Photovoltaikkonzern in der Krise: Kahlschlag bei Solarworld

Photovoltaikkonzern in der Krise: Kahlschlag bei Solarworld

, aktualisiert 10. Februar 2017, 16:09 Uhr
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Krise in Bonn: Der Gründer des Solarmodulherstellers Solarworld kämpft um den Fortbestand seins ökonomischen Lebenswerks.

von Franz HubikQuelle:Handelsblatt Online

Personalabbau und schlankere Produktpalette: Solarworld baut 400 Stellen ab und fokussiert seine Fertigungen auf monokristalline Solarmodule. Der schwer angeschlagene Photovoltaikkonzern meldet für 2016 herbe Verluste.

DüsseldorfDie Krise bei Solarworld spitzt sich weiter zu. Der ums Überleben kämpfende Bonner Photovoltaikkonzern hat 2016 das sechste Jahr in Folge Verluste geschrieben. Auf Basis von vorläufigen Geschäftszahlen meldet Solarworld für das vergangene Jahr ein Minus vor Zinsen und Steuern (Ebit) in der Höhe von 99 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2015 betrug der Ebit-Verlust vergleichsweise mickrige 4,2 Millionen Euro.

Zwar konnte Solarworld seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent steigern – auf 803 Millionen Euro. Aber die Bonner haben im gleichen Zeitraum mehr als 100 Millionen Euro verbrannt. Betrugen die liquiden Mittel Ende 2015 noch 189 Millionen Euro, waren es zum Ende des vergangenen Jahres nur mehr 88 Millionen Euro.

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In Folge der miserablen Bilanz verordnet Konzernchef Frank Asbeck seiner Firma nun ein Sparpaket. Bis 2019 sollen 400 Vollzeitstellen gestrichen werden. Aktuell beschäftigt Solarworld rund 3.300 Mitarbeiter.  Solarworld fokussiert sich zudem künftig ausschließlich auf die Fertigung monokristalliner Solarmodule. Das heißt: Die Bonner wollen keine multikristallinen Solarprodukte mehr herstellen, da diese über geringere Wirkungsgrade verfügen, sprich einen geringen Stromertrag einbringen.

„Im Wettbewerb bestehen wir, wenn wir uns ausschließlich auf innovative Solartechnologie höchster Qualität, Langlebigkeit und Leistung konzentrieren“, erklärte Asbeck. Im Zuge des Konzernumbaus bündelt Solarworld seine Wertschöpfungsstufen an einzelnen Produktionsstandorten. Konkret heißt das: Statt wie bisher an den beiden deutschen Standorten im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt sowohl Solarmodule als auch Solarzellen herzustellen, fokussieren sich die Werke auf die Herstellen jeweils nur eines dieser Produkte.

In Arnstadt wird die Modulproduktion stillgelegt und die Zellfertigung ausgebaut und in Freiberg wird die Zellfertigung aufgelassen und dafür die Modulproduktion ausgeweitet. Am dritten Produktionsstandort von Solarworld, im amerikanischen Hillsboro, produzierte Solarworld schon bisher nur monokristalline Photovoltaikprodukte. Hier ändert sich also vorerst nichts Gravierendes.

„Die geplanten Maßnahmen führen zu einer deutlichen Kostensenkung und Effizienzsteigerung. Unser Ziel ist es, gestärkt aus der schwierigen Marktphase hervorzugehe und bis 2019 unsere Modulabsatzmenge auf rund 2 Gigawatt zu steigern“, sagte Asbeck. Der Gründer und Chef von Solarworld sieht die Ursache für die Misere seiner Firma in den Verwerfungen auf den internationalen Solarmärkten. Konkret hätten chinesische Produzenten aufgrund gekappter Förderungen im Reich der Mitte den Weltmarkt mit ihren Billigmodulen zu Dumpingpreisen geflutet. In der Folge sind dann die Preise für Solarmodule alleine im vergangenen Jahr um 20 bis 30 Prozent eingebrochen und Solarworld rutschte tief in die roten Zahlen.

Asbeck will sich mit qualitativ hochwertigen Produkten vom Wettbewerb absetzen und jährlich einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in die Verbesserung der eigenen Technologie investieren. Aus Sicht von Arash Roshan Zamir, Analyst bei Warburg Reserach, ergibt die Fokussierung von Solarworld auf nur noch eine Technologie durchaus Sinn. Aber zunächst kostet die Restrukturierung erst einmal Geld. „Allein für die Rückstellungen für den Umbau müssten in diesem Jahr 12 Millionen Euro anfallen“, erklärt Roshan Zamir. Dabei wäre der Cashbestand mit 88 Millionen Euro schon jetzt „besorgniserregend niedrig“, so Roshan Zamir. Und die liquiden Mittel dürften weiter schrumpfen.

„Bis 2019 muss Solarworld wohl mindestens 40 Millionen seiner liquiden Mittel aufwenden“, erklärt Roshan Zamir. Die entscheidende Frage ist aus Sicht des Analysten, ob Solarworld bis 2019 tatsächlich den Turnaround einleiten kann. „Wenn alles gut geht, könnte das klappen. Der Spielraum wird aber zweifelsohne sehr gering sein“, sagt Roshan Zamir. Und selbst wenn Solarworld bis 2019 überlebt, muss der Konzern dann 350 Millionen Euro an Anleihen und Darlehen zurückzahlen. Ob Solarworld irgendeine Bank findet, die dem Unternehmen dafür neue Kredite gewährt, ist äußerst zweifelhaft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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