Ferndorf erzeugt werden, sei von der Schließung nicht betroffen.

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