Poker um Alstom: Siemens will keinen Deal um jeden Preis

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Poker um Alstom: Siemens will keinen Deal um jeden Preis

von Matthias Kamp

Welche Folgen hätte ein Zusammenschluss von General Electric und Alstom für Deutschlands wichtigsten Technologiekonzern?

Noch einmal will Jeff Immelt nicht nach Paris reisen, um Parlament und Regierung seine Pläne für die Übernahme des angeschlagenen Alstom-Konzerns zu erklären. Bei seinem letzten Auftritt vor der Nationalversammlung in der französischen Hauptstadt hatte der CEO des amerikanischen Mischkonzerns General Electric (GE) versprochen, keine Jobs zu streichen, sondern im Gegenteil 1000 neue Stellen in Frankreich zu schaffen. Von einem „verbesserten“ und „gestärkten“ Angebot sprach Frankreichs Staatspräsident François Hollande nach Immelts Auftritt. Das sei nun aber das letzte Wort gewesen, nochmals nachgebessert würde die Offerte nicht, heißt es in GE-Kreisen. „Immelts Schicksal wird schließlich nicht in Paris, sondern am Ende aller Tage an der Wall Street entschieden.“

Immelts Gegenspieler Joe Kaeser will sich bis zum 16. Juni zu einem Angebot für die Energietechniksparte der Franzosen äußern. Der Siemens-Chef beklagt allerdings, die Deutschen hätten nicht den gleichen Zugang zu den Alstom-Büchern wie GE. Nicht wenige Beobachter halten diesen Vorwurf allerdings für eine Taktik, mit der Kaeser schon mal den Ausstieg aus dem politisch initiierten Milliarden-Übernahmevorhaben einklingeln wolle. Zu groß sind die Herausforderungen von Kaesers geplantem Konzernumbau schon ohne den Alstom-Deal.

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Doch wie bedrohlich wären die Folgen einer amerikanisch-französischen Allianz für Deutschlands bedeutendsten Technologiekonzern? Die vier wichtigsten Fragen und Antworten:

Der Auftrieb war gewaltig, als GE in der vergangenen Woche auf der Messe Power-Gen Europe in Köln seine neue hocheffiziente Gasturbine vom Typ 9H vorstellte. Die Veranstaltung am Rhein ist die wichtigste für Kraftwerkstechnik und Energiewirtschaft außerhalb der USA. GE nutzte sie, um ein Zeichen in Richtung München zu setzen. Denn auch Siemens hat mit seiner in Berlin gefertigten 8000H-Gasturbine eine ähnlich moderne Anlage mit hohem Wirkungsgrad im Angebot.

Es ist vor allem das Geschäft der Münchner mit der Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen, das im Falle einer Allianz aus GE und Alstom einen mächtigen Gegenspieler bekäme. Die Franzosen erzielten zuletzt 70 Prozent ihres Umsatzes von 20 Milliarden Euro mit Energietechnik.

Schon vor mehr als einem Jahrzehnt hatten die Amerikaner von Alstom das Gasturbinengeschäft mit den dazugehörigen Werken im elsässischen Belfort übernommen. Weil die Franzosen dort auch ihre Dampfturbinen bauen, fertigen seitdem beide Unternehmen in der französischen Stadt auf gegenüberliegenden Straßenseiten ihre Anlagen.

Bei einer Alstom-Übernahme bekäme GE auch eben jenes Dampfturbinengeschäft der Franzosen in die Hand. Es entstünde ein neues Schwergewicht, dessen Sparte für Energietechnik doppelt so groß wäre wie die des deutschen Konkurrenten. Siemens erwirtschaftete mit Energietechnik im Geschäftsjahr 2013 (zum 30. September) einen Umsatz von fast 27 Milliarden Euro.

Bieterkampf um Alstom So gut stehen die Chancen für Siemens

General Electric und Siemens buhlen um Alstom. Paris favorisiert ein Lösung mit Siemens. Doch Abseits von politischem Kalkül bringen die Münchener auch wirtschaftlich die überzeugendere Lösung.

Quelle: REUTERS

Zwar läuft das Kraftwerksgeschäft in Europa wegen der Energiewende seit einigen Jahren schleppend, die Musik spielt hier zurzeit in Asien und Amerika. Allerdings sitzt Alstom auf einem gewaltigen Bestand lang laufender Wartungsverträge für Kraftwerke, vor allem in Deutschland. Der Konzern aus Frankreich gilt als größter unabhängiger Serviceanbieter auf diesem Feld. Auch und vor allem auf diese Verträge haben es die Amerikaner abgesehen, denn das Servicegeschäft wirft extrem hohe Renditen ab.

Sehr stark ist Alstom außerdem bei der Stromübertragung, einem Bereich, in dem Siemens zuletzt Probleme hatte und den GE bisher noch nicht im Portfolio hat.

Fazit: Beim Geschäft mit Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen bekäme Siemens einen mächtigen Wettbewerber. Kaesers Plan, künftig vor allem auf das Öl-und Gasgeschäft in den USA zu setzen, wäre mit neuen Herausforderungen behaftet.

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