Pharma-Übernahme: Was die neuen Stada-Eigentümer planen

Pharma-Übernahme: Was die neuen Stada-Eigentümer planen

von Jürgen Salz

Das ist gerade nochmal gut gegangen. Im zweiten Anlauf brachten die Finanzinvestoren Bain und Cinven die erforderliche Aktienmehrheit zusammen und können nun den Medikamenten-Hersteller Stada übernehmen. Die Tage an der Börse dürften damit für Stada gezählt sein. Und auch sonst stehen nun etliche Veränderungen an.

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Im zweiten Anlauf brachten die Finanzinvestoren Bain und Cinven die erforderliche Aktienmehrheit zusammen und können nun den Medikamenten-Hersteller Stada übernehmen.

Wieviel Prozent der Aktien sich Bain und Cinven sichern konnten, steht erst heute Abend fest. Sicher ist bislang, dass die beiden Finanzinvestoren die Mindestannahmeschwelle von 63 Prozent erreicht haben. So schnell wie möglich werden die beiden Erwerber nun versuchen, sich eine Quote von 75 Prozent zu sichern, um einen Beherrschungsvertrag abzuschließen und sich die entsprechenden Durchgriffsrechte zu sichern.

Klar ist, dass Stada einen neuen Vorstandschef bekommen wird – nach dem Gusto von Bain und Cinven. Der amtierende Interims-Chef Engelbert Coster Tjeenk Willink hat schon bei seinem Antritt klar gemacht, dass er das Unternehmen nur bis Jahresende führen will. Als Favorit von Bain und Cinven für den Chefposten gilt laut Finanzkreisen der frühere Ratiopharm-Chef Claudio Albrecht. Albrecht gilt als bestens vernetzt und kennt sich mit Generika und Markenmedikamenten, den Kernmärkten von Stada,  gut aus. Zuletzt war Albrecht für Bain und Cinven auch im Hintergrund der Stada-Übernahme als Berater tätig.

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Die neuen Erwerber werden zudem den Aufsichtsrat nach ihren Vorstellungen besetzen. Was das für den amtierenden Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker heißt, ist noch offen. Wahrscheinlich ist, dass es erneut zu einem großen Stühlerücken kommen wird – erst im vergangenen Jahr war das Kontrollgremium runderneuert worden.

Genug Aktionäre überzeugt Finanzinvestoren übernehmen Stada

Das lange Übernahmeringen um den hessischen Arzneimittelhersteller ist beendet. Bain und Cinven haben im zweiten Anlauf die nötige Zustimmung der Aktionäre erreicht. Nun wollen sie expandieren.

Stada Quelle: dpa

Sobald wie möglich werden Bain und Cinven die verbleibenden Aktionäre herausdrängen und Stada von der Börse nehmen. Ihre Strategie für das operative Geschäft ist in Grundzügen klar: Einerseits werden die Finanzinvestoren auf Effizienz drängen und Kosten sparen, etwa in Einkauf und Produktion – ein Thema, dass bei Stada lange vernachlässigt wurde. Andererseits wollen die Erwerber auch reichlich Geld für Zukäufe in die Hand nehmen, um Stada stärker und wettbewerbsfähiger zu machen. Einige hundert Millionen Euro könnte das Investoren-Duo sicher locker machen.  

Ein großes Thema für Bain und Cinven ist auch die stärkere Internationalisierung von Stada – die Produktstrategie in den unterschiedlichen Märkten ist alles andere als einheitlich. So ist Stada in Deutschland etwa mit dem Grippemittel Grippostad erfolgreich, während in England vor allem ein Mittel gegen Kopfläuse den Umsatz treibt. Zuletzt gab es bei Stada Pläne, das Sonnenschutzmittel Ladival nicht nur in Deutschland, England und Spanien, sondern auch in anderen Ländern stärker in die Regale zu drücken.

Pharma-Übernahme Was die neuen Stada-Eigentümer planen

Im zweiten Anlauf brachten die Finanzinvestoren Bain und Cinven knapp die erforderliche Aktienmehrheit zusammen und können nun den Medikamenten-Hersteller Stada übernehmen. Und nicht nur die Aktien dürften verschwinden.

Im zweiten Anlauf brachten die Finanzinvestoren Bain und Cinven die erforderliche Aktienmehrheit zusammen und können nun den Medikamenten-Hersteller Stada übernehmen. Quelle: dpa

Beide, Bain und Cinven, bringen auch reichlich Erfahrung mit Gesundheitsunternehmen mit. So übernahm Cinven vor zwei Jahren etwa den Augsburger Laborbetreiber Synlab – das Untenehmen entwickelt sich gut und selbst Gewerkschafter loben die kooperative Ausrichtung der neuen Eigentümer. Zum Portfolio von Bain zählte unter anderem der Pharma-Datendienstleister Quintiles.

Trotz der bewiesenen Kompetenz sind Bain und Cinven nicht unumstritten. Unter den Aktionären gibt es viele Apotheker, für die ein Verkauf an das angelsächsische Investorenduo so gar nicht in Frage kam.  Sie fürchten nun um ihren Einfluss – schließlich ist Stada vor über hundert Jahren von Apothekern gegründet worden. Nicht zuletzt verkauft Stada seine Pillen und Salben hauptsächlich über Apotheken.

Und auch unter den Beschäftigten regt sich Widerstand – zwei Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hatten vorab angekündigt, ihre Anteile nicht an Bain und Cinven zu verkaufen. Viele Mitarbeiter fürchten, dass sie die Zeche für die 5,3 Milliarden teure Übernahme zahlen müssen. Skeptiker verweisen darauf, dass Bain und Cinven 1,5 Milliarden des Kaufpreises Stada als Schulden aufbürden. Auch das gehört nun zu den vorrangigen Aufgaben von Bain und Cinven – allen Mitarbeitern und Kunden zu beweisen, dass sie ein guter Partner für Stada sind.

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