Porsche zeigt neuen Cayenne: Die ungewisse Zukunft der Diesel-Variante

Porsche zeigt neuen Cayenne: Die ungewisse Zukunft der Diesel-Variante

, aktualisiert 30. August 2017, 04:04 Uhr
von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Porsche hat den neuen Cayenne präsentiert. Es gibt noch keine Entscheidung darüber, ob der Geländewagen auch eine Diesel-Motorisierung bekommen wird. Der Sportwagenhersteller geht damit auf langsame Distanz zum Diesel.

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Der neue Porsche Cayenne ist die dritte Generation des Geländewagens aus der Stuttgarter Produktion.

StuttgartDas so sehr belastete D-Wort darf an diesem Abend zunächst nicht fallen. Tänzerinnen ganz in Weiß gekleidet bewegen sich graziös zu klassischer Musik auf dem Dach des Porsche-Museums in Stuttgart-Zuffenhausen. Weiße Luftballons steigen in den Nachthimmel auf und sollen von dem neuen Auto künden, das der Sportwagenhersteller vor Journalisten aus aller Welt zu abendlicher Stunde präsentiert.

Auf der Bühne fährt der neue Porsche Cayenne vor, die dritte Generation des Geländewagens aus Stuttgarter Produktion. Ausgerechnet das Auto, das der Volkswagen-Tochter in den vergangenen Wochen so große Probleme bereitet hat. Wegen möglicher Manipulationen an der Motoren-Software hatte das Bundesverkehrsministerium einen Verkaufsstopp für den Cayenne mit Drei-Liter-Dieselmotor verhängt. Die verkauften Autos, die auf den Straßen unterwegs sind, bekommen ein Software-Update. Gut 21.000 Kunden müssen sich auf einen Brief ihres Porsche-Händlers vorbereiten.

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Der Rückruf und der Verkaufsstopp betreffen die zweite Cayenne-Generation. Porsche-Vorstandschef Oliver Blume will doch aber an diesem Abend die neue, die dritte Generation präsentieren, die im Dezember bei den deutschen Händlern stehen soll. Deshalb sind die Diesel-Manipulationen und deren Folgewirkungen für ihn zunächst kein Thema. Blume muss das lästige D-Wort nicht erwähnen.

Die Cayenne-Erfolgsbilanz geht ihm da schon viel leichter von den Lippen. 760.000 Autos des SUV aus Stuttgart sind in den vergangenen 15 Jahren verkauft worden – und mit der dritten Generation sollen es noch deutlich mehr werden. „Das neue Auto ist sportlicher, länger und breiter geworden“, verspricht der Porsche-Chef. Der Cayenne gehöre heute zu den tragenden Säulen des Geschäfts in Stuttgart, von der gesamten Jahresproduktion von knapp 240.000 Autos entfallen etwa 70.000 auf den SUV.

Porsche sei es mit dem Fahrzeug gelungen, den Mythos des erfolgreichen Sportwagenherstellers auch auf einen Geländewagen zu übertragen. Und mit der dritten Generation werde alles noch besser und viel dynamischer: „Noch nie hatte ein Cayenne so viel Erbgut vom Porsche 911.“ Mit dem neuen Modell verfolge Porsche auch konsequent den Weg der Digitalisierung, der Cayenne sei „immer online“.

Dann präsentiert der Vorstandschef auch die Motorisierung des neuen Modells. Blume verkündet, dass zum Verkaufsstart zunächst zwei Benziner-Varianten geplant seien. Porsche-typisch mit starker Motorleistung, einmal mit 340 und das andere Mal mit 440 PS. Der SUV soll ordentlich und schnell bewegt werden können, schließlich wiegt der Cayenne gute zwei Tonnen. Langsamkeit ist in Stuttgart definitiv kein Thema.

Auch bis zu diesem Zeitpunkt ist das D-Wort noch immer nicht gefallen. Obwohl sich Porsche-Kunden beim Geländewagen immer sehr stark für diese Art der Motorisierung interessiert haben. 70 Prozent der Cayenne-Fahrzeuge sind in Europa zuletzt mit einem Diesel-Aggregat ausgeliefert worden, in Deutschland waren es sogar 80 Prozent. Der Hauptgrund: Die niedrigen Verbrauchswerte des Selbstzünders, die sich beim schweren Cayenne besonders stark bemerkbar machen.


Dann fiel das D-Wort doch noch

Wegen der hartnäckigen Nachfragen der Journalisten kann jedoch auch der Porsche-Vorstandschef dem Diesel-Thema nicht mehr ausweichen. Obwohl Blume zunächst durchblicken lässt, dass er dazu eigentlich nicht so viel sagen möchte: „Der Diesel steht für uns heute nicht zur Debatte, sondern das neue Fahrzeug.“ Da war das D-Wort dann also doch gefallen.

Wer zum Verkaufsstart im Dezember einen Diesel für den neuen Cayenne erwartet, der wird vergeblich danach Ausschau halten. „Wir haben noch keine Entscheidung getroffen, ob der neue Cayenne einen Diesel-Motor bekommen wird“, bestätigt Blume. In den kommenden Wochen stehe bei den Stuttgartern eine „genaue Marktbeobachtung“ an.

Erst wenn es ein dauerhaft ausreichendes Käuferinteresse für den Diesel gebe, werde sich Porsche auch für diese Antriebsart entscheiden. Außerdem präsentiere ein Autohersteller zum Verkaufsstart nicht sofort alle Modellvarianten, „wir können nicht gleich unser gesamtes Pulver verschießen.“

Das Stuttgarter Zögern beim Diesel hat allerdings auch noch einen anderen Grund. Bei Porsche ist eine langsame Rückzugsbewegung bei dieser Antriebsart erkennbar geworden. Der Diesel spielt auch nur bei den SUV-Modellen Cayenne und Macan eine größere Rolle. Insgesamt und auf alle Modelle bezogen liegt der Diesel-Anteil bei Porsche nur bei etwa 15 Prozent.

Durch die Diesel-Manipulationen ist die Distanz der Stuttgarter zu diesem Motor noch etwas größer geworden. Denn Porsche produziert diese Aggregate gar nicht selbst, sondern bezieht sie von der Ingolstädter Konzernschwester Audi, dem mutmaßlichen Hort aller Software-Manipulationen im Volkswagen-Reich. Porsche würde sich eine Menge Ärger ersparen, so eine Überlegung in Stuttgart, wenn der Diesel komplett aus dem Produktprogramm gestrichen werden könnte.

Bei Porsche entsteht im Moment eine größere Vorliebe für Hybrid-Modelle, Autos mit Verbrennungs- und Elektromotor. Allerdings mit Benziner und nicht mit Diesel. Und deshalb ist es keine richtig große Überraschung, dass Vorstandschef Blume auch eine Hybrid-Variante für den Cayenne verspricht. Die Zeiten für den Diesel sind hart, auch in Stuttgart. Deshalb mag Blume eine vergleichbare Garantie für den Selbstzünder im neuen Cayenne nicht abgeben.

Zum Abschluss warnt der Porsche-Chef davor, den Diesel nicht allzu sehr zu verteufeln. Wegen seiner niedrigen Kohlendioxid-Emissionen sei der Motor „hoch attraktiv“. Doch trotz dieses Vorzuges könnte es bei Porsche tatsächlich dazu kommen, dass der neue Cayenne auch dauerhaft nicht mehr mit einem Diesel-Motor ausgeliefert wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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