Pharmakonzern Pfizer: Stagnierende Umsätze, wachsende Spekulationen

Pharmakonzern Pfizer: Stagnierende Umsätze, wachsende Spekulationen

, aktualisiert 01. August 2017, 16:00 Uhr
von Siegfried HofmannQuelle:Handelsblatt Online

Der US-Konzern Pfizer, die Nummer eins der Pharmabranche, hat die Gewinnprognose für 2017 leicht angehoben. Aber die Umsätze des Pharmariesen sind weiter rückläufig. Das nährt Spekulationen um neue Übernahmepläne.

FrankfurtPfizer-Chef Ian Read demonstriert Zuversicht. Man sei zufrieden mit dem zweiten Quartal und habe eine starke Pipeline von Medikamenten in der Entwicklung, verkündete er am Dienstag bei Vorlage der Zahlen für das erste Halbjahr. „Für die kommenden fünf Jahre sehen wir Chancen für 25 bis 30 Zulassungen, davon 15 mit Blockbuster-Potenzial.“

Seine Gewinnprognose für 2017 hat der weltweite führende Pharmasteller um zwei Cent je Aktie angehoben. Pfizer rechnet jetzt mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von um die 2,57 Dollar, was einem Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Der Umsatz dagegen dürfte mit 52 bis 54 Milliarden Dollar in etwa auf dem Vorjahresniveau stagnieren.

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Die Zahlen des Branchenführers sind in vieler Hinsicht exemplarisch für die Big-Pharma-Konzerne. Die meisten Vertreter geben sich optimistisch mit Blick auf die Produktentwicklung und die mittelfristigen Aussichten. Das aktuelle Geschäft indessen entwickelt sich nur mäßig. Denn nach wie vor stehen den wachstumsstarken Neuentwicklungen zu viele Produkte und Segmente mit Preisverfall und Generika-Konkurrenz gegenüber, so auch bei Pfizer.

Das nährt bei Analysten und Branchenbeobachter Spekulationen, der US-Konzern könnte einen neuen Anlauf zu einer großen Übernahme starten. Als mögliche Ziele werden etwa die Konkurrenten Astra-Zeneca und Bristol-Myers Squibb (BMS) gehandelt, die beide in den zurückliegenden Monaten Rückschläge in der Produktentwicklung zu verkraften hatten. Pfizer hatte in den letzten drei Jahren bereits zwei große Transaktionen versucht, zunächst die Übernahme von Astra-Zeneca, später die Fusion mit Allergan. Beide Vorhaben indessen musste man wieder abblasen.

Gegenüber der damaligen Ausgangssituation hat sich seither im Grunde wenig geändert: Es fehlt an organischem Wachstum. Im Falle Pfizer schlug sich der Preisdruck bei Altprodukten sowohl im zweiten Quartal als auch im ersten Halbjahr in einem Umsatzrückgang von jeweils zwei Prozent nieder, auf 12,9 Milliarden Dollar im Quartal und 25,7 Milliarden Dollar im Halbjahr.

Der ausgewiesene Nettogewinn verbesserte sich im zweiten Quartal dagegen um die Hälfte auf gut drei Milliarden Dollar und im Halbjahr um ein Fünftel auf 6,2 Milliarden Dollar. Ausschlaggebend dafür waren vor allem geringere Sonderabschreibungen und weniger Aufwand im Zusammenhang mit Akquisitionen. Bereinigt um solche Faktoren erhöhte sich der Halbjahresgewinn laut Pfizer um zwei Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar.

Pfizer verbuchte zwar mit einigen seiner jüngeren Produkte, darunter insbesondere das erfolgreiche Brustkrebsmittel Ibrance und der Gerinnungshemmer Eliquis, hohe zweistellige Wachstumsraten. Andererseits büßte das umfangreiche, und überwiegend patentfreie Sortiment an Altprodukten im ersten Halbjahr zusammen rund zehn Prozent an Umsatz ein.

Und diese älteren Produkte, darunter etwa der Cholesterinsenker Lipitor, das Potenzmittel Viagra in Europa und das Antibiotikum Zithromax, repräsentieren noch immer rund 40 Prozent des Konzernumsatzes. Der US-Konzern hatte diesen Bereich 2015 sogar noch gestärkt durch die Übernahme des US-Generikaherstellers Hospira. Zudem muss Pfizer in den nächsten Jahren weitere Patentabläufe verkraften. So laufen etwa die Schutzrechte für das umsatzstarke Schmerzmittel Lyrica in den USA aus.


Die Performance der Branche ist durchwachsen

Pfizer bewegt sich dabei mit der durchwachsenen Performance nahezu im Branchenschnitt. Die führenden zehn Pharmahersteller, die inzwischen alle ihre Quartalszahlen vorgelegt haben, verbuchten im ersten Halbjahr in der Summe einen Rückgang ihrer Arzneimittelerlöse um 0,3 Prozent auf 166 Milliarden Dollar sowie stabile Gesamterlöse (inklusive sonstiger Aktivitäten) von 206 Milliarden Dollar. Etwa ein bis zwei Prozentpunkte Wachstum dürfte dabei die Aufwertung des Dollars gekostet haben.

Lediglich der Schweizer Roche-Konzern und die US-Firma Abbvie verbuchten nennenswerte Zuwächse von fünf bzw. knapp neun Prozent. Mit Gilead und Astra-Zeneca verzeichneten auf der anderen Seite gleich zwei Vertreter der bisherigen Top Ten der Pharmabranche zweistellige Umsatzrückgänge.

Etwas günstiger sieht der Trend bei den ausgewiesenen Erträgen aus. Die Betriebsgewinne der größten zehn Konzerne legten im Schnitt um rund ein Zehntel zu, die Nettogewinne sogar um ein Viertel. Auch Firmen wie Sanofi, Glaxo-Smithkline und Merck & Co profitierten von Veräußerungsgewinnen oder dem Wegfall von Sonderbelastungen.

Mit Blick auf die bereinigten Erträge haben neben Pfizer noch fünf weitere Big-Pharma-Konzerne ihre Prognosen für das Gesamtjahr leicht angehoben. Allerdings bewegten sich die Prognosen bisher auf einem relativ moderaten Niveau, was die Zuwachsraten betrifft. Big Pharma erzielt zwar weiterhin sehr ansehnliche Margen (von etwa 27 Prozent auf bereinigter Basis), tut sich aber insgesamt schwer damit, die Gewinne zu steigern.

Selbst die nun leicht angehobenen Prognosen laufen in der Summe auf einen leichten Rückgang der bereinigten Gewinne bei den Top Ten auf insgesamt schätzungsweise 112 Milliarden Dollar im Gesamtjahr hinaus. Denn Gilead und Astra-Zeneca rechnen weiterhin mit zweistelligen Gewinneinbußen.

Pfizer-Chef Read bekräftigte unterdessen am Dienstag die Strategie der Gewinnsteigerung durch interne Effizienzverbesserung und wenig erkennen von einem Strategiewechsel in Richtung neuer Großakquisitionen. „Wir sind weiter fokussiert darauf, unsere Möglichkeiten im Markt zu maximieren, die Pipeline voranzubringen und unsere Kostenstruktur zu managen“, wird er in der Quartalsmitteilung des Pharmariesen zitiert. Ziel sei es, eine attraktive finanzielle Performance im Laufe der Zeit zu liefern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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