Porsche mit neuem Motorenwerk: In Zuffenhausen beginnt die Zukunft – ein bisschen

Porsche mit neuem Motorenwerk: In Zuffenhausen beginnt die Zukunft – ein bisschen

, aktualisiert 08. Juli 2016, 18:05 Uhr
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Oliver Blume (l-r), Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, Katrin Schütz, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, Porsche-Betriebsratsvorsitzender Uwe Hück und Christian Will, Leiter Aggregate und Komponenten der Porsche AG, schwingen symbolisch eine Zielflagge bei der Eröffnungsfeier in Stuttgart.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen hat die automobile Zukunft begonnen. Der Sportwagenhersteller hat ein neues Motorenwerk in Betrieb genommen. Noch dominiert dort der Verbrennungsmotor. Aber nicht mehr lange.

StuttgartWie von Geisterhand gelenkt fährt der Transportschlitten über den Boden. Kein Mensch ist zu sehen, niemand wird hier gebraucht. Oben auf der Ladefläche ist genau das festgezurrt, um das es hier ausschließlich geht: ein Acht-Zylinder-Turbomotor mit einer Leistung von 550 PS. Etwas, was vor allem Männerherzen begeistern dürfte.

Bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen hat die automobile Zukunft begonnen, zumindest ein bisschen. Die Transportschlitten stehen für die Fabrik des nächsten Jahrzehnts. 10.000 Magnete liegen unsichtbar im Boden der Werkshalle. Sie sorgen dafür, dass sich Menschen in der neuen Motorenfabrik nicht mehr allzu sehr um irgendwelche Transporte kümmern müssen. Die Schlitten haben selbstverständlich einen Elektromotor – und sind damit den Porsche-Autos noch um einiges voraus.

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Porsche hat am Freitag in Zuffenhausen seine neue Motorenfabrik in Betrieb genommen. Knapp 100 Millionen Euro musste der Sportwagenhersteller für sein neues Werk investieren. Nach der Einarbeitungsphase sollen dort täglich 200 der großen und schweren V8-Motoren produziert werden. 400 Mitarbeiter wird die Fabrik am Ende haben.

Porsche braucht starke Motoren. Genau deshalb sind Kunden weltweit dazu bereit, sehr viel Geld für die Sportwagen aus Stuttgart zu bezahlen. Für Vorstandschef Oliver Blume ist die Fabrik deshalb ein wichtiger Baustein, die Erwartungen der Porsche-Fahrer auch in den nächsten Jahren erfüllen zu können. „Hier entsteht das Herz des Sportwagens“, freute sich Blume. Und es gebe im Unterschied zu anderen Autohersteller immer noch etwas von Handarbeit in der Fabrik. Etwas, was Porsche von den meisten Konkurrenten unterscheidet.

Das neue Werk in Zuffenhausen ist noch aus einem anderen Grund eine Besonderheit für den Sportwagenhersteller. Zum ersten Mal produziert Porsche einen Motor nicht nur für sich selbst. Die Fabrik ist auf eine Jahresproduktion von etwa 40.000 Stück ausgelegt – so viele Autos kann Porsche mit dem neuen Aggregat überhaupt nicht allein verkaufen. Die Stuttgarter werden zwar den V8-Motor erstmals im neuen Panamera verwenden, der zum Jahresende in Deutschland auf den Markt kommt. Aber auch die Stückzahlen des Panamera sind viel zu niedrig.

Porsche soll den neuen PS-Protz innerhalb der Volkswagen-Gruppe für andere Konzerntöchter produzieren. In Frage kommen dafür vor allem die Premium- und die Luxusmarken von VW, also Audi, Bentley und Lamborghini. Das Massengeschäft von Volkswagen, zu dem auch Skoda und Seat gehören, braucht den Stuttgarter Motor eher nicht. Die Entscheidung zum Bau der neuen Motorenfabrik hatte Porsche vor drei Jahren in enger Abstimmung mit der Konzernführung in Wolfsburg getroffen.

Zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass Porsche in der neuen Fabrik schon bald mehr als 40.000 Motoren pro Jahr produzieren wird. Unmittelbar hinter dem neuen Werksgebäude gibt es weitere Freiflächen, die die Stuttgarter VW-Tochter in den nächsten Jahren mit weiteren Gebäudeteilen bebauen kann. Auch Vorstandschef Blume spricht schon jetzt davon, dass „flexible Anpassungen möglich sind“. Verkleinerungen sind in der wachstumsorientieren Automobilbranche eine Seltenheit.

In der neuen Motorenfabrik südlich des Porsche-Stammwerks in Zuffenhausen dürfte in den kommenden Jahren noch etwas ganz anderes passieren. Vorstandschef Blume hat dabei eine ziemlich klare Vision vor Augen: „Dieses Motorenwerk spielt eine wichtige Rolle bei der Elektrifizierung.“ In dem neuen Gebäude kann noch eine weitere Etage eingezogen werden, die baulichen Voraussetzungen sind dafür bereits geschaffen worden. Nach Blumes Andeutung dürften dort wahrscheinlich künftig auch Elektromotoren gefertigt werden.


Markenimage in das Elektrozeitalter übertragen

Alles passt in die aktuelle Porsche-Strategie. Die Stuttgarter werden zwar auch in den kommenden Jahren auf den klassischen Verbrennungsmotor nicht verzichten können. Das neue V8-Aggregat aus dem am Freitag eröffneten Werk ist das beste Beispiel dafür. Aber es wird nicht dabei bleiben, der Elektromotor kommt dazu. Auch Porsche kann sich den neuen Umweltauflagen nicht verschließen. Die Stuttgarter müssen es nur schaffen, ihr mit dem Verbrennungsmotor verbundenes Markenimage auch in das Elektrozeitalter zu übertragen.

Deshalb arbeitet Porsche bereits an der Entwicklung eines neuen Super-Elektro-Sportwagens, genannt „Mission E“. „Die Markteinführung ist zum Ende dieses Jahrzehnts vorgesehen“, versprach Vorstandschef Blume. Wenn in der neuen Motorfabrik in den kommenden Jahren auch Elektromotoren gefertigt werden, dann ist das nur Teil einer kompletten Elektrifizierungs-Strategie.

Allein in Stuttgart-Zuffenhausen will Porsche bis etwa 2020 rund 700 Millionen Euro für die Produktion des neuen elektrischen Supersportwagens ausgeben. Die geplante „Mission E“ bekommt eine eigene Lackiererei und eine eigene Fertigungslinie. Die Planung sieht vor, dass dadurch 1.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Porsche will zeigen, dass das Unternehmen auch bei Elektrofahrzeugen in der ersten Liga mitspielen kann. Mit dem neuen Motorenwerk ist der erste Schritt dafür schon einmal getan.

Für die Belegschaft von Porsche sind das durch und durch gute Nachrichten. Die Investition für das neue Elektrofahrzeug ist fast so etwas wie ein Standortsicherungskonzept, weil Porsche damit den Wechsel vom Verbrennungs- zum Elektromotor einleitet. Betriebsratschef Uwe Hück sprach denn auch am Freitag von einem „Wendepunkt“. Porsche beweise den Mut für den nötigen Wandel. Deshalb bekam der Vorstand vom Betriebsratschef großes Lob für das Zukunftskonzept: „Ich verneige mich für diese Standort-Entscheidung.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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