Pharmahändler: Celesio hofft auf Trendwende ab 2012

Pharmahändler: Celesio hofft auf Trendwende ab 2012

, aktualisiert 10. November 2011, 16:02 Uhr
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Celesio-Zentrale in Stuttgart.

Quelle:Handelsblatt Online

Es ist kein gutes Jahr für das Pharmaunternehmen Celesio. Der Umsatz ist stark gesunken und die Neuausrichtung muss ihren Erfolg erst noch zeigen. Der neue Chef Markus Pinger gibt sich aber gelassen.

Rabatt-Schlachten in Deutschland und staatliche Sparmaßnahmen vieler europäischer Länder setzen dem Pharmahändler Celesio zu. Der Überschuss des Stuttgarter Konzerns fiel im dritten Quartal um über ein Viertel auf knapp 60 Millionen Euro. Der Umsatz schrumpfte um drei Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. „Die Finanzkennzahlen sind nicht zufriedenstellend, bewegen sich aber im Rahmen der Erwartungen“, sagte der neue Celesio-Chef Markus Pinger.

Der 48-jährige ehemalige Beiersdorf-Manager hat seit knapp drei Monaten das Sagen bei Celesio und will mit einem Sparprogramm und der Konzentration auf das Kerngeschäft Handel und Apotheken das Ruder herumreißen. Die Firmen Movianto und Pharmexx, mit denen Celesio in den vergangenen Jahren ins Dienstleistungsgeschäft für Pharmakonzerne vordrang, hat Pinger kürzlich zum Verkauf gestellt. Viele Unternehmen hätten bereits Interesse angemeldet, sagte Pinger. Sollte ein Verkauf nicht gelingen, könne Celesio aber auch Teile behalten oder integrieren. „Wir stehen nicht unter Zeitdruck.“

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Auch einen Verkauf der umstrittenen Internet-Apotheke DocMorris schloss Pinger nicht aus. Er machte jedoch deutlich, dass er sich lieber mit den Apotheken, die seit Jahren gegen DocMorris Sturm laufen, auf eine Kooperation verständigen würde. Die Integration von Vor-Ort-Apotheken und Online-Angeboten sei zum Nutzen aller, sagte Pinger. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Apotheken dem dauerhaft verschließen.“

„Das neue Management muss liefern“

Für das laufende Jahr bekräftigte Pinger die Prognose, die der Konzern 2011 allerdings bereits drei Mal gesenkt hatte, zuletzt Ende Oktober. Celesio rechnet demnach mit einem Rückgang des Betriebsgewinns (Ebitda) vor Einmalaufwendungen auf rund 575 Millionen Euro (Vorjahr: 699 Mio.). Im kommenden Jahr soll das Sparprogramm dann greifen und der Betriebsgewinn vor Einmaleffekten, etwa dem bis zu 100 Millionen Euro teuren Konzernumbau, mindestens stabil gehalten werden. Pinger wollte sich jedoch nicht festlegen, ob 2012 unter dem Strich ein höherer Gewinn herausspringen wird.

Analysten wie Scott Bardo und Frazer Hall von der Berenberg Bank bleiben skeptisch. Es werde dauern, bis der Markt von der neuen Strategie überzeugt sei, um langfristig Gewinn einzufahren.

Thomas Maul von der DZ Bank sieht den Umbau grundsätzlich positiv. „Aber es ist noch zu früh, dass wir unsere Einstellung zu der Aktie ändern. Zunächst muss das neue Management erste Ergebnisse liefern.“ Die Celesio-Aktie, die seit Jahresbeginn fast die Hälfte an Wert verloren hat, kletterte heute um gut zwei Prozent auf 10,92 Euro.


Keine Belastungen durchs Italien-Geschäft

Durch die jüngste Zuspitzung der Staatsschuldenkrise erwartet Europas größter Pharmahändler derzeit keine zusätzlichen Belastungen. Celesio macht den Großteil seiner Geschäfte in Ländern wie Deutschland, Frankreich, Österreich und Großbritannien, nicht in Italien. „Glücklicherweise sind wir da eher klein“, sagte Pinger. Auch die jüngsten Personalrochaden bei seinem Mehrheitsaktionär Haniel hätten keine Auswirkungen auf Celesio, sagte Pinger.

Haniel-Chef Jürgen Kluge, der den Aufsichtsrat von Celesio leitet, hatte kürzlich erklärt, seinen im Dezember 2012 auslaufenden Vertrag beim Duisburger Mischkonzern nicht zu verlängern. Er gehe davon aus, dass Haniel auch nach dem Rückzug Kluges weiter hinter Celesio stehen werde, sagte Pinger. Schließlich habe es im Aufsichtsrat große Unterstützung sowohl für die jüngste Übernahme von Oncoprod in Brasilien als auch für den teuren Konzernumbau gegeben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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