Poker um Alstom: Union Investment warnt Siemens vor Alstom-Kauf

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Poker um Alstom: Union Investment warnt Siemens vor Alstom-Kauf

, aktualisiert 28. Mai 2014, 15:00 Uhr

Neues im Poker um Alstom: Die Fondsgesellschaft Union Investment hat Siemens vor der Übernahme der Energiesparte von Alstom gewarnt. General Electric hat derweil sein Angebot verbessert.

Die Fondsgesellschaft Union Investment warnt Siemens -Chef Joe Kaeser eindringlich von einer Übernahme der französischen Alstom. „Wir sehen einen möglichen Alstom-Deal sehr kritisch, zumal die Prioritäten in Herrn Kaesers jüngst vorgestelltem Reorganisationsplan ganz woanders liegen“, erklärte Fondsmanager Christoph Niesel. Die Frankfurter sind die ersten Großanleger von Siemens, die sich explizit gegen den Kauf der Energietechniksparte der Franzosen wenden.

Sollte Siemens den US-Rivalen General Electric im milliardenschweren Bieterkampf übertrumpfen, würde Siemens von Versorgerkunden noch abhängiger, außerdem würden die Projektrisiken steigen. „Mögliche Synergiepotenziale sind vor dem Hintergrund der notwendigen Jobgarantien und der aktiven Rolle der französischen Gewerkschaften und Politik wenig glaubwürdig“, mahnte Niesel. Sein Haus gehört zu den größten Fondsaktionären von Siemens.
Die Managementkapazitäten würden auf Jahre strapaziert, dabei würden sie doch gerade für Kaesers Umbauplan gebraucht. Der Manager richtet Siemens stärker auf Energietechnik und Industrieausstattung aus und setzt dabei vor allem auf den US-Markt, der Chancen wegen des Schiefergasbooms verspricht. "Die Ausbalancierung des Konzerns würde ad absurdum geführt, die Glaubwürdigkeit in die Neuausrichtung von Siemens erschüttert", urteilt der Fondsmanager. Hinzu komme der Widerwillen großer Teile des Alstoms Managements, mit Siemens zusammenzuarbeiten.

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Hintergrund zum Übernahme-Poker um Alstom

  • Warum soll Alstom seine Unabhängigkeit verlieren?

    Das Unternehmen wird für zu klein gehalten, um langfristig auf dem Weltmarkt bestehen zu können. Aktuell gibt es keine großen Probleme, aber bereits für das vergangene Geschäftsjahr musste der Konzern einen Gewinneinbruch um mehr als ein Viertel auf 556 Millionen Euro verbuchen. Weiter schwächen könnte Alstom ein Korruptionsverfahren in den USA, das mit einer Rekordstrafe enden könnte. Dieser Punkt spielt auch bei der laufenden Risikoprüfung durch Siemens eine Rolle.

  • Warum scheint die Alstom-Führung gegen Siemens zu sein?

    Konzernchef Kron wird eine hartnäckige Abneigung gegen Siemens nachgesagt. Angeblich nimmt er dem deutschen Unternehmen bis heute Ereignisse aus dem Alstom-Krisenjahr 2004 übel. Die Münchner hatten über Einflussnahme in Brüssel versucht, einen mit Staatsgeldern finanzierten Rettungsplan für Alstom zu stoppen, weil sie schon damals Teile des Konzerns übernehmen wollten. Kron ist zudem der Ansicht, dass Siemens und Alstom in zu vielen Bereichen direkte Konkurrenten sind. Für die letztlich entscheidenden Großaktionäre könnte eine Rolle spielen, dass Genral Electric die Alstom-Energietechnik etwas höher bewertet, als Siemens es in einer ersten Schätzung getan hat.

  • Welche Schritte stehen als nächstes an?

    Sobald Siemens seine Karten auf den Tisch gelegt hat, ist wieder der Alstom-Verwaltungsrat am Zug. Sollten die Münchner ein Angebot machen, würde die GE-Führung noch einmal einige Tage Zeit bekommen, um ihre Offerte nachzubessern. Eine schnelle Entscheidung ist allerdings nicht zu erwarten. Die Amerikaner ließen am Donnerstagabend mitteilen, dass sie auf Wunsch der französischen Regierung die Laufzeit ihres ersten Angebots um knapp drei Wochen bis zum 23. Juni verlängert haben. Damit dürfte sich das ganze Verfahren weiter in die Länge ziehen.

Auch die EU-Kommission würde nach Einschätzung des Bundeskartellamts eine Übernahme des Energiegeschäfts von Alstom durch Siemens genau unter die Lupe nehmen. "Siemens/Alstom: Das ist mit Sicherheit - wenn es ein Fall wird - ein Fall, der bei der Kommission geprüft werden wird", sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, am Dienstagabend vor der Wirtschaftspublizisitischen Vereinigung Düsseldorf. "Da sind sicherlich Bereiche zu identifizieren, die nicht ganz einfach sind." Diese müsse man sich dann ganz genau ansehen.

Siemens will von den Franzosen das Energiegeschäft übernehmen, diese bekämen die Mehrheit der Zugtechnik von Siemens. Der Kartellamtschef geht davon aus, dass der Fall nicht bei ihm, sondern in Brüssel landen würde. Nach einer Faustformel muss die EU-Kommission Übernahmen prüfen, sobald die beteiligten Unternehmen zusammen auf einen Umsatz von fünf Milliarden Euro kommen.

Derweil hat General Electric nach Angaben der französischen Regierung sein Angebot für die Alstom-Energietechnik verbessert. Insbesondere in Sachen Arbeitsplätze habe der amerikanische Siemens-Rivale nachgelegt, teilte das Präsidialamt in Paris am Mittwoch mit. GE-Chef Jeff Immelt hatte am Vorabend im Wirtschaftsausschuss des französischen Parlaments angekündigt, einen detaillierten Plan vorzustellen, wie GE nach einer Übernahme die Zahl der Arbeitsplätze in Frankreich steigern und neue Werke eröffnen werde. Letztlich geht es dem Unternehmen darum mit den neuen Arbeitsplätzen zu punkten. Innerhalb von drei Jahren sollen 1000 neue Stellen geschaffen werden.

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Zudem bot er eine Kooperation in der Bahnsignaltechnik unter Führung von Alstom an. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte seinen Pariser Statthalter Christophe de Maistre ausrichten lassen, er sei gerne bereit, seinerseits den Siemens-Vorschlag den Politikern zu erklären.

Kaeser will bis 16. Juni ein detailliertes Angebot für Alstom vorlegen. Bereiche von nationaler Bedeutung würden ausgeklammert, hatte Siemens-Manager Christophe de Maistre am Dienstagabend im französischen Parlament erklärt. Alstom würde im Tausch mit der Siemens-Zugsparte ausgestattet. Kreisen zufolge liegt die Barkomponente der Offerte unter sieben Milliarden Euro. Kaeser hatte betont, es sei ihm durchaus ernst mit dem Vorstoß gegen GE. Experten rechnen allerdings nicht damit, dass er die Pläne mit letzter Konsequenz durchziehen wird.

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