Pharma-Übernahme: Bayer kauft sich weniger Ärger

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Pharma-Übernahme: Bayer kauft sich weniger Ärger

von Jürgen Salz

Für 14 Milliarden Dollar übernimmt der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer die rezeptfreien Präparate des US-Unternehmens Merck & Co. Eine teure, aber sinnvolle Akquisition.

Nun hat auch Bayer-Chef Marijn Dekkers seinen großen Coup gelandet. Vorvorgänger Manfred Schneider erwarb in den Neunzigerjahren die Rechte am Markennamen Bayer aus den USA zurück. Vorgänger Werner Wenning gliederte einen Großteil der Chemie in die heutige Lanxess aus, kaufte den Pharma-Konkurrenten Schering und übernahm von Roche das Geschäft mit rezeptfreien Präparaten.

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Der Kauf der rezeptfreien Präparate von Merck & Co.  ist – nach dem Schering-Deal – die zweitgrößte Übernahme in der Geschichte von Bayer. Zu Klassikern wie Aspirin, Alka Seltzer, Rennie und Bepanthen-Salbe kommen nun Merck-Mittel wie Dr. Scholl’s Fußpflege oder das Allergiemittel Claritin hinzu. Durch die Übernahme wird Bayer mit einem kombinierten Umsatz von 7,4 Milliarden US-Dollar (5,5 Milliarden Euro) zur weltweiten Nummer zwei im Geschäft mit rezeptfreien Präparaten, hinter dem britischen Unternehmen GlaxoSmithKline. In Nord- und Lateinamerika avancieren die Leverkusener sogar zum Marktführer.

Rezeptfreie Medikamente Auch Bayer an Merck-Sparte interessiert

US-Pharmakonzern Merck möchte sein Geschäft mit rezeptfreien Arzneimitteln loswerden. Die Chancen stehen gut: Laut Insidern gibt es mehrere Interessenten. Auch Bayer hat ein Auge auf die Sparte geworfen.

Das Firmenlogo des Chemiekonzerns Bayer AG. Die Leverkusener steigen offenbar in die Bieterschlacht um Mercks Sparte mit rezeptfreien Arzneimitteln ein. Quelle: AP

Die 14 Milliarden Dollar, die Bayer zahlt, sind zweifelsohne ein stolzer Preis. Doch der Einsatz könnte sich lohnen: Zwar lasst sich in dem Geschäft nicht ganz so viel verdienen wie mit klassischen, verschreibungspflichtigen Präparaten – mit Gewinnmargen von 20 Prozent und mehr. Doch immerhin bringen es die rezeptfreien OTC (Over-the-Counter)-Präparate noch auf zwölf bis 15 Prozent.

Dafür sind die rezeptfreien Mittelchen, die oft schon seit Jahrzehnten auf dem Markt sind, besser zu kalkulieren. Negative Überraschungen wie plötzlich auftretende Nebenwirkungen oder kritische Studien sind nahezu ausgeschlossen.

Gerade Bayer hatte in jüngster Zeit Ärger mit verschreibungspflichtigen Präparaten. Vor gut einem Jahrzehnt nahm das Unternehmen seinen Cholesterinsenker Lipobay wegen schwerer Nebenwirkungen vom Markt. In jüngster Zeit waren es Medikamente wie die Anti-Baby-Pille Yasmin, die für Aufruhr und Schadenersatzklagen sorgten. Yasmin soll angeblich verstärkt zu Thrombosen führen, in einzelnen Fällen auch mit tödlichem Ausgang. Solche Negativ-Schlagzeilen sind bei Alka-Seltzer und Bepanthen weniger zu befürchten.

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Bayer hat nun ein schönes Portfolio an rezeptfreien Mitteln zusammen, kann seine Vertriebspower nutzen und von Synergien profitieren. Bis zur Nummer eins der Branche, GlaxoSmithKline (GSK), mit einem OTC-Umsatz von 14,7 Milliarden Dollar ist es allerdings noch ein weiter Weg. Zumal GSK derzeit auch die Mehrheit an den OTC-Präparaten des Schweizer Novartis-Konzerns (2,9 Milliarden Euro Umsatz) erwirbt. Spannend wird, ob Bayer-Chef Dekkers nun nochmal GSK angreift.

Jedenfalls ist Bayer bei den OTC-Präparten eine Weltmacht. Für die verschreibungspflichtigen Medikamente gilt das noch nicht. Trotz hoffnungsvoller, neuer Produkte zählt Bayer dort nicht zu den Top Ten.

Die Börse reagierte allerdings kaum auf den Deal, der seit Tagen erwartet worden war. Die Bayer-Aktie verlor 0,2 Prozent und liegt derzeit knapp unter 100 Euro.

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