Pharma: Pfizer und das Ende der Megafusionen

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Pharma: Pfizer und das Ende der Megafusionen

von Jürgen Salz

Das wird wohl nix: Der britische Konzern AstraZeneca hat auch die dritte und letzte Übernahme-Offerte des US-Riesen Pfizer abgelehnt. Eine kluge Entscheidung.

Erst waren es 72,7 Milliarden Euro, dann 77 Milliarden Euro und am Sonntagabend schließlich 85,2 Milliarden Euro. Doch auch mit viel Geld ließ sich AstraZeneca nicht überreden, sich von den Amerikanern  kaufen zu lassen. Auch die Werbetour von Pfizer-Chef Ian Read bei britischen Parlamentariern in der vergangenen Woche blieb wirkungslos. Da Pfizer bereits angekündigt hat, auf eine feindliche Übernahme zu verzichten, darf der Versuch nun als endgültig gescheitert betrachtet werden.

Klar, dass sich der US-Konzern  den Konkurrenten einverleiben wollte: Der eigene Umsatz lahmt und die hoffnungsvollen Krebsmedikamente der Briten hätten dem eigenen Pillen-Portfolio gut getan. Für die ablehnende Haltung hat AstraZeneca allerdings gute Gründe.

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Erbärmliche Bilanz

Wo immer Pfizer in der jüngeren Vergangenheit andere Unternehmen übernommen hat, wuchs danach kein Gras mehr. Tausende Stellen wurden abgebaut, Forschungseinrichtungen gestrichen, Therapiegebiete eingestellt. Gelohnt haben sich die Rosskuren allerdings nicht.

Seit der Jahrtausendwende hat Pfizer sage und staune 244 Milliarden Dollar für Übernahmen ausgegeben. Die Namen der verblichenen Unternehmen sind längst Geschichte: Warner-Lambert, Pharmacia, Wyeth. Doch trotz der teuren Verstärkungen hat Pfizer in der gesamten Zeit seit dem Jahr 2000 gerade mal drei Top-Medikamente mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar auf den Markt gebracht. Eine erbärmliche Relation von Kosten und Einnahmen. Mittlerweile ist gesichert, dass insbesondere die Produktivität von Forschungs- und Entwicklungsabteilungen bei Groß-Übernahmen deutlich nachlässt.

Viele Turbulenzen

Einer, der es wissen muss, ist der frühere Pfizer-Forschungschef John LaMattina, der zwei große Übernahmen des US-Konzerns aus nächster Nähe miterlebt hat und das Unternehmen im Jahr 2007 verlassen hat. Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg schilderte LaMattina Anfang Mai, was bei großen Übernahmen in den Forschungsabteilungen passiert – nämlich nichts bis wenig: Die Organisation ist gelähmt. Monatelang werden keine neuen Forschungsprogramme aufgelegt, keine Entscheidungen getroffen. Die wichtigen Manager haben dafür keine Zeit, denn sie sind mit der Übernahme und der Integration beschäftigt. Mitarbeiter haben Angst um ihren Arbeitsplatz. All das drückt auf die Produktivität.

„Es gibt jede Menge Turbulenzen“, sagt LaMattina, „das ist für eine Organisation sehr zerstörerisch“. Das glaubt auch Jeremy Levin, der frühere Chef des israelischen Pharmakonzerns Teva: „Auf lange Sicht sind Mega-Mergers für die Forschung und Entwicklung nicht produktiv.“

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Viel hilft viel – diese alte Arznei-Weisheit scheint in der Pharma-Welt nichts mehr zu gelten. Einige Konkurrenten von Pfizer haben das früher erkannt. Zwar wird derzeit in der Medikamenten-Branche reichlich gekauft und verkauft. Doch bei den jüngsten Groß-Akquisitionen ging es für die Unternehmen nicht um das große Ganze, sondern darum, gezielt in einzelne  Bereiche zu investieren, um die eigenen Stärken auszubauen.

So hat sich jüngst Bayer, das es mit rezeptfreien Mittel wie Aspirin, Rennie (Magen) und Bepanthen (Haut) bereits zu einiger Berühmtheit gebracht hat, für zehn Milliarden Dollar die passende Sparte  des US-Konzerns Merck & Co. einverleibt. Kurz zuvor hatten die Schweizer Novartis und die britische GlaxoSmithKline (GSK) ein aufsehenerregendes Tauschgeschäft vereinbart: GSK baut seine starke Position bei Impfstoffen aus und übernimmt die entsprechenden Novartis-Aktivitäten. Die Schweizer dagegen, die bereits einige gute Krebsmedikamente in ihrem Sortiment haben, stärken sich durch das Onkologie-Portfolio von GSK.

Pfizer hat es dagegen noch einmal auf die althergebrachte Art versucht – und ist, zumindest vorerst, gescheitert. Die Zeit der Mega-Mergers scheint vorbei zu sein.

Wirklich schade ist das nicht.

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