Pleite zu Weihnachten: 6.600 Arbeitsplätze bei Manroland in Gefahr

Pleite zu Weihnachten: 6.600 Arbeitsplätze bei Manroland in Gefahr

, aktualisiert 25. November 2011, 17:33 Uhr
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Einige hundert Mitarbeiter von Manroland ziehen in Offenbach vor das Werkstor und blockieren eine wichtige Durchgangsstraße.

Quelle:Handelsblatt Online

Der weltweit drittgrößte Druckmaschinenhersteller Manroland hat Insolvenz beantragt. Rund 6.600 Beschäftigte müssen einen Monat vor Weihnachten um ihre Jobs fürchten. Auch der Konkurrenz steht das Wasser bis zum Hals.

München/OffenbachEs ist seit Arcandor die größte Pleite in Deutschland innerhalb der letzten beiden Jahre: Der angeschlagene Druckmaschinenhersteller Manroland hat beim Amtsgericht in Augsburg einen Insolvenzantrag einreicht, nachdem die Verhandlungen mit einem potenziellen Investor auf der Zielgerade gescheitert sind. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Werner Schneider bestimmt.

Manroland will das Insolvenzverfahren für einen grundlegenden Umbau nutzen und möglichst viele Einheiten sanieren. „Bei aller Enttäuschung über den einzuschlagenden Weg bietet das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hinreichend Chancen, weil das Unternehmen überzeugende Produkte, das nötige Know-how und eine exzellente Mannschaft hat“, teilte der Konzern in Augsburg mit und bestätigte damit erstmals selbst die Pleite des traditionsreichen Unternehmens. „Auslöser für den Insolvenzantrag ist der erneute dramatische Einbruch im Auftragseingang, der seit Mitte Juli zu beobachten ist und sich zuletzt beschleunigt hat“, heißt es in der Mitteilung. Zudem klagten viele Kunden infolge der Finanzkrise über Schwierigkeiten, Aufträge finanzieren zu können.

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Damit müssen rund 6600 Beschäftigte des seit Jahren kriselnden Konzerns um ihre Arbeitsplätze bangen. Die Mitarbeiter sollen bereits für den November keine Löhne und Gehälter mehr ausgezahlt bekommen. Das berichtete die Betriebsrätin des Werkes Offenbach, Alexandra Roßel, am Freitag nach der Betriebsversammlung, die in einen Protestzug mündete. Wegen mangelnder Auftragslage hat der Konzern im Oktober die Arbeitszeiten am Stammsitz in Offenbach verkürzt und an den beiden weiteren Standorten in Augsburg und Plauen wird bereits seit März 2009 kürzer gearbeitet.

Hoffnungsschimmer für die Konkurrenz

Während um den einen die Geier kreisen, steigen an der Frankfurter Börse die Kurse des ebenfalls gebeutelten Rivalen Heidelberger Druck zeitweise um bis zu zehn Prozent. Eine Insolvenz von Manroland würde einen Konkurrenten aus dem Markt nehmen, erklärten Händler diese Reaktion. Auch die Papiere des Würzburger Unternehmens Koenig & Bauer (KBA) zogen an der Börse um mehr als fünf Prozent an. Die Wettbewerber hatten unter dem Preiskampf gelitten, den Manroland angezettelt hatte, um an Aufträge und frisches Geld zu kommen. Eine Marktbereinigung wäre dringend nötig, hieß es in Branchenkreisen.

Seit längerem haben der Allianz-Investor Allianz Capital Partners (ACP) und MAN nach einem Käufer für das kriselnde Unternehmen gesucht - bislang ohne Erfolg. ACP hält 75 Prozent der Anteile und 65 Prozent der Stimmrechte. Ein Viertel der Anteile und 35 Prozent der Stimmrechte liegen bei MAN. Möglicherweise suchen beide Partner nun die Lösung in einem Insolvenzverfahren.

Die IG Metall wirft den Anteilseignern mangelnde finanzielle Hilfe vor. Die Alteigentümer seien nicht zu weiterer Unterstützung bereit gewesen, nachdem sich ein möglicher Investor überraschend zurückgezogen hatte, erklärte der stellvertretende Manroland-Aufsichtsratvorsitzende Jürgen Kerner am Freitag in Frankfurt. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat seien bestürzt über die Entscheidung. „Ein Unternehmen mit über 160-jähriger Geschichte und tausenden hochqualifizierten Beschäftigten kann man nicht einfach abschreiben“, sagte auch Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler. Unternehmen, Staatsregierung und Gewerkschaften müssten nun an einen Tisch.

Ein Zusammenschluss von Manroland mit Heidelberg - wo die Allianz ebenfalls Großaktionär ist - war vor zwei Jahren geplatzt. Auf eine Übernahme durch einen der großen Konkurrenten kann die Manroland-Belegschaft auch jetzt kaum hoffen: „Außer Restrukturierung und Kurzarbeit haben die nichts zu bieten - und das haben wir selbst“, hieß es bei einem Konkurrenten. „Für eine Fusion bräuchte man einen Riesen-Batzen Geld.“

Die Pleite wäre wohl die größte Insolvenz in diesem Jahr in Deutschland. Der Münchner Lkw-Bauer MAN hatte die Mehrheit an der damaligen MAN Roland 2006 an ACP verkauft. Hoffnungen auf einen baldigen Börsengang oder einen schnellen Verkauf musste der Finanzinvestor bald begraben. Seit dem Einstieg hat sich der Umsatz halbiert, seit 2009 schreibt Manroland auch operativ Verluste.

Heideldruck droht neuer Kahlschlag

Insgesamt sind die Aussichten der Druckmaschinenhersteller gerade alles andere als rosig, da der ganze Sektor strukturell schrumpft. Kunden haben Probleme, die meist mehr als eine Million Euro teuren Maschinen zu finanzieren, zudem geht die Nachfrage nach Druckerzeugnissen im Zeitalter des Internets zurück.

Konkurrent Heidelberger Druckmaschinen hatte nach vierjähriger Verlustserie sein Gesamtjahresziel am 8. November aufgegeben und erklärt, dass rund die Hälfte der Mitarbeiter in Deutschland kürzer arbeiten. Auch hier droht wohl ein Kahlschlag beim Personal. Da der Konjunktur zunehmend die Puste ausgeht und ein Ende der roten Zahlen nicht absehbar ist, soll das Unternehmen mit noch knapp 16.000 Beschäftigten erneut auf den Kopf gestellt und nach Einsparmöglichkeiten durchforstet werden. „Wir schließen nichts aus“, sagte Vorstandschef Bernhard Schreier, der bei Heideldruck seit 2008 bereits jede fünfte Stelle gestrichen hat. „Alle bisher ergriffenen Maßnahmen zur Kostensenkung reichen nicht aus, um das Unternehmen auf einen dauerhaft profitablen Kurs zu bringen“, sagte Schreier, dem im vergangenen Quartal im Zuge der Euro-Schuldenkrise auch noch die Absatzmärkte in Europa, dem Nahen Osten und Afrika wegbrachen.

Die vor allen in Deutschland, Japan und den USA ansässigen Druckmaschinenhersteller haben vom Aufschwung nach der Finanzkrise kaum profitiert, da die meist mittelständischen Druckereien mit dem Kauf neuer Maschinen bis dato zögern. Die Pläne von Heideldruck, binnen zwei Jahren wieder auf mehr als drei Milliarden Euro Umsatz und eine operative Rendite von fünf Prozent zu kommen, sind daher Makulatur. „Da die konjunkturelle Lage weltweit unsicherer geworden ist und die Markterholung nicht wie erwartet eintritt, werden wir aktiv gegensteuern, um unser mittelfristiges Ertragsziel zu erreichen“, sagte Schreier.

Bis Ende des noch bis März laufenden Geschäftsjahres würden die Fertigungsstandorte in Deutschland und die weltweite Marktpräsenz auf den Prüfstand gestellt. Tabus gebe es dabei nicht, unterstrich der Vorstandschef.

Analysten rechnen mit dem erneuten Abbau von rund 1000 Jobs sowie dem Verkauf von Geschäftsbereichen wie der Druckvorbereitung oder Weiterverarbeitung. Denn im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2011/12 (31. März) schrumpfte der Umsatz bei flauer Nachfrage erneut um 1,3 Prozent auf 1,18 Milliarden Euro. Der für Maschinenbauer wichtige Auftragseingang schmolz sogar um mehr als sieben Prozent auf 1,33 Milliarden Euro ab, nachdem im Vorjahreszeitraum zwei Branchenmessen den Ordereingang auf 1,4 Milliarden Euro hochgetrieben hatten.

Der Konkurrenz steht ebenfalls das Wasser bis zum Hals: Auch Koenig & Bauer sowie der japanische Wettbewerber Komori drucken bei schwankender Auftragslage seit langem rote Zahlen. Auch der US-Foto-Pionier und Druckerhersteller Kodak kämpft ums Überleben und braucht schnell frisches Geld. Zwar wächst der weltweite Markt für Drucksachen und Verpackungen trotz Online-Werbung dank Schwellenländern wie China und Brasilien, doch werden die Druckmaschinen immer leistungsfähiger und halten länger.

Quelle:  Handelsblatt Online
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